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Bankräuber vor Gericht: «Ich will die reine Wahrheit»

24.06.2019 - Banken ja - Supermärkte nein. Ein mutmaßlicher Bankräuber gibt sich vor Gericht als Ehrenmann: Als Profi weiß er, wann das Spiel aus ist - und dankt zwei Hamburger Polizisten für Fairness.

  • Der 70-Jährige mutmaßliche Serienbankräuber (r) wartet neben seinen Anwälten auf den Beginn der Verhandlun. Foto: Axel Heimken © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der 70-Jährige mutmaßliche Serienbankräuber (r) wartet neben seinen Anwälten auf den Beginn der Verhandlun. Foto: Axel Heimken © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - Auskunftsfreudig und selbstbewusst hat sich am Montag ein geständiger Bankräuber vor Gericht in Hamburg gezeigt. «Mir geht es darum, dass hier die reine Wahrheit auf den Tisch kommt», beteuerte der 70-Jährige gleich zu Beginn seiner Erklärungen. Verteidiger Gerhard Strate kündigte an, sein Mandant werde den Vorwürfen der Anklage grundsätzlich nicht widersprechen.

Dem 70-jährigen Deutschen werden drei Überfälle auf Sparkassenfilialen in der Hansestadt seit 2011 vorgeworfen. Bei einer der Taten habe er 2017 auf einen Bankangestellten geschossen, der sich völlig passiv verhalten habe, so die Staatsanwaltschaft. Der Mitarbeiter wurde am Bauch getroffen und notoperiert. Der Angeklagte muss sich wegen schwerer räuberischer Erpressung und versuchten Mordes verantworten.

Wie beim Prozessauftakt am vergangenen Freitag schaut der Mann mit einer Sonnenbrille offen in die Kameras der Pressefotografen. Sein Gesicht wolle er nicht verbergen, denn sonst würde ihn die Presse als «feigen Bankräuber» bezeichnen, erklärt er. Der schlanke, jünger wirkende Mann mit vollem grauen Haar hat sich elegant in Schwarz gekleidet, dazu trägt er ein helles Jackett. Er sehe sehr gepflegt und gesund aus, bestätigt die Vorsitzende Richterin Birgit Woitas während der Vernehmung.

Der 70-Jährige lege Wert auf seine Ganovenehre, wie es ein Polizeizeuge ausdrückt. Er bekennt sich zu seiner Vergangenheit als Bankräuber in den 80er Jahren. In den vergangenen Jahren habe er sehr bescheiden in Kiel gelebt, sei viel Fahrrad gefahren und kaum in Restaurants gegangen. Steuern und Versicherung für sein Auto habe er immer pünktlich bezahlt. Im vergangenen Jahr sei er in Geldnot geraten. Die Grundsicherung habe nicht ausgereicht. «Ich hatte so gut wie kein Geld mehr.»

Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, einen Supermarkt zu überfallen. Dort gebe es keine Überwachungskameras und die Kassen seien gut gefüllt. Aber er habe die dortigen Mitarbeiter nicht mit einer Waffe bedrohen wollen. «Darum kamen für mich immer nur Banken in Frage.» Auf seinem Aktenordner klebt ein Zeitungsausschnitt mit der Überschrift: «Banker bunkern eine Milliarde Euro für ihre Pensionen».

Mehrfach seien seine Versuche, Sparkassen in Hamburg zu überfallen gescheitert. Mal störte ein Polizeieinsatz wegen einer Demonstration, mal wurde die ausgekundschaftete Filiale plötzlich renoviert. Am 10. Januar 2019 habe er wegen Verkehrsstaus seinen Zeitplan nicht halten können. Mit Mühe und Not habe er in St. Georg einen Parkplatz gefunden und sei kurz vor 18.00 Uhr zu der dortigen Filiale geradelt.

«Machen Sie die Kasse auf, sonst werde ich schießen!», habe er den Angestellten zugerufen. Eine Mitarbeiterin habe seelenruhig weiter telefoniert. «Wahnsinn!», wundert sich der Angeklagte noch im Nachhinein. Er habe den Apparat beiseite geschoben und sie ermahnt: «Das ist kein Spiel!»

Doch dann lief es nicht mehr rund für den Räuber: Mit seinen doppelten Handschuhen - Latex und Wolle - bekam er seinen Stoffbeutel nicht richtig geöffnet. Ein Teil der Beute fiel auf den Boden. Ein Geldbündel steckte er noch schnell in die Hosentasche, bevor er mit seinem Klappfahrrad eilig aus dem Gebäude schob, beide Hände am Lenker, in der rechten die Beute, in der linken die Pistole.

Inzwischen hatte eine Zeugin zwei zufällig in der Nähe befindliche Polizisten alarmiert. Sie warteten mit gezogenen Waffen am Eingang. «Das ging jetzt aber schnell», zeigte sich der Angeklagte nach Angaben eines der Beamten überrascht. Der Tatverdächtige habe sofort die Pistole niederlegt und erklärt, dass er alle Anweisungen befolge, nur solle man ihn als alten Mann nicht so hart anfassen. «Er war sofort sehr freundlich», versichert ein 35 Jahre alter Polizist.

Der Senior beklagt sich vor Gericht wortreich, er sei so heftig zu Boden gedrückt worden, dass er kaum noch Luft bekommen habe. Seine Handgelenke seien durch die Fesseln angeschwollen. In der Polizeizelle sei es erschreckend kalt gewesen, er sei Fußbodenheizung gewohnt. Den Beamten im Zeugenstand bekundet er dennoch seinen Respekt: «Vielen Dank, dass Sie nicht geschossen haben! Sie hätten mich auch erschießen können.» Die beiden anderen angeklagten Überfälle sollen an den nächsten Verhandlungstagen zur Sprache kommen.

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