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Wieder viele Quereinsteiger unter Berlins neuen Lehrern

01.08.2019 - Berlin wächst und wächst, an den Schulen lernen immer mehr Kinder. Deshalb werden dort auch neue Lehrer gebraucht. Doch woher nehmen?

  • Ein Lehrer sitzt vor einem Smartboard im Leistungskurs einer 13. Klasse. Foto: J. Stratenschulte/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Lehrer sitzt vor einem Smartboard im Leistungskurs einer 13. Klasse. Foto: J. Stratenschulte/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Der Lehrermangel bleibt eine Herausforderung für Berlins Schulen: Fast zwei Drittel der 2734 zum neuen Schuljahr eingestellten Lehrkräfte sind Quer- oder Seiteneinsteiger - eine der bundesweit höchsten Quoten. Immerhin sei es dadurch gelungen, alle freien Stellen zu besetzen, teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag mit. Dazu seien besonders große Anstrengungen nötig gewesen. Hinzu kämen 250 Pensionäre, die zeitweise in den Schuldienst zurückkehrten.

Insgesamt stieg die Zahl der Lehrer um rund 500 auf etwa 32 800. Allein 3750 Quereinsteiger hätten sich beworben, davon seien aber nicht alle geeignet gewesen, so Scheeres. Neben Lehrkräften wurden auch 380 Erzieher und 120 pädagogische Helfer eingestellt. Die Gesamtzahl der Erzieher an den Schulen in Berlin blieb mit 7473 etwa konstant.

Ein Plus gibt es auch bei den Schülern: Das neue Schuljahr beginnt nach den Sommerferien an diesem Montag für 363 640 Schüler. Das sind fast 6700 mehr als im vergangenen Schuljahr. Die Zahl der Schulanfänger sank leicht um 161 auf 33 820. Für sie beginnt der «Ernst des Lebens» erst am 12. August.

Die Zahlen bei den Neueinstellungen von voll ausgebildeten Lehrern (1085), Quer- (711) und Seiteneinsteigern (938) wie auch Erziehern bewegen sich etwa auf Vorjahresniveau. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte, in Bezirken mit sozialen Brennpunkten seien wie schon in den Vorjahren überdurchschnittlich viele Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt werden. «Die Bildungsverwaltung ist mit ihrem Vorhaben, die Quereinsteiger fair zu verteilen, gescheitert», sagte GEW-Landeschef Tom Erdmann.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger erklärte, der Lehrermangel verdeutliche einmal mehr die Bildungskrise in Berlin. «Der Notstand wird von Senatorin Scheeres nur noch verwaltet, nicht gelöst.» FDP- Bildungsexperte Paul Fresdorf meinte: «Der Senat bekommt den Lehrermangel einfach nicht in den Griff.»

Quereinsteiger sind Menschen, die ein Studium in einem sogenannten Mangelfach haben, etwa in Mathematik, Naturwissenschaften, Sport oder im künstlerischen Bereich. Ihnen fehlt aber eine pädagogische Ausbildung, deshalb müssen sie sich parallel zu ihrer Tätigkeit qualifizieren. Als Seiteneinsteiger werden Menschen mit unterschiedlichsten Hochschulausbildungen in anderen Bereichen bezeichnet, viele von ihnen haben schon als Vertretungslehrer oder in Willkommensklassen für Flüchtlinge gearbeitet. Laut GEW bekommen sie in befristeten Verträgen weniger Gehalt. «Für uns ist das prekäre Beschäftigung. Da gibt es nichts zu beschönigen», sagte Erdmann.

Scheeres verwies darauf, dass Lehrermangel ein bundesweites Problem sei und sich die Länder im Werben um Fachkräfte gegenseitig Konkurrenz machten. In der Kultusministerkonferenz sei es bisher leider nicht gelungen, eine gemeinsame Linie zu finden. Berlin habe die Ausbildungskapazitäten ausgebaut und setze darauf, die meisten Lehramtsstudenten nach dem Abschluss auch in der Stadt zu halten.

Scheeres betonte, trotz der Probleme bei der Lehrergewinnung seien Berlins Schulen sehr gut ausgestattet. «Wir sprechen dabei nicht nur über die Stundentafel.» In den vergangenen Jahren seien viele zusätzliche Ressourcen in das Schulsystem gesteckt worden, darunter allein 6000 Vollzeitstellen für Sprachförderung oder Inklusion.

Dem stehen allerdings Parameter gegenüber, die Defizite bei der Schulqualität erkennen lassen. So schneiden Berliner Grundschüler der dritten Klasse bei bundesweiten Vergleichstests etwa in Deutsch oder Mathematik regelmäßig schlecht ab. Außerdem ergab jüngst eine Studie, dass in keinem anderen Bundesland so viele junge Leute die Schule ohne Abschluss verlassen wie in Berlin. Demnach hatten 2017 in der Hauptstadt 11,7 Prozent der Schulabgänger keinen Hauptschulabschluss. Der Bundesdurchschnitt lag bei 6,9 Prozent.

Scheeres sagte, diese Ergebnisse seien nicht zufriedenstellend. Daher investiere der Senat viel in bessere Unterrichtsqualität und individuelle Förderung - das sei ein zentrales Thema. So werde es ab dem neuen Schuljahr in der ersten und zweiten Klasse eine zusätzliche Deutsch-Stunde pro Woche geben - insgesamt sind es nunmehr acht. Zu beachten sei dabei aber auch die besondere Sozialstruktur Berlins mit vielen Kindern aus Haushalten mit wenig Geld oder mit Migrationshintergrund. So lernten an Berlins Schulen aktuell auch 20 000 Flüchtlingskinder. Das sei eine «riesen Herausforderung».

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