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Weniger antisemitische Vorfälle im 1. Halbjahr 2019

26.09.2019 - Viele antisemitische Beleidigungen kommen per Mail oder werden von Fremden am Telefon oder auf der Straße ausgestoßen. Doch Juden können in Berlin auch Opfer von direkten Angriffen und Bedrohungen werden.

  • Ein Mann mit einer Kippa nimmt an einer Kundgebung teil. Foto: Michael Kappeler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Mann mit einer Kippa nimmt an einer Kundgebung teil. Foto: Michael Kappeler/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Nach einem deutlichen Anstieg 2018 ist die Zahl der registrierten antisemitischen Vorfälle in Berlin im ersten Halbjahr 2019 wieder deutlich zurückgegangen. Die Gesamtzahl aller Vorfälle lag bei 404 (1. Halbjahr 2018: 579), wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) am Donnerstag mitteilte. Das entspricht etwa wieder dem Niveau von 2017. Der Rias-Projektleiter Benjamin Steinitz erklärte, weiterhin seien Menschen, die als jüdisch erkennbar seien, von Anfeindungen betroffen.

Von den rund 400 Vorfällen wurden bei etwa 100 Menschen direkt von einem Angreifer oder Pöbler angegangen. Dazu zählten 13 judenfeindliche Angriffe (2018: 23) und 20 Bedrohungen (24). Die anderen 300 Vorfälle waren Beleidigungen und Beschimpfungen am Telefon, per Mail, auf Internetseiten sowie Schmierereien an Hauswänden und Sachbeschädigungen. 110 Menschen seien von diesen Vorfällen als Opfer direkt betroffen gewesen.

Die erfassten Fälle geben aber nur einen Teil der Wirklichkeit wieder. Viele Betroffene melden sich weder bei der Polizei noch bei anderen Stellen. Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte kürzlich gesagt, sie vermute, «dass das Dunkelfeld sehr groß ist».

Bei 41 Prozent der Vorfälle ist laut Rias der politische Grund der antisemitischen Tat unbekannt. Knapp 30 Prozent werden einer rechtsextremen Haltung zugeordnet. Bei knapp 12 Prozent sei ein «antiisraelischer Aktivismus» erkennbar.

In den vergangenen Jahren gab es in Berlin immer wieder Vorfälle, bei denen Menschen auf der Straße beleidigt oder angegriffen wurden, weil sie hebräisch sprachen oder eine Kippe oder einen Davidstern trugen. Die Täter sprachen oft arabisch. Wenn es keine weiteren Erkenntnisse gibt, werden diese Fälle laut Rias der Kategorie «Unbekannt» zugeordnet, weil kein politischer Hintergrund erkennbar sei.

Die Recherchestelle schilderte auch einige Beispiele: Einer Frau, die im Januar in Berlin-Mitte im Bus auf Hebräisch telefonierte, sei von einem Mann die Mütze so gewaltsam vom Kopf gezogen worden, sodass sie beinahe von ihrem Sitz gefallen sei. Im Mai wurde den Angaben zufolge in Friedrichshain-Kreuzberg eine ebenfalls auf hebräisch telefonierende Frau in der U-Bahn als «Yahud» (arabisches Wort für Jude) und «Babymörder» beleidigt. In Pankow wurden ein Kippa tragender Mann und seine Mutter als «Yahudi» beschimpft und angespuckt.

Der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Lorenz Korgel, teilte mit: «Die Zahl antisemitischer Vorfälle ist weiterhin auf einem hohen Niveau. Wenn jetzt die Anzahl gemeldeter Vorfälle im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer ausfällt, ist dies keineswegs ein Grund zur Entwarnung.» Es könne jederzeit und kurzfristig «einen drastischen Anstieg der Vorfallszahlen» geben.

Der Senat, die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben inzwischen jeweils einen eigenen Beauftragen für das Thema Antisemitismus. Auf Initiative der Senatsinnenverwaltung kommt regelmäßig ein sogenannter Runder Tisch als Beratungsgremien zu dem Thema zusammen.

In Berlin erheben verschiedene Institutionen nach unterschiedlichen Kriterien Statistiken zu Antisemitismus. Die 2015 gegründete und vom Senat geförderte Rias sammelt ihre Daten auf Grundlage von Meldungen über das Internet, Beobachtungen und durch die Zusammenarbeit mit Opferberatungsstellen und der Polizei.

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