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Attacke mit abgebrochenem Flaschenhals: Über fünf Jahre Haft

10.09.2020 - Er präsentiert dem Gericht immer neue Tatversionen und gibt sich lange als minderjährig aus. Doch jetzt wurde ein 27-Jähriger wegen versuchten Totschlags verurteilt.

  • Die Sonne scheint auf den Eingangsbereich am Landgericht Kiel. Foto: Frank Molter/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Sonne scheint auf den Eingangsbereich am Landgericht Kiel. Foto: Frank Molter/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach mehreren Attacken mit abgebrochenen Flaschenhälsen ist ein 27-Jähriger zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Kieler Landgericht verurteilte ihn am Donnerstag wegen versuchten Totschlags, zweifacher gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte. Es ordnete die Unterbringung des gebürtigen Marokkaners in einer Entziehungsanstalt an.

Nach Feststellungen der Richter lauerte der Angeklagte im Februar 2020 in Neumünster nach dem Diebstahl einer Bierflasche einem Mann auf, der ihn beobachtet und verfolgt hatte. Er rammte ihm einen abgebrochenen Flaschenhals in den Hals. Einem weiteren Mann, der zu Hilfe kam, verletzte er mit dem Glas an der Hand. Der Angreifer wurde festgenommen, seine Identität durch Fingerabdrücke festgestellt. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Bereits Ende 2018 hatte der Angeklagte einen Mann vor einer Diskothek mit dem abgebrochenen Hals einer Bierflasche attackiert, einem zweiten die Flasche über den Kopf gehauen. Zudem habe er weitere Straftaten begangen, sagte Brommann.

Den Ermittlungen entzog sich der 27-Jährige demnach aber mit immer neuen Namens- und Geburtsangaben. Er gab sich lange als minderjährig aus. Sein Alter sei erst auf Anordnung eines Amtsgerichts per Gutachten festgestellt und die Vormundschaft aufgehoben worden, sagte der Kammervorsitzende. In Deutschland reiste der Angeklagte den Angaben zufolge 2017 ein, stellte 2018 vergeblich Asylantrag. Inzwischen wurde die Abschiebung angeordnet.

Vor Gericht entschuldigte sich der 27-Jährige. Er sei ein friedlicher Mensch, nur unter Alkohol und Drogen seien die Taten möglich gewesen. Allerdings präsentierte er nach Worten des Vorsitzenden Richters Jörg Brommann «ein völlig haltloses Durcheinander sich widersprechender und unzutreffender Angaben.»

Weil der Mann die Taten unter dem Einfluss von Alkohol und Tabletten beging und wegen der Persönlichkeitsstruktur des 27-Jährigen ging das Gericht von einem minder schwerem Fall aus. Von dem Angeklagten seien unbehandelt aber weitere erhebliche Straftaten zu erwarten.

Die Sozialprognose des laut Gutachten therapiewilligen und -fähigen Mannes bezeichnete Brommann als außerordentlich schlecht. «Sie sind ein Krimineller», sagte er direkt zum Angeklagten gewandt. «Alkohol ändert daran nicht das Geringste.» Es wäre «Ihnen aber zu wünschen, dass Sie die Kurve kriegen. Aber ich zweifle, dass Ihnen das gelingen wird.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger erwägt Rechtsmittel. (Az.: 8 Ks 592 Js 10117/20) Er hatte drei Jahre und zwei Monate, die Staatsanwältin fünf Jahre und neun Monate Haft gefordert.

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