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Zur Not laufen: Warnstreik bringt Nahverkehr zum Stillstand

15.02.2019 - Vier Tage Vorlauf und frühlingshaftes Wetter haben es Vielen leicht gemacht zu reagieren: Der Warnstreik bei der BVG geht ohne größeres Chaos über die Bühne. Es war womöglich nicht der letzte.

  • Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stehen hinter einer Schranke auf dem BVG-Betriebshof an der Siegfriedstraße. Foto: Paul Zinken © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stehen hinter einer Schranke auf dem BVG-Betriebshof an der Siegfriedstraße. Foto: Paul Zinken © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - U-Bahnhöfe und Busspuren leer, S-Bahnen und Radwege voll: Ein Warnstreik im Nahverkehr hat am Freitag Hunderttausende Berliner zum Improvisieren gezwungen. Busse und Straßenbahnen blieben über acht Stunden lang in den Depots, U-Bahnhöfe verschlossen. Hunderttausende stiegen auf die S-Bahn, Autos und Fahrräder um oder gingen zu Fuß. Es gab Staus und volle Züge.

Probleme hatten Reisende auch am Flughafen Tegel, weil keine Linienbusse mehr fuhren. Ein größeres Chaos in der Stadt blieb aber aus. Die Gewerkschaft Verdi droht unterdessen schon mit dem nächsten Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).

In der nächsten Runde der Tarifverhandlungen am 5. März müsse ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber auf den Tisch, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt bei einer Kundgebung vor einigen tausend Beschäftigten vor der BVG-Zentrale. «Sonst müssen wir die nächsten Schritte machen.» Tarifkommissionsmitglied und BVG-Aufsichtsratsvize Lothar Stephan ergänzte: «Dann wiederholen wir diese Maßnahme.» Er beschimpfte die Gegenseite als «Dilettanten».

Worum es geht? Verdi und der Beamtenbund verlangen, dass für alle rund 14 000 Beschäftigten die 36,5-Stunden-Woche gilt. Heute muss knapp die Hälfte 39 Stunden ran - das sind alle Kollegen, die seit 2005 eingestellt wurden. Gefordert wird auch Weihnachtsgeld für Neulinge, ein Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge, zudem für Gewerkschaftsmitglieder einmalig 500 Euro.

«Wird sind die BVG», hatten die Streikenden auf ihre Transparente geschrieben und: «Berlin, hör zu! Wir sind es wert.» Auch an den Vorstandsetagen der Zentrale prangten Warnstreik-Tafeln. Der landeseigene Verkehrsbetrieb sei kaputtgespart worden, hieß es mit Blick auf aktuelle Probleme etwa bei der U-Bahn. Dort fehlen Wagen für die wachsende Fahrgastzahl. Auf mehreren wichtigen Linien soll sie nun seltener fahren, damit wenigstens der Takt stabil bleibt.

Nach Verdi-Angaben liegen die Berliner Nahverkehrsbeschäftigten bei der Bezahlung im Bundesvergleich an vorletzter Stelle. Ein Busfahrer fängt demnach mit 2168 Euro brutto im Monat an (im bundesweiten Durchschnitt seien es 2345 Euro). Erreichen können sie demnach 2394 Euro (bundesweit 2768 Euro) - jeweils ohne Zulagen und Schichtzuschläge. Fahrer bei der S-Bahn verdienten 900 Euro mehr als bei der BVG, klagte Arndt.

Die BVG ist das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands. Mit 2,9 Millionen Kundenfahrten ist sie das Rückgrat des Berliner Nahverkehrs. Zum Vergleich: Die S-Bahn zählt täglich 1,4 Millionen Fahrgäste. Sie gehört zur Deutschen Bahn und ist von dem Tarifkonflikt nicht betroffen.

Die S-Bahn hatte 535 Züge im Einsatz, das waren 12 mehr als üblich. Teilweise wurde es am Freitag arg voll: Durchschnittlich lag die Auslastung bei 90 Prozent. Vor allem auf dem östlichen Ring und der Stadtbahn-Strecke drängten sich im Berufsverkehr die Fahrgäste. Regionalzüge fuhren nach Plan. Auch die Fähren der BVG und einige Busse am Stadtrand verkehrten wie üblich.

Lange Warteschlangen gab es am Busstopp am Flughafen Tegel. Dort fuhren als Notlösung vier Pendelbusse der Flughafengesellschaft zur Ringbahn-Station Jungfernheide. Der Betreiber riet, alternativ zu Fuß dorthin zu gehen - das sind gut drei Kilometer. Einen Bahnanschluss hat der Flughafen nicht.

Es war der erste größere Warnstreik bei dem Landesunternehmen seit sieben Jahren. Vorab hatte es Kritik gegeben, dass er schon nach der zweiten Verhandlungsrunde kam und so lange dauerte. «Wir streiken nicht gegen die Fahrgäste, sondern für die Fahrgäste», betonte Verdi-Landeschefin Susanne Stumpenhusen. Nur mit höheren Löhnen könne die BVG das Personal finden, um das Angebot in der wachsenden Stadt zu erhalten.

Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus unterstützte die Forderungen zumindest teilweise. «Gute Arbeit verlangt guten Lohn, deshalb ist es wichtig, die Entgelttabellen nach oben anzupassen», sagte der verkehrspolitische Sprecher Tino Schopf. Er forderte auch, die rund 2000 Beschäftigten von Berlin Transport in die BVG zu integrieren. Zum Hauptstreitpunkt Arbeitszeit bezog er keine Stellung.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta lehnte indes eine Arbeitszeitverkürzung ab. Dann würden 500 zusätzliche Fahrer gebraucht, sagte sie der RBB-«Abendshow» am Donnerstag. «Das wäre jetzt für den Moment nicht die richtige Lösung, wenn wir ohnehin in diesem Jahr schon 1100 einstellen wollen.»

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