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Vor Schulbeginn flammt Diskussion um Maskenpflicht auf

09.08.2020 - Am Montag starten Berlins Schulen trotz Corona wieder in den Regelbetrieb. Doch viele haben Zweifel, ob das klappen kann. Die zuständige Senatorin tritt Skeptikern entgegen.

  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt während einer Unterrichtsstunde neben einem Mäppchen auf einem Tisch. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt während einer Unterrichtsstunde neben einem Mäppchen auf einem Tisch. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres am Montag im Regelbetrieb fordern Berliner Elternvertretungen Nachbesserungen an den Schutz- und Hygienekonzepten in der Corona-Pandemie. Nach Ansicht des Landeselternausschusses und der zwölf Bezirksausschüsse sollten Schüler und Lehrer zumindest in der ersten Woche auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen - bisher ist das in Schulgebäuden nur auf Fluren, in der Toilette, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen vorgesehen. Schulen müsse freigestellt werden, in den ersten ein oder zwei Schulwochen mit reduzierter Klassengröße zu unterrichten. Nötig seien auch mehr Corona-Tests für Schüler und Lehrkräfte, forderten die Gremien am Wochenende.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ließ erklären, Berlin gehe verantwortungsbewusst ins neue Schuljahr. Eine Maskenpflicht auch im Unterricht lehnt sie ab. «Inzwischen gehen die meisten Bundesländer den Weg, im Schulgebäude Maskenpflicht, im Unterricht ohne Maske», sagte ein Sprecher der Senatorin auf dpa-Anfrage. «Gegen eine Maskenpflicht im Unterricht sprechen sich auch Kinderärzte und Kinderpsychologen aus.» Auf Wunsch der Eltern könne sich eine Klasse aber freiwillig darauf verständigen, Mund-Nasen-Schutze zu tragen.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, sagte, Anlass der neuerlichen Forderungen seien die Reiserückkehrer und die Sorge vor einer höheren Infektionsgefahr. Er verwies auf erste Schulschließungen wegen Corona in Mecklenburg-Vorpommern. Seine Hoffnung ist, dass Sonderregeln für die ersten ein oder zwei Wochen vor dem Hintergrund der Inkubationszeit helfen könnten, eine Verbreitung der Infektion zu vermeiden.

CDU-Landeschef Kai Wegner fordert Corona-Tests für alle Schulkinder. «Wenn jetzt wieder viele Kinder in einer Klasse zusammenkommen, kann sich das Virus schnell verbreiten», sagte er der Deutschen Presse- Agentur. «Elementar ist zu wissen, wie weit das Virus schon verbreitet ist, um frühzeitig Maßnahmen treffen zu können.» Aus seiner Sicht hätte mit den Tests schon längst begonnen werden müssen.

Wegner warf Senatorin Scheeres Versäumnisse vor: «Frau Scheeres hatte so viel Zeit bis zum Schulbeginn, um vieles vorzubereiten: Digitalisierung, Hygienemaßnahmen und zusätzliche Möglichkeiten, um Klassenfrequenzen zu verkleinern», sagte er. «Aber was ich von vielen Eltern derzeit höre: Sie sind völlig verunsichert, wie dieser Schulstart organisiert wird. Und das ist nicht gut.»

Ähnliche Kritik kam vom FDP-Bildungsfachmann Paul Fresdorf. «Der Schulstart dürfte neben Vorfreude darauf, Freunde und Klassenkameraden wiederzusehen, bei vielen Schülerinnen und Schülern auch ein mulmiges Gefühl hervorrufen.» Die schlechte Vorbereitung von Scheeres mache Eltern und Lehrer sprachlos. «Ich bekräftige meine Forderung: Senatorin Scheeres muss zurücktreten und das Krisenmanagement jemand anderem überlassen.»

Unterdessen pocht die Berliner Wirtschaft auf einen Schulbeginn mit Präsenzunterricht für alle Schüler. «Es ist höchste Zeit, dass der Regelbetrieb an den Berliner Schulen wieder startet», erklärten Industrie- und Handelskammer (IHK), Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Handelsverband und die Unternehmensverbände (UVB). «Es liegt im Interesse der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter, dass ihre Kinder wieder verlässlich unterrichtet und betreut werden», hieß es in der Stellungnahme. «Berlin muss nun die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Wiederbelebung der Wirtschaft schaffen.»

Am Montag beginnt das neue Schuljahr für rund 370 000 Schüler mit Hygienekonzept - ohne Mindestabstand, dafür mit Maskenpflicht in Schulgebäuden, außer im Unterricht. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält das für fahrlässig und fordert kleine Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen. «Für die Wirtschaft, die Mitarbeiter und ihre Familien wäre dies eine nicht vertretbare und derzeit unverhältnismäßige Belastung», so die Verbände.

Der Sprecher von Scheeres nannte es unzumutbar, den Eltern jetzt noch kurzfristig mitzuteilen, dass sie ihre Kinder nun doch nicht oder nur teilweise in die Schule schicken können und sich um die Betreuung kümmern müssen. «Da kann auch kaum ein Arbeitgeber mitgehen.»

Wegner sagte, er finde den bei Infektionsfällen an Schulen vorgesehenen Teilungsunterricht nicht schlecht. «Doch warum machen wir den zur Ausnahme? Das sollte die Regel sein. Von 30 Kindern haben 15 Präsenzunterricht, 15 werden zur gleichen Zeit über Videokonferenz unterrichtet. Oder im Wechselmodell hat die Hälfte der Klasse diese Woche Unterricht, die andere Hälfte in der nächsten Woche.» Dafür müssten die Schulkinder aber technisch gut ausgestattet werden.

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