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2019: Zwei Suizide in Schleswig-Holsteins Gefängnissen

18.01.2020 - Der Staat hat eine Verantwortung für die Menschen, die er in Gefängnissen unterbringt. Eine große Gefahr ist die Selbsttötung. Deshalb ergreift Schleswig-Holstein zahlreiche Maßnahmen zur Prävention.

  • Verschlossene Zellen in einem Gang einer JVA. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Verschlossene Zellen in einem Gang einer JVA. Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holstein hat zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Selbsttötungen in Gefängnissen zu verhindern. «Suizidprävention ist Aufgabe aller in einer Justizvollzugsanstalt tätigen Bediensteten, eine entsprechende Sensibilisierungen erfolgt schon in der Ausbildung», sagte ein Sprecher des Justizministeriums der Deutschen Presse-Agentur. In jeder Anstalt gebe es seit 2019 Ansprechpersonen, die das Thema präsent halten sollen. «Suizidalität wird regelhaft in der Aufnahmesituation und im Vollzugsverlauf abgeklärt», sagte der Sprecher. Das Verfahren sei standardisiert.

Bei akuter Suizidalität würden Schutzmaßnahmen angeordnet, zum Beispiel die Unterbringung in besonders gesicherten Hafträumen. Der Betroffene werde zudem ärztlich und psychologisch begleitet. 2018 habe sich auch die Arbeitsgruppe Suizidprävention im Justizvollzug gegründet. Auch auf Bundesebene gibt es eine solche Arbeitsgruppe, die Empfehlungen für die Anstalten erarbeitet.

Laut den Leitlinien der Bundesarbeitsgruppe sind Untersuchungshaft, Konfliktsituationen und Isolation starke Suizidrisikofaktoren. Entsprechend sollte der besonders gesicherte Haftraum, auch Bunker genannt, eine Ausnahme bei akuter Gefährdung sein. Besser sei in solchen Situationen die Unterbringung in einem freundlichen Suizidpräventionsraum oder zusammen mit einem Listener, einem anderen geschulten Gefangenen. Um es erst gar nicht zu einer akuten Situation kommen zu lassen, sei ausreichend Personal zur Betreuung wichtig.

Im vergangenen Jahr haben sich - wie 2018 - in Schleswig-Holsteins Gefängnissen zwei Menschen getötet. Versuche seien nicht erfasst worden. 2019 sind durchschnittlich 1208 Menschen in Gefängnissen im Norden untergebracht gewesen, wie das Kieler Justizministerium mitteilte.

Deutschlandweit liegt die Suizidrate laut einer Statistik des Europarats von 2017 deutlich höher: knapp zwölf Menschen pro 10 000 Gefangene. Unter den 47 Mitgliedsstaaten des Europarats hatten nur in Österreich und Frankreich höhere Selbsttötungsraten als Deutschland.

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