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Umfrage: Kein Schlussstrich unter DDR-Aufarbeitung

29.09.2020 - Wie ist das Befinden der Deutschen kurz vor dem Einheitsjubiläum? Sind sich Ost und West näher gekommen? Wo hakt es noch? Eine neue Studie gibt Auskunft.

  • Eine Frau ist durch ein Loch der ehemaligen Berliner Grenzmauer an der Niederkirchnerstraße zu sehen. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Frau ist durch ein Loch der ehemaligen Berliner Grenzmauer an der Niederkirchnerstraße zu sehen. Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

30 Jahre nach der Wiedervereinigung will eine große Mehrheit der Deutschen keinen Schlussstrich bei der DDR-Aufarbeitung ziehen. Nach einer Forsa-Umfrage halten es 83 Prozent für wichtig oder sehr wichtig, sich weiter mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen - etwa in öffentlichen Diskussionen oder im Schulunterricht, wie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am Dienstag mitteilte. Sie hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Demnach bejahen gerade Jüngere unter 30 Jahren, die erst nach dem Ende der DDR geboren wurden, die Geschichtsaufarbeitung. Bei den 22- bis 29-Jährigen seien es 93 Prozent. Insgesamt halten bei den westdeutschen Befragten 88 Prozent die weitere Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit für wichtig oder sehr wichtig. Bei den Ostdeutschen sind es laut Umfrage mit 80 Prozent etwas weniger.

Die Geschäftsführerin der Stiftung, Anna Kaminsky, meinte zu dem Ergebnis: «Historisches Wissen ist die beste Medizin gegen den nach wie vor verbreiteten Einheitsfrust.»

56 Prozent der Befragten stimmen der Aussage «voll und ganz» sowie «eher» zu, die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur stärke die Demokratie. Aber auch hier gibt es laut Umfrage Unterschiede: Im Osten sind das 45 Prozent, im Westen 59 Prozent. Am deutlichsten ist die Zustimmung in der Gruppe der 22- bis 29-Jährigen mit 63 Prozent.

In der Umfrage meinen 18 Prozent, in der Bundesrepublik würden die bürgerlichen Freiheitsrechte derzeit ähnlich beschnitten wie zuvor in der DDR. Im Osten finden dies mit 29 Prozent mehr als im Westen mit 16 Prozent. Eine deutliche Mehrheit von 80 Prozent der Befragten teilt diese Auffassung aber nicht.

Bei der Frage nach dem Zusammenwachsen sind in Ostdeutschland laut Befragung 72 Prozent der Ansicht, dass das Trennende noch überwiegt, während im Westen noch 44 Prozent dieser Ansicht sind. Dort lag dieser Wert im November 2004 bei 67 Prozent, im Osten bei 77 Prozent. Deutlich wird, dass sich die Meinung bei Westdeutschen viel stärker geändert hat als im Osten. Insgesamt meint knapp die Hälfte der Bundesbürger (47 Prozent), dass die Deutschen nun ein Volk sind. Die andere Hälfte (49 Prozent) sieht überwiegend Trennendes.

Geschäftsführerin Kaminsky meinte, die Geschichte der Einheit werde zu oft als Verlust- oder Defizitgeschichte erzählt. Die Realität der DDR-Wirtschaft werde dabei ebenso ausgeblendet wie die Lebensläufe jener Ostdeutschen, für die das Jahr 1990 zu einem Aufbruch geworden sei. In Ost wie West fehle es immer noch an Wissen und einem unvoreingenommenen Diskurs über den Einheitsprozess.

Forsa hat vom 15. bis 22. September 1002 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren telefonisch befragt.

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