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Trotz Corona: Berliner Schulen starten mit Abiturprüfungen

20.04.2020 - In Deutschland war es schon lange nicht mehr so schwierig wie im Corona-Jahr 2020, das Abitur abzulegen. Dabei geht es gar nicht um die Aufgaben selbst, sondern die Rahmenbedingungen. Dennoch wird es für die Berliner Schüler nun ernst.

  • Abiturienten schreiben eine Abiturprüfung. Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Abiturienten schreiben eine Abiturprüfung. Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

1,50 Meter Mindestabstand, maximal acht Schüler pro Raum, viel Aufwand für Reinigung und Desinfektion: Unter bislang nie dagewesenen Umständen wegen der Corona-Krise haben in Berlin am Montag die Abiturprüfungen begonnen.

Den Anfang machten die Latein-Klausuren. Je nach Schule wurden teils aber auch schon andere Fächer geprüft. Die schriftlichen Tests dauern bis Mitte Mai, dann folgen die mündlichen Prüfungen.

Nach fünf Wochen Schließung sind die 14 600 Berliner Abiturienten die ersten, die in dieser Woche nach und nach wieder in ihre Schulen zurückkehren. Die Abiturprüfungen werden in etwa 150 staatlichen Schulen und einigen weiteren Einrichtungen freier Träger abgehalten.

Um eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu minimieren, müssen sich alle Beteiligten an zahlreiche Abstands- und Hygieneregeln halten. So gilt schon auf dem Weg in die Prüfungsräume wie auch in den Räumen selbst ein Mindestabstand von 1,50 Meter.

Auf dem Schulhof des Rheingau-Gymnasiums in Friedenau etwa waren mit Farbspray in gebührendem Abstand Plätze für ankommende und wartende Schüler markiert. Am Eingang zum Gebäude wurde ein Spender für Desinfektionsmittel angebracht. Nach Beobachtungen eines dpa-Reporters verhielten sich die Schüler diszipliniert.

Auch andere Schulen verteilen Gruppen von Prüflingen auf mehrere Zimmer und räumten dort Stühle und Tische um, um den Mindestabstand sicherzustellen. Manche Schulen wie das Eckener-Gymnasium in Tempelhof nutzen in den kommenden Tagen und Wochen auch Aula oder Turnhalle für die Abiturprüfungen. Türklinken und Garderobenhaken wollten die Schulen ebenso regelmäßig reinigen und desinfizieren wie Tische und Stühle.

Die Durchführung der Abi-Prüfungen war zuletzt heftig umstritten. Der Landesschülerausschuss machte wochenlang Front und forderte ein Abi ohne Abschlusstests. Viele Schüler seien in der Corona-Krise verunsichert und hätten sich zu Hause nicht richtig vorbereiten können. Etliche hätten gesundheitliche Bedenken.

«Vor diesem Hintergrund wollten sich einige Schüler für die Prüfungen krankmelden», sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates, Miguel Gongora, der Deutschen Presse-Agentur. Andere Schüler aus Risikogruppen, etwa solche mit Vorerkrankungen, hätten angekündigt, sich an ihre Schulleitung zu wenden, um Sondertermine für die Klausuren zu erbitten.

Gongora verwies zudem auf etwa 220 Schüler, die auf juristischem Wege gegen die Prüfungen vorgingen. Hier stünden noch Entscheidungen aus. Am vergangenen Freitag hatte das Verwaltungsgericht Berlin die Klage einer Schülerin abgewiesen und festgestellt, dass die Abiturprüfungen rechtens seien und mit den Abstands- und Hygieneauflagen auch durchgeführt werden könnten.

Der Landeselternausschuss hatte sich ebenfalls kritisch zu den Prüfungen geäußert. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte dagegen wiederholt auf die Abstands- und Hygieneregeln verwiesen und unterstrichen, dass Berlin die Prüfungen nicht im Alleingang absagen könne. Im Sinne einer bundesweiten Anerkennung des Berliner Abiturs sei ein gemeinsames Vorgehen der Länder nötig, auf das sich die Kultusministerkonferenz verständigt hatte. Für Schüler aus Risikogruppen würden individuelle Lösungen gefunden.

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