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Warnstreik: Busse und Bahnen in Brandenburg fahren nicht

29.09.2020 - Die Schranken vor den Betriebshöfen blieben unten: Die Gewerkschaft Verdi hat Bus- und Bahnfahrer bundesweit zum Warnstreik aufgerufen - auch in Brandenburg. Es geht um bessere Löhne und Entlastung für die Fahrer.

  • «Warnstreik» steht auf einem Transparent. Foto: Paul Zinken/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    «Warnstreik» steht auf einem Transparent. Foto: Paul Zinken/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt haben rund 1000 Bus- und Bahnfahrer nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Dienstag in Brandenburg die Arbeit niedergelegt. Vor dem Hauptquartier der Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) kamen am Morgen rund 150 Mitarbeiter zusammen. Alle Busse und Bahnen, die von dort starten, blieben ab 3.00 Uhr im Betriebshof, wie Jens Gröger, Verdi-Geschäftsführer für Nordostbrandenburg und dort zuständiger Verhandlungsführer in Potsdam sagte. 24 Stunden sollte der Warnstreik dauern.

In Bad Belzig seien rund 20 Mitarbeiter zusammen gekommen, so Gröger. In Brandenburg standen vor allem in den dichter besiedelten Regionen die Fahrzeuge still. Landesweit hätten sich Bus- und Bahnfahrer beteiligt. Man habe Beschäftigte der zwölf öffentlichen Nahverkehrsbetriebe in Brandenburg zum Warnstreik aufgerufen, darunter ViP, Cottbusverkehr und Regiobus Potsdam Mittelmark.

Verdi hatte in ganz Deutschland zum Streik aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft bundesweite Tarifverhandlungen für den Nahverkehr erreichen. Nicht betroffen von dem Warnstreik sind Regionalzüge und die S-Bahn Berlin.

Für die rund 3500 Beschäftigten in Brandenburg fordert die Gewerkschaft bessere Löhne. So sollen Bus- und Bahnfahrer ebenso viel Geld wie ihre Berliner Kollegen erhalten. Derzeit beträgt der Unterschied nach Angaben der Gewerkschaft rund 300 Euro pro Monat. In Baden-Württemberg erhielten die Fahrer sogar bis zu 800 Euro mehr. «Warum leistet ein Busfahrer in Brandenburg weniger als ein Busfahrer in Berlin?», fragte die stellvertretende Bundesvorsitzende von Verdi, Christine Behle, in Potsdam. Durch den Streik soll in der laufenden Tarifrunde auf Landesebene der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden.

Die Bedingungen im ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) seien in den letzten Jahren grenzwertig geworden, so Behle. 25 Prozent mehr Fahrgäste, gleichzeitig sei das Personal um knapp 20 Prozent abgebaut worden. Schon heute fehlten 15 000 Beschäftigte. Bis 2030 seien es 100 000.

«Arbeiten, Schlafen, Essen. Für etwas anderes habe ich keine Kraft mehr», sagte eine 57 Jahre alte Busfahrerin. Sie mache seit rund einem Jahr den Job und verdiene knapp 1700 Euro netto im Monat. Morgens sehe sie die Bedürftigen an der Potsdamer Tafel Schlange stehen. «Wenn ich mir überlege, dass ich da stehen werde, wenn ich in Rente gehe, macht mich das traurig».

Den ganzen Tag die Konzentration während der Fahrt zu halten, sei schwer. «Das ist einen enorme nervliche Belastung, Bus zu fahren», sagte sie. Abgesehen von den Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern. «Du wirst angespuckt.»

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände Brandenburg verurteilte den Warnstreik. «Wir sind bereit, auf Landesebene zu verhandeln», sagte Hauptgeschäftsführer Klaus-Dieter Klapproth. «Aber beides parallel, auf Bundes- und auf Landesebene verhandeln, das können wir nicht machen.» Verdi verlangt bundesweit einheitliche Regelungen beim Ausgleich von Überstunden und den Zulagen für Schichtdienste. Zeitgleich wird auf Landesebene über den Lohn verhandelt.

Am 6. Oktober geht es auf Landesebene in die dritte Verhandlungsrunde. Dann soll auch über die Lohnangleichung mit Berlin gesprochen werden.

Die Brandenburger Linke hat sich hinter die Warnstreiks bei den Brandenburger Verkehrsbetrieben gestellt. «Eine Entlastung der Beschäftigung und eine systematische Förderung des Nachwuchses ist bitter nötig», erklärten die Landesvorsitzenden Anja Mayer und Katharina Slanina.

In Berlin hatte die neunstündige Aktion bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) am Dienstag den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) der Hauptstadt nahezu lahmgelegt. Busse und Straßenbahnen blieben im Depot, U-Bahn-Haltestellen wurden aus Sicherheitsgründen verschlossen. Am Mittag rollte der Verkehr dann wieder.

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