Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Wittstock zeigt in Sonderausstellung Geschichte der Region

28.01.2020 - Nördlich von Berlin hatte die Luftwaffe vor 1945 viele Stützpunkte, auf denen danach die Sowjetarmee war. Von Wittstock aus stiegen russische Jagdflugzeuge auf, um den Luftraum zu verteidigen. Daran erinnert heute fast nichts mehr, wie eine Schau zeigt.

  • Das Kreismuseen "Alte Bischofsburg". Foto: Christian Bark/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Kreismuseen "Alte Bischofsburg". Foto: Christian Bark/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wittstock/Rechlin (dpa) - Erst Fallschirmschule, dann 49 Jahre lang russische Jagdflugzeuge und nun Solarkraftwerk: Mit einer Sonderschau erinnert das Museum in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) seit Dienstag an die bewegte Militärgeschichte der Region nördlich von Berlin.

«Wir sind zufrieden mit der Entwicklung beim Flugplatz», sagte Bürgermeister Jörg Gehrmann (parteilos) zu der Schau «Vom Kriegstraining zur Energieerzeugung». Man habe einen ortsnahen Gefahrenpunkt beseitigen können und bekomme jährlich rund 500 000 Euro an Pacht durch die Energieanlagenbetreiber. Wo lange sowjetische MIG-Flugzeuge dröhnten und Soldaten lebten, stehen heute fast ein Million Solarplatten und erzeugen Energie. Doch so einfach wie das Ganze heute klingt, war es lange nicht.

Von 1939 bis 1989 war die Region zusammen mit der früheren Erprobungsstelle der deutschen Luftfahrt im mecklenburgischen Rechlin/Lärz erst eng mit dem Kriegsgeschehen bis 1945 und später mit der Roten Armee und dem Kalten Krieg verbunden. Als Fallschirmspringer wurden in der NS-Zeit unter anderem der Boxer Max Schmeling (1905-2005) und Schauspieler Joachim Fuchsberger (1927-2014) in Wittstock ausgebildet.

«Im Kalten Krieg wurde die Region dann regelmäßig durch Alliierte überwacht», hat Zeiger herausgefunden. So waren zeitweise bis zu 8000 Sowjetsoldaten in dem Militärobjekt am Stadtrand stationiert, es war eine Stadt für sich.

Wie ernst die Lage war, zeigte sich 1964 als ein russischer Pilot aus Wittstock über Gardelegen (Sachsen-Anhalt) ein US-amerikanisches Aufklärungsflugzeug abschoss. Das wird in der Sonderschau anhand eines Tagebuches der Sowjettruppe auch gezeigt und in den politischen Zusammenhang eingeordnet.

Mit der Bevölkerung kam die Rote Armee selten in Berührung, was sich erst ab 1990 änderte. Nach der deutschen Einheit zog die Rote Armee 1994 ab, «Kontakte nach Russland gibt es aber heute noch», erzählt der Bürgermeister. Nach 1994 war lange unklar, was aus dem 410 Hektar großen Militärgelände wird. Die Bundeswehr hatte es behalten wollen. Sie wollte den Flugplatz und den riesigen, auch als Bombodrom bekannten Tiefflugübungsplatz weiter östlich weiternutzen, was jahrelange Proteste der lärmgeplagten Bürger aber verhinderten.

Dann kam 2009 der Verzicht der Bundeswehr: «Das war der Startschuss», sagt Zeiger. Seither wurden fast 200 Gebäude und viele Kerosintanks abgebaut. Auf 85 Prozent der Flächen sind inzwischen rund eine Million Solarplatten installiert. Die Leistung des Parks würde reichen, um mehr als 70 000 Einwohner mit Strom zu versorgen, wurde errechnet, Wittstock hat 14 000 Bewohner.

In der Ausstellung können Gäste bis Mitte April in Filmen einige Zeitabschnitte ansehen. Fundstücke und Fotos erinnern an Kommandeure, Prominente und andere Ereignisse wie Flugzeugabstürze. Wer sich das Gelände noch ansehen will, kann hinfahren und sieht noch einige der denkmalgeschützten, aber ruinösen Hangars und Gebäude. Sogar eine Lenin-Statue steht noch, allerdings fehlt ihr das Gesicht.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren