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Bestatter fordern Schutzkleidung und Systemrelevanz

04.04.2020 - Mit italienischen Zuständen rechnen Hamburger Bestatter derzeit nicht. Dennoch muss sich etwas ändern, damit sie in Corona-Zeiten voll arbeitsfähig bleiben. Denn ohne den Einsatz dieser Berufsgruppe dürfte es chaotisch werden.

  • Urnen, eine mit der Silhouette von Hamburg, stehen zur Ansicht auf einem Regal. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Urnen, eine mit der Silhouette von Hamburg, stehen zur Ansicht auf einem Regal. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburger Bestatter fürchten, im Falle einer Verschärfung der Corona-Pandemie nicht ausreichend mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln versorgt zu sein. «Wir haben jetzt vermehrt Klagen gehört, dass es zeitlich knapp ist, dass die Bestände immer kleiner werden und es einfach derzeit nicht ausreichend auf dem Markt gibt», sagte Uwe Kaltenbach, Geschäftsführer der Bestatter-Innung Hamburg, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir wollen jetzt auch keine Panik machen, denn die Bemühungen sind ja da. Aber der Markt ist derzeit eben leer und die Lage verschärft sich allmählich.» Kaltenbach forderte deshalb, dass die Bestatter - natürlich neben den Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen - bevorzugt ausgestattet werden müssten.

Die Bestatter würden zudem derzeit mit den Behörden der Hansestadt im Gespräch sein, damit ihre Branche als systemrelevant eingestuft wird. Das sei wichtig, damit beispielsweise die Kinderbetreuung für Mitarbeiter im Bestattungswesen sichergestellt werden kann. «Die Bestatter müssen zudem in der Lage sein, die Toten mit ihren Autos zeitnah aus der Wohnung oder dem Heim abholen zu können. Die Bewegungsfreiheit muss gewährt sein, wenn die Ausgangsregeln noch weiter verschärft werden.» Gerade bei Erdbestattungen müssten die Toten zeitnah beigesetzt werden.

Bisher habe die Corona-Krise kaum Einfluss auf die alltägliche Arbeit der Bestatter. «Noch sind wir gut ausgestattet. Aber eben nur bis zu einem bestimmten Punkt», sagte auch Bestatter Kay Seemann aus Blankenese. Bei den sogenannten FFP3-Schutzmasken gebe es beispielsweise derzeit «Lieferzeiten von bis zu acht Wochen und horrende Preise, die man nicht außer Acht lassen darf». Er hat bereits mehr Särge als üblich in seinem Unternehmen stehen, «um eventuellen Lieferengpässen vorzubeugen».

Zustände wie in Italien, mit mehreren hundert Toten am Tag und entsprechenden Massentransporten, könne man zwar nicht ausschließen. Aber die Bestatter in Hamburg gehen nicht davon aus. Geschäftsführer Kaltenbach: «Wir müssen damit rechnen, dass es mehr wird. Mit solchen Zuständen wie in Italien rechnen wir nicht.»

Die Branche sehe sich derzeit auf den möglichen Anstieg von Toten gut vorbereitet. In erster Linie würden sich die Hamburger Bestatter derzeit enger vernetzten, damit sie sich im Fall von deutlicher Mehrarbeit wegen der Krise gegenseitig unterstützen können. Es gebe noch keine Notdienste. «Wir gehen da relativ gelassen, aber zielstrebig ran.» In der Hansestadt gibt es der Innung zufolge etwa 60 bis 70 Bestatter.

Auf Angehörige hat die Krise ebenfalls Auswirkungen: Große Trauerfeiern mit mehreren Dutzend Gästen sind aufgrund des sich immer weiter ausbreitenden Virus nicht mehr möglich. «Die Corona-Krise hat ganz massiv die Gestaltung der Trauerfeiern geändert, weil Zusammenkünfte nur noch in bestimmtem Umfang zulässig sind», so Kaltenbach. So dürften noch maximal sechs Trauergäste zu den Beerdigungen und anschließenden Trauerfeiern kommen. «Dabei ist natürlich die Abstandsregelung einzuhalten.» Die katholische und die evangelische Kirche in Hamburg lassen Trauerfeiern derzeit nur im Freien zu.

Auch die Hamburger Friedhöfe bereiten sich auf die Pandemie vor. So wurde die Verstorbenenannahme in Ohlsdorf geschlossen und das dortige Krematorium außer Betrieb genommen, «um das Team als Reserve für einen Ausfall am Öjendorfer Krematorium zu haben», wie ein Sprecher sagte. Zudem bereiten sich die Hamburger Friedhöfe darauf vor, Urnen wegen verschobener Urnen-Trauerfeiern zu lagern. Um mögliche Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus zu vermeiden, werden zudem Beratungen zu Grab, Grabpflege, Vorsorge und Bestattung nur noch am Telefon erledigt. Weil außerdem einige Mitarbeiter als Reserve freigestellt wurden, erwartete der Sprecher zeitliche Verzögerungen bei der anstehenden Frühjahrsbepflanzung.

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