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Addo: Corona-Impfstoff frühestens in zweiter Jahreshälfte

27.03.2020 - Ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus wird es nach Einschätzung der Virologin Addo vom UKE frühestens in der zweiten Jahreshälfte geben. Auch wenn das aus Sicht der Ärztin ein hohes Tempo ist - für die aktuelle Corona-Welle nützten diese Mittel nichts.

  • Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie am UKE. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Marylyn Addo, Leiterin Sektion Infektiologie am UKE. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz des für Mediziner hohen Entwicklungstempos rechnet die Virologin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. «Es sind sehr viele verschiedene Impfstoffansätze in der Entwicklung», sagte die Leiterin der Infektiologie des UKE am Freitag in Hamburg. Die schnellsten Impfstoffentwicklungen seien bereits an Menschen getestet worden. «Das hat es noch nie gegeben, dass von der Entwicklung eines Virus bis zur Impfung des ersten Menschen zur Sicherheitstestung nur mehrere Monate vergangen sind.»

Schnell sei natürlich im Auge der Gesellschaft relativ. «Aber für uns ist das schnell», sagte Addo - und räumte ein, dass keiner der Impfstoffe für die aktuelle Corona-Welle Relevanz haben werde. Selbst die bereits jetzt weit gediehenen Impfstoffe stünden frühestens in der zweiten Jahreshälfte breiter zur Verfügung. Addo betonte: «Impfstoffe sind Produkte, die wir Gesunden verabreichen, und wir müssen dafür sorgen, dass diese sicher sind.»

Es gebe noch kein zugelassenes Medikament für diese Erkrankung, sagte Addo. Aber es gebe viele Substanzen, die in irgendeiner Form bei anderen oder ähnlichen Krankheiten Wirkung gezeigt hätten und zugelassen seien. «Die müssen wir jetzt auf Wirksamkeit strukturiert prüfen, um dann zu wissen, wen können wir wie wann am besten behandeln», sagte Addo. Derartige klinische Studien liefen nun an vielen Universitätskliniken und Zentren an, auch am UKE.

Die sogenannten Antikörpertests, mit denen etwa auch eine unbemerkt überstandene Corona-Infektion nachgewiesen werden soll, seien noch in der Entwicklung, sagte Addo. «Diese Entwicklung ist noch in einem sehr frühen Stadium.» Das Problem sei, dass bislang nicht sicher sei, dass die Tests tatsächlich das neuartige Coronavirus und nicht etwa ein altes Coronavirus erfassen.

Im Gegensatz dazu können sogenannte PCR-Tests sehr präzise eine akute Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachweisen. Massentests hält Addo gleichwohl für nicht sinnvoll. Sie verstehe, wenn die Menschen in Sorge seien. «Für die allgemeine Gesellschaft ist ein negativer Test aber nicht aussagekräftig», sagte Addo. Denn schon am nächsten Tag könne sich der Getestete angesteckt haben und positiv sein.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) bestätigte Anfragen aus Italien und Frankreich zur Übernahme schwer kranker Covid-19-Patienten durch Hamburger Kliniken. Sie sprach von zehn italienischen Patienten für das Asklepios-Klinikum Harburg und zunächst zwei französischen Patienten für das UKE. Das sei jedoch abhängig von den Kapazitäten der Krankenhäuser gerade mit Blick auf die im April erwartete Corona-Welle in der Hansestadt. Addo betonte, es handele sich zunächst nur um eine Anfrage: «Es ist kein Patient hier, es ist noch keine Logistik eingeleitet worden.»

Die Stadt Hamburg soll nach dem Willen von Wissenschaftssenatorin Fegebank künftig eine Spitzenstellung bei der Infektionsforschung einnehmen. Sie solle weiter unterstützt und aufgebaut werden - «mit dem Ziel tatsächlich eine Spitzenstellung (...) zu erreichen». Die Stadt solle hier auch mit Blick auf Coronabekämpfung und -bewältigung Maßstäbe setzen und sich «eine richtige Stufe nach oben katapultieren und eine Spitzenstellung bekommen im Bereich der Infektionsforschung». Dafür habe die Stadt für die kommenden zwei, drei Jahre im Rahmen der Landesforschungsförderung bereits rund zehn Millionen Euro bereitgestellt «ohne zu wissen, dass uns Corona und diese Welle uns so ereilen würde».

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