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«Kunst spiegelt Zeitgeschehen»: Kanzleramt ohne Nolde

03.04.2020 - Kunst sollte aus Sicht des Direktors der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Christian Ring, zum Alltag gehören. «Es ist ein Stück Freiheit und Kultur, sich mit Schönem zu umgeben», sagte Ring der dpa in Berlin ein Jahr nach der Verbannung zweier Nolde-Bilder aus dem Kanzleramt. Ob die Wand im Arbeitszimmer von Kanzlerin Angela Merkel wieder Kunst zieren sollte, wollte Ring nicht beurteilen. «Das ist eine Entscheidung, die das Kanzleramt für sich ganz alleine treffen muss.» Kunst sei etwas, was für viele Menschen zum Lebensalltag dazugehöre. «Das bereichert den Alltag ungemein.»

  • Christian Ring, Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde steht im Hamburger Bahnhof. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Christian Ring, Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde steht im Hamburger Bahnhof. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Bilder des Expressionisten Nolde (1867-1956) hatten vor der Ausstellung «Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus» für Wirbel gesorgt. Auch wegen neuer Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit des Malers waren etwa 150 000 Interessierte in das Berliner Museum im Hamburger Bahnhof gekommen.

Nolde wurde von den Nazis zwar als «entarteter Künstler» diffamiert, war aber auch NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und bis zum Ende der NS-Zeit überzeugter Nationalsozialist. Unmittelbar vor der Ausstellung hatte das Kanzleramt (am 4. April 2019) für Aufregung gesorgt. Gezeigt wurde nämlich auch Noldes Gemälde «Brecher» von 1936. Das Bild hing mit «Blumengarten (Thersens Haus)» (1915) als Leihgabe bei Merkel. Sie ließ nicht nur den «Brecher» für die Ausstellung von der Wand nehmen, sondern gab auch gleich den «Blumengarten» ab. Beide Bilder wollte sie ohne nähere Begründung nicht zurück.

«Kunst ist immer auch ein Spiegel des Zeitgeschehens. Wenn wir uns heute verorten, kann Kunst auch ein wichtiger Punkt sein, innezuhalten und uns zu hinterfragen», sagte Ring. «Nolde ist ein genialer Künstler. Die Werke Noldes folgen nicht seiner Ideologie, sondern seinem Blick.» Es sei wichtig, die Person in einen politischen Kontext zu stellen. «Aber das darf nicht den Blick verstellen, das Kunstwerk als solches zu betrachten.»

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