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Vorschlag aus Mitte: Billigsex-Kabinen und Sperrgebiet

19.07.2019 - Seit Jahren steht die Berliner Kurfürstenstraße als Billigsex-Meile in der Kritik. Geschützte Kabinen als Alternative sind im Gespräch. Der zuständige Bürgermeister will dann aber keinen Straßenstrich mehr dulden.

  • Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, im Rahmen einer Pressekonferenz. Foto: Jörg Carstensen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, im Rahmen einer Pressekonferenz. Foto: Jörg Carstensen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel hält Boxen für Billigsex in Berlin nur für sinnvoll, wenn Straßenprostitution rund um die Kurfürstenstraße gleichzeitig verboten wird. Die Zustände auf dem Straßenstrich seien für Prostituierte menschenunwürdig und für Anwohner untragbar, sagte der Grünen-Bezirkspolitiker am Freitag. Durch Zuschauen befördere das Land Zwangsprostitution, Gewalt gegen Frauen und Drogensucht. Um die Zustände zu zeigen, habe er einen Nachtspaziergang mit Gesundheitssenatorin Diles Kalayci (SPD) vereinbart, ergänzte von Dassel.

Die sogenannten Verrichtungsboxen - einfache Kabinen für Prostituierte und Freier - gibt es bereits in Köln. Für Berlin sind sie im Gespräch. «Ein alternatives Angebot ist notwendig», sagte von Dassel. Die Stadt müsse da kreativ sein. Eine Idee hinter Verrichtungsboxen ist auch, dass Frauen durch ein Notruf-System besser vor Gewalt geschützt werden sollen und selbstbestimmter arbeiten könnten - zum Beispiel ohne Zuhälter in der Nähe.

Als einen möglichen Standort für die Boxen schlug von Dassel neben der Bülowstraße und dem zentralen Festplatz auch Parkplatzflächen an den Hangars des ehemaligen Flughafengebäudes Tempelhof vor. Verrichtungsboxen existierten bisher aber nur in Städten, die über Sperrgebiete verfügten, ergänzte er. Neben Rostock sei Berlin die einzige Großstadt in Deutschland, die keinen Sperrbezirk habe. Ein Sperrbezirk ist ein Gebiet, in dem die Prostitution verboten ist. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden.

In der Senatsverwaltung werden Sperrbezirke hingegen als nicht sinnvoll eingestuft. Die Staatssekretärin für Pflege und Gleichstellung, Barbara König, teilte mit: «In Berlin ist die Einrichtung von Sperrbezirken nicht geplant und nicht sinnvoll. Sperrbezirke sperren Menschen weg, keine Probleme.»

Es gehe der Senatsverwaltung auch um den Schutz der Sexarbeitenden. Der Senat finanziere deshalb Beratungsstellen und baue Hilfsangebote in den nächsten Jahren noch aus. «Den Straßenstrich in Zonen zu verbannen, in denen die Frauen keine Hilfsangebote haben, ist der falsche Weg. Vielmehr braucht es eine berlinweite Strategie, die am Runden Tisch Sexarbeit erarbeitet wird», betonte König.

Dassel sagte auch, dass der Bezirk Mitte weiter mit Toiletten, Sozialarbeit und Piktogrammen versuchen wolle, die Auswüchse auf dem heutigen Straßenstrich einzudämmen. «Das löst aber nicht das Problem an sich.» Die Kurfürstenstraße werde bundesweit als Ort für Billigsex beworben. Hinter der Organisation der Sexarbeit lägen zum Teil kriminelle Strukturen samt Menschenhandel. Mindestens die Hälfte der Frauen, die oft aus Osteuropa kommen, werde zu dieser Form von Prostitution gezwungen und erst in Berlin suchtkrank.

Dass der geplante Abriss eines großen Sexkaufhauses und der weitere Bau von Eigentumswohnungen langfristig einen Umschwung im Kurfürstenkiez begünstigen können, will von Dassel nicht ausschließen. «Aber es wäre doch ein Armutszeugnis von Politik, wenn wir für die Lösung dieses Problems jetzt auf die Gentrifizierung warten», sagte er.

Verrichtungsboxen stellt sich der Bezirksbürgermeister «wie einen Verkehrsübungsplatz mit zehn Garagen» vor. Denn die meisten Freier kämen mit dem Auto. Eine Frage bleibe für ihn aber auch bei dieser Alternativ-Idee: «Warum soll Berlin 500 000 Euro zahlen, damit Männer billig Sex haben können?», fragte von Dassel.

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