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Albrecht: Schweinepest-Risiko auch für Schleswig-Holstein

10.09.2020 - Schleswig-Holstein sieht sich gewappnet gegen die Afrikanische Schweinepest: Landwirtschaftsminister Albrecht und der Bauernverband verweisen auf jahrelange Vorbereitungen für den Ernstfall. In Brandenburg wurde jetzt erstmals ein befallener Kadaver gefunden.

  • Jan Philipp Albrecht spricht bei einer Sitzung. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jan Philipp Albrecht spricht bei einer Sitzung. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schleswig-Holstein hat sich laut Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht auf mögliche Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) intensiv vorbereitet. «Länderübergreifend haben wir unter anderem mehrfach Tierseuchenübungen zur Vorbereitung auf einen Seuchenfall durchgeführt», sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag in Kiel. Zuvor war in Brandenburg nahe der polnischen Grenze erstmals in Deutschland an einem toten Wildschwein die für Menschen ungefährliche Tierseuche nachgewiesen worden. In Osteuropa grassiert sie schon länger. In Schleswig-Holstein gibt es dem Ministerium zufolge aktuell keine Hinweise auf die Seuche, die bei Schweinen fast immer tödlich verläuft. Einen Impfstoff gibt es nicht. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

«Der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland stellt eine große Herausforderung dar, die angesichts der Situation in unseren bereits stark betroffenen europäischen Nachbarländern jedoch erwartet werden musste», sagte Albrecht. «Bund und Länder müssen jetzt entschlossen handeln und die erforderlichen Maßnahmen im Seuchenfall konsequent und zügig umsetzen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.»

Albrecht rief die Schweinehalter auf, die geltenden Sicherheitsmaßnahmen in den Betrieben einzuhalten. «Obwohl der positive Fund in Brandenburg noch weit von uns entfernt ist, besteht das Risiko eines Eintrages nach Schleswig-Holstein.» Albrecht kündigte an, das vom Land mit Kreisen und kreisfreien Städten vereinbarte Maßnahmenpaket und die Prävention vor der Seuche weiter entschlossen umzusetzen. Laut Ministerium halten im Land etwa 800 Betriebe rund 1,4 Millionen Schweine.

Albrecht appellierte an die Jäger, Schwarzwild weiterhin intensiv zu bejagen. Die Begrenzung dieser Bestände sei ein wichtiger Baustein, um die Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern. Und wenn jedes tot gefundene Wildschwein untersucht werde, könne die Seuche früh erkannt werden. Nur so könnten die Behörden rechtzeitig Maßnahmen einleiten und die Seuche an einer Ausbreitung hindern.

Jäger können gefundene Tierkadaver kostenlos an Sammelplätzen abgeben, die im Land seit 2018 eingerichtet wurden. Für Beprobung und Entsorgung gibt es eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro. Wer vermehrt Fallwild entdecke, sollte umgehend das Veterinäramt informieren, sagte Albrecht.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein forderte vorbeugende Schutzmaßnahmen. Die bundesweiten und grenzüberschreitenden Präventionsmaßnahmen müssten weiter verstärkt werden, «um eine Verschleppung des Virus in Wildschwein- oder Hausschweinpopulationen in andere Regionen zu vermeiden», sagte eine Verbandssprecherin. Die Bewertung der Situation in Brandenburg und die Vermeidung einer Verschleppung habe nun erst einmal Priorität.

Der Bauernverband beschäftige sich bereits seit vier Jahren mit einem Krisenszenario. Die Landwirte seien gemeinsam mit der Branche und den Behörden nicht untätig gewesen. «Insofern stehen Möglichkeiten zur Verfügung, die eine Einschleppung in Hausschweinebetriebe unwahrscheinlich machen.» Es sei dennoch weiterhin unabdingbar, dass sich schweinehaltende Betriebe mit Fragen der Betriebshygiene intensiv auseinandersetzen und in ihrer Wachsamkeit nicht nachlassen.

«Die Lage für unsere Landwirte ist bedrohlich», sagte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Oliver Kumbartzky. «Trotzdem dürfen wir in Schleswig-Holstein nicht in Panik verfallen, sondern müssen mit allen Akteuren zielgerichtet die vorbereiteten Präventionsmaßnahmen intensivieren.» Für die Landwirte gelte: «Jeder Betrieb kann etwas gegen ASP tun! Sie müssen das Risiko der Seuchenausbreitung in ihren Betrieben soweit wie möglich minimieren und dadurch sich und andere schützen.» Deshalb sollten jetzt unbedingt unterstützende Tools wie die ASP-Risikoampel der Uni Vechta genutzt werden, riet der FDP-Politiker.

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