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1252 Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein

01.04.2020 - Krankenhäuser unter Hochdruck und ein Politiker-Appell: Der Norden stellt sich auf noch mehr Corona-Patienten ein. Das Uniklinikum baut im Eiltempo mit Landeshilfe seine Kapazitäten in der Intensivmedizin aus. Ein böses «Triage»-Szenario soll unbedingt verhindert werden.

  • Ein trockener Abstrich eines Tests auf das SARS-CoV-2-Virus wird in eine Flüssigkeit überführt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein trockener Abstrich eines Tests auf das SARS-CoV-2-Virus wird in eine Flüssigkeit überführt. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ministerpräsident Daniel Günther hat die Schleswig-Holsteiner aufgefordert, im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus die geltenden weitgehenden Kontaktsperren auch über Ostern einzuhalten. Ihm sei bewusst, dass es eine große Einschränkung ist, gerade zu solch einem Fest auf Tagesausflüge und Familienbesuche zu verzichten, sagte der CDU-Politiker am Mittwochnachmittag in Kiel. Er bitte aber herzlich darum, sich an die klar aufgestellten Regeln zu halten.

Zuvor hatten Bund und Länder beschlossen, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes sollten auch über Ostern gemäß den geltenden Regeln auf ein absolutes Minimum reduziert werden. «Eine Pandemie kennt keine Feiertage», sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Günther eilte nach seinem kurzen Statement gleich zur nächsten Telefonkonferenz - mit seinem Kabinett.

Die Krankenhäuser im Land wappnen sich mit mehr Personal und Technik für den erwarteten weiteren Anstieg von Infektionen mit dem Virus. Besonders im Fokus steht das Universitätsklinikum (UKSH), das als einziger Maximalversorger die Zahl der Intensivbetten bis Monatsmitte von 171 auf 362 mehr als verdoppelt. «Es ist unser gemeinsames Ziel, für den bevorstehenden Anstieg von Covid-19-Patienten bestmöglich vorbereitet zu sein», sagte Vorstandschef Jens Scholz am Mittwoch und dankte dem Land für die finanzielle Hilfe.

Das UKSH rüstet in Kiel und Lübeck sechs Stationen personell und technisch auf, um die Behandlung von Intensivpatienten zu sichern. Die Geräte kosten bis zu 5,5 Millionen Euro zusätzlich. Dazu gehören Ultraschallgeräte, Bronchoskopie-Einheiten, Dialysegeräte, Röntgensysteme, Beatmungstechnik, Monitoring und Infusionstechnik.

Die Zahl der im Land gemeldeten Infektionen mit dem neuen Coronavirus stieg Stand Dienstagabend auf 1252 und die der Todesfälle um einen aus dem Kreis Stormarn auf zehn, wie die Regierung am Mittwoch mitteilte. Damit wurden bis Dienstag 117 Infektionen mehr erfasst als am Tag zuvor. 164 Menschen sind oder waren seit Beginn der Pandemie in klinischer Behandlung, ein Tagesplus von 18. Derzeit sind 124 Corona-Patienten in Kliniken. Am Mittwochnachmittag meldete der Kreis Rendsburg-Eckernförde einen weiteren Todesfall: Ein 72-Jähriger sei im Krankenhaus gestorben.

Es bewähre sich, dass das Land auch in wirtschaftlich schwerer Zeit den modernsten Ausbau an beiden UKSH-Standorten beschlossen habe, sagte Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU). Die Verdopplung der Intensivbetten-Kapazitäten sei das Gebot der Stunde, um sich auf eine steigende Zahl von Patienten vorzubereiten, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). «Gesundheit ist wichtiger als die schwarze Null», erklärte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne).

Das UKSH schult zusätzlich Personal aus anderen Bereichen für die Behandlung der Corona-Patienten. Auch 100 Medizinstudenten der Unis Kiel und Lübeck werden darauf vorbereitet, die Pflegekräfte im Ernstfall zu unterstützen. Mehr als 1200 Freiwillige haben sich bisher über die Internetseite www.uksh-helfen.de gemeldet.

In der Krise ungekannten Ausmaßes müsse ein wesentliches Ziel die Vermeidung sogenannter Triage-Situationen sein, erklärte das UKSH: In solchen Fällen müssten Ärzte entscheiden, wer vorrangig intensivmedizinisch versorgt wird. Die Aufrüstung des Klinikums sei ein entscheidender Schritt, dass weder der Staat noch ein Arzt wegen Ressourcenmangels bestimmen muss, welches Leben zu retten ist.

In einem Altenpflegeheim in Tornesch mit zwei Toten in der vorigen Woche stieg die Zahl der Infizierten laut Pressestelle des Kreises Pinneberg auf neun. Bewohner, deren erster Test negativ ausfiel, sollen erneut getestet werden. Auch das Personal werde regelmäßig getestet. Nachdem sieben Kollegen in Quarantäne mussten, sollen die verbliebenen neun Pfleger bald von Freiwilligen und Pflegekräfte aus der Zeitarbeit unterstützt werden.

Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) unterstützt Bestrebungen des Bauernverbandes, auf den Feldern Asylbewerber einzusetzen. Grund ist das Ausbleiben von Helfern aus Osteuropa. Entscheiden muss der Bund.

Die Hochschulrektorenkonferenz plädierte für eine Verschiebung des Sommersemesters an den Hochschulen. «Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Bundesländer zu einem abgestimmten und gemeinsamen Vorgehen in dieser Sache kommen», sagte Wissenschaftsministerin Prien der dpa. Diverse Varianten zur Ausgestaltung des Semesters würden mit den Hochschulen und Kultusministern beraten, es seien aber noch keine Entscheidungen getroffen worden.

Die Grünen im Landtag forderten, jeder Pflegekraft einen Bonus von 1500 Euro zu zahlen. Das würde das Land 30 Millionen Euro kosten. Das sei viel Geld, aber gerade Pflegekräfte leisteten unfassbar viel. Die Grünen schlugen auch einen Härtefallfonds mit fünf Millionen Euro für Menschen vor, die unter der Krise besonders leiden, wie Obdachlose und Kulturschaffende, die plötzlich ohne Einkommen dastehen.

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