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Steyerl: Schloss soll «Palast vernakularer Kulturen» werden

14.07.2020 - Die Multimedia-Künstlerin Hito Steyerl will das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss als Konsequenz aus der Corona-Krise umwidmen. «Es klingt paradox, aber da jetzt auf verschiedensten Ebenen klar wird, dass die Ära neoliberaler Globalisierung vorbei ist - warum nicht das Berliner Schloss neu definieren als «Palast der vernakularen Kulturen»», sagte Steyerl, die seit Jahren zu den einflussreichsten Video- und Konzeptkünstlerinnen gezählt wird, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Vernacular» kommt aus dem Englischen und steht in etwa für «einheimisch» oder Umgangssprache.

  • Hito Steyerl nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: Stephanie Pilick/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Hito Steyerl nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: Stephanie Pilick/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Humboldt Forum solle es dann um Alltagskulturen der arbeitenden Menschen verschiedener Umgebungen gehen, meinte Steyerl. «Die sind ultrakomplex und interessant und heben sich himmelweit von den pompösen und deplatzierten Kulturvorstellungen ab, die in diese überflüssige Hülle hineindiktiert wurden», sagte die Professorin an der Universität der Künste Berlin.

«Dort könnte ökologische und technische Kompetenz entwickelt werden, die aus den Nachbarschaften und konkreten Lebensumgebungen kommt und zu deren nachhaltigen Selbstverwaltung beiträgt, anstatt peinliche nationale Selbstdarstellung zu betreiben.»

Das 644 Millionen Euro teure Humboldt Forum soll bis Herbst 2021 in drei Schritten als Kultur- und Ausstellungszentrum für vor allem Außereuropäisches eröffnet werden. Die 40 000 Quadratmeter umfassende äußerliche Rekonstruktion des historischen Stadtschlosses bespielen dann die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität.

Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Diskutiert wird dabei auch über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken.

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