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Versuchter Mord wegen «Familienehre»? 20-Jähriger schweigt

10.12.2019 - Als der Bruder die heimliche Liebesbeziehung seiner Schwester entdeckte, soll er zu einem Messer gegriffen haben. Zwölf Stiche verletzten den Freund der Frau schwer. Nun prüft ein Gericht: War es versuchter Mord?

  • Das Konterfei der Justitia am Eingang des Land- und Kriminalgerichts in Moabit. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Konterfei der Justitia am Eingang des Land- und Kriminalgerichts in Moabit. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) – Weil er den heimlichen Freund seiner älteren Schwester aus Wut über die vermeintlich verletzte Familienehre niedergestochen und schwer verletzt haben soll, steht ein 20-Jähriger vor dem Berliner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft geht von einem versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Der Angeklagte mit türkischer Staatsangehörigkeit hüllte sich zu Prozessbeginn am Dienstag in Schweigen.

Der 20-Jährige habe den 29 Jahre alten Geschädigten und seine Schwester am frühen Abend des 8. Juli 2019 in der Familienwohnung im Stadtteil Reinickendorf zufällig angetroffen und spontan beschlossen, den Mann zu töten, heißt es in der Anklage. Er habe durch die von ihm entdeckte Liebesbeziehung die «Familienehre» als verletzt angesehen. Mit großer Wucht habe der 20-Jährige zwölf Mal in den Oberkörper des Opfers gestochen. Der Mann sei lebensbedrohlich verletzt worden.

Der 29-Jährige erklärte als erster Zeuge, er könne sich an Details des Geschehens kaum erinnern. Weil er sich als ein Fremder in der Wohnung aufgehalten habe, sei es zu einer Rangelei mit dem Bruder seiner Frau gekommen. «Weder er noch ich war der Angreifer», so der Geschädigte. Beide Familien hätten sich nach dem Vorfall getroffen und sich «versöhnt». Inzwischen lebe er offen mit der 23-Jährigen zusammen. Sie seien nach islamischem Recht verheiratet. Er selbst schäme sich, dass er sich damals heimlich in der Wohnung aufgehalten habe. Die 23-jährige Frau machte von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

Als der 20-Jährige überraschend nach Hause kam, soll sich der 29-Jährige zunächst im Schrank des Kinderimmers versteckt haben. «Der Angeschuldigte erkannte jedoch, dass ein Mann in der Wohnung war, während seine Schwester leicht bekleidet war und kein Kopftuch trug», heißt es weiter in der Anklage. Er habe aus der Küche ein Messer geholt. Als er die Schwester bedroht habe, sei der 29-Jährige aus Sorge um seine Frau aus dem Schrank getreten. In einem Kampf habe der Angeklagte immer wieder zugestochen.

Der 20-Jährige ist Angaben zufolge bereits mehrfach vorbestraft. Seine Schwester soll ihn in einer Befragung bei der Polizei als einen «wütenden und aggressiven Menschen» beschreiben haben. Der Prozess wird am 13. Dezember fortgesetzt.

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