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Bewährungsstrafe für sexuellen Missbrauch

28.05.2020 - Sie war anfangs zwölf Jahre alt - er rund 20 Jahre älter, als er mit ihr schlief. Doch ein Jugendgericht fand mehrere Gründe, Milde für den Angeklagten walten zu lassen.

  • Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Trotz mehrfachen schweren Kindesmissbrauchs muss ein 41-jähriger Mann nicht ins Gefängnis. Die Jugendkammer des Kieler Landgerichts ging am Donnerstag in ihrem Urteil von fünf minder schweren Fällen aus und verhängte dafür eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Die Strafe wurde gegen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt. Wegen der überlangen Verfahrensdauer gelten vier Monate als bereits vollstreckt.

Laut Urteil muss der geständige und nicht vorbestrafte Täter innerhalb eines halben Jahres sechs Therapiestunden nehmen und weitere 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen. 5000 Euro hatte der Ehemann und Vater einer eigenen Tochter schon vor Prozessbeginn der heute volljährigen Nebenklägerin gezahlt.

Die Kammer ging in der Strafzumessung von einer - allerdings verbotenen - nicht altersadäquaten Liebesbeziehung mit dem anfangs zwölf Jahre alten Mädchen aus, sagte die Vorsitzende Richterin Maja Brommann. Sie habe dabei den Altersunterschied und die sexuelle Unerfahrenheit des Mädchens nicht verkannt. Doch sei auch nicht unbeachtet geblieben, dass der Angeklagte sehr jugendlich wirkte und sie nicht mehr kindlich und sich auch als älter ausgegeben habe.

Günstig wirkte sich laut Urteil für den 41-Jährigen auch aus, dass er das Unrecht seiner Taten erkannt, sich mit seiner Frau ausgesprochen habe und seine Familie zusammenbleiben will, sagte die Richterin. Er gehe einem Beruf nach und es seien keine weiteren Straftaten mehr von ihm zu erwarten. Strafverschärfende Umstände, etwa dass der Angeklagte das Mädchen später unter Druck gesetzt habe, hätten in der Beweisaufnahme nicht zweifelsfrei bestätigt werden können.

Außerdem seien bei der Nebenklägerin keine besonderen psychischen Folgen durch die Taten feststellbar gewesen. Sie habe einen guten Schulabschluss und eine erfolgreiche Berufsausbildung absolviert und lebe in einer festen, stabilen Beziehung. Dass ihre Aussage vor Gericht aber belastend gewirkt habe, verkenne das Gericht nicht. Der noch immer deutlich jünger wirkende Angeklagte saß bei der Urteilsverkündung mit tiefgesenktem Kopf da.

Mit dem Strafmaß blieb die Kammer deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die dreieinhalb Jahre Haft beantragte. Sie hatte dem 41-Jährigen zwischen 2011 und 2012 neun Fälle in seiner damaligen Wohnung bei Kiel und im Auto zur Last gelegt. Zwei Fälle wurden im Verfahren eingestellt. In zwei Fällen sprach die Jugendkammer den Mann frei. Die Nebenklage hatte drei Jahre und zwei Monate Haft gefordert, der Verteidiger eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Der Verteidiger kündigte an, das Urteil akzeptieren zu wollen. Die Staatsanwaltschaft will Revision prüfen. Sie hatte zu Beginn des Prozesses eine Verständigung auf eine Bewährungsstrafe als nicht vermittelbar blockiert. Für die Nebenklägerin sprach deren Rechtsanwältin Kerstin Bartsch von einem sehr problematischen Urteil. Das Mädchen sei von dem erwachsenen Mann und in der sexuellen Beziehung total abhängig und komplett überfordert gewesen. «Aus juristischer Sicht ist das Urteil, gerade auch im Hinblick auf andere ähnlich gelagerte Fälle, eine bittere Pille.»

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