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Zehntausende bei Klimaschutz-Großdemonstration in Berlin

29.11.2019 - «Ohne Bäume keine Träume»: Wieder trägt Fridays For Future den Klimastreik massiv auf die Straße. Die Bewegung will die Politik nicht in Ruhe lassen.

  • Jugendliche nehmen an der Kundgebung von Fridays For Future am Brandenburger Tor teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jugendliche nehmen an der Kundgebung von Fridays For Future am Brandenburger Tor teil. Foto: Kay Nietfeld/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Zehntausende Menschen haben am Freitag in Berlin für mehr Klimaschutz demonstriert. Auf einer Großkundgebung mit Bühnenshow am Brandenburger Tor forderten sie mehr Einsatz der Bundesregierung fürs Klima und kritisierten das Verhalten der reichen Industriestaaten, die als Hauptverursacher klimaschädlicher Emissionen verantwortlich für die fortschreitende Erderwärmung seien.

Nach der Kundgebung setzte sich ein Demonstrationszug durch das Regierungsviertel in Bewegung. Während des partyähnlichen Marsches, der später zurück zum Brandenburger Tor führen sollte, wurden auf mitfahrenden Lastwagen Reden gehalten. Von anderen hallten fetzige Beats durch die Straßen.

Anlass für den Protest war ein weltweiter Aktionstag für das Klima. Die zumeist jungen Teilnehmer folgten einem Aufruf der Bewegung Fridays For Future (FFF), die einen «Neustart» bei der Klimapolitik in Deutschland fordert. Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichten nicht aus, um das globale Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, lautet die Kritik.

«Wir sind hier, weil wir das Klimapäckchen Scheiße finden», sagte FFF- Sprecher Maurice Conrad auf der Kundgebung. Gemeint war das Klimapaket der Bundesregierung, das der Bundesrat am Freitag teilweise stoppte. «Es macht mich wütend, dass wir immer noch hier sind, weil zu wenig passiert ist. Der eigentliche Erfolg wäre die Bedeutungslosigkeit von Fridays For Future aufgrund effektiver Klimaschutzpolitik», sagte Conrad. «Das ist nicht das Ende der Klimabewegung, wir haben gerade erst angefangen.»

Viele Teilnehmer der Kundgebung hatten Plakate dabei. «Ohne Bäume keine Träume», war darauf zu lesen, oder: «Die Zukunft ist #kohlefrei», «Artensterben kann Spaß verderben», «Keine Kohle, kein Atom, sondern nur noch Ökostrom». Ein Schüler sagte auf dpa-Anfrage: «Ich hätte gerade eigentlich Geschichtsunterricht. Wichtiger als Geschichte ist jedoch momentan meine Zukunft.»

Auf der Bühne traten auch Musiker auf, etwa die Band Seeed. Sänger Peter Fox forderte nicht nur von der Politik mehr Einsatz für den Klimaschutz, sondern auch von jedem einzelnen. «Checkt Euren Lifestyle», sagte er zu den Zuhörern. «Wir sollten bereit sein, unsere Gewohnheiten zu ändern.» Neues müsse nicht immer schlecht sein. «Lasst uns den Arsch hochkriegen, let's go», beschloss Fox seine kurze Ansprache.

DGB-Chef Reiner Hoffmann dankte als weiterer Redner den jungen FFF-Klimaschützern für ihr bislang rund einjähriges Engagement. «Wir brauchen euch, um gemeinsam für eine saubere Umwelt und soziale Gerechtigkeit zu kämpfen.» Gleichzeitig kritisierte er AfD-Politiker, die einen durch Menschen verursachten Klimawandel leugnen. «Wir müssen die rechte Mischpoke in die Schranken weisen.» Sie verbreite «Fake News» über die Klimapolitik.

Vor der Kundgebung gingen rund ein Dutzend Aktivisten bei fünf Grad Außen- und ähnlicher Wassertemperatur für das Klima baden: Die Mitglieder der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprangen nahe dem Bundestag in die Spree. «Die Bundesregierung hat ein Klimapaket entwickelt, mit dem sie den Klima- und Umweltschutz baden schickt», sagte Fabian Gacon von der BUND-Jugend Berlin. Ein anderer Teilnehmer sagte nach seinem Bad, es sei ein «tolles Gefühl» gewesen. Aber: «Es war unglaublich kalt.»

Wegen der Proteste waren diverse Straßen in der Berliner Innenstadt zeitweise gesperrt. Bus- und Straßenbahnlinien wurden umgeleitet, wie die Verkehrsbetriebe BVG mitteilten. Der Pariser Platz östlich des Brandenburger Tores wurde laut Polizei gesperrt, um Gästen des Bundespresseballs am Abend im Hotel Adlon die Anreise zu ermöglichen.

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