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Demenz des Vaters: Frau gesteht versuchte Vergiftung

08.01.2021 - Sie fürchtete, dass ihr Vater dement sei und wollte ihn «erlösen». Jetzt sitzt sie vor dem Schwurgericht.

  • Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ich dachte, dass er Demenz hat, weil er immer wieder Sachen vergessen und Leute verwechselt hat.» Mit diesen Worten hat eine 32-Jährige vor dem Kieler Landgericht die versuchte Vergiftung ihres Vaters gestanden. Sie habe ihm ein Medikament in sein Bier geschüttet, «um ihn zu erlösen», sagte die Frau am Freitag. Dann fügte sie hinzu: «Man lässt ja auch ein angefahrenes Reh nicht am Straßenrand liegen.» Sie habe bei ihrer Oma gesehen, wie schlimm die Erkrankung sei. «Die lief halbnackt aus der Wohnung. Ich wollte das meiner Mum und meinem Papa ersparen.»

Kurz nach der Tat in der elterlichen Wohnung habe sie dann von sich zu Hause aus ihre Mutter angerufen. Auch ihrem Mann habe sie gesagt: «Ich habe Scheiße gebaut», sagte die Angeklagte. Der heute 75-jährige Vater kam ins Krankenhaus und überlebte. Sie habe ihn dort besucht, «weil ich mit eigenen Augen sehen wollte, was ich gemacht hab», sagte die Angeklagte. Der Vater habe ihr dabei verziehen und gesagt: «Ich weiß, dass Du es gemacht hast, weil Du mich liebst». Er und ihre Mutter («Sie ist ein Messie») lebten inzwischen in einem Altersheim in Kiel.

Schon beim Besuch am Krankenbett des Vaters gestand die Tochter einer Ärztin, dass sie ihren Vater mit einem Beruhigungsmedikament habe töten wollen, sagte die Medizinerin vor Gericht. Die Tochter habe dabei gewusst, dass die Ärztin die Polizei rufen würde. Das Medikament hatte sie zu ihrer eigenen Behandlung erhalten.

Die Angeklagte kam danach mehrere Monate in die forensische Psychiatrie, bis ein Gutachter verneinte, dass sie für die Allgemeinheit gefährlich sei und sie entlassen wurde. Dem Gutachter hatte sie von zwei Stimmen berichtet, die sie vor der Tat gehört habe. Die eine, das «Teufelchen», habe sie wohl zur Tat angestiftet, die andere, das «Engelchen», ihr das Geständnis nahegelegt.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau versuchten Totschlag vor. Die 32-Jährige habe ihren Vater «vor den Folgen einer vermuteten Demenz bewahren» wollen und ging demnach von einer tödlichen Dosis aus. Zur Tat kam es Anfang Juni 2018 in der elterlichen Wohnung in Preetz (Kreis Plön). Nach Angaben der Tochter, einer ehemaligen Förderschülerin, war zuvor viel Alkohol getrunken worden. Sie und ihr Vater seien exzessives Trinken gewohnt gewesen. Seither trinke sie  nicht mehr.

Das Schwurgericht hat drei Verhandlungstage festgesetzt. Das Urteil wird demzufolge am 18. Januar erwartet. Der Verteidiger hofft auf eine Bewährungsstrafe. Er sieht unter anderem wegen des Alkoholmissbrauchs mildernde Umstände und eine verminderte Schuld.

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