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Erstmals wieder weniger Andrang bei Gymnasien

17.04.2019 - G9 treibt noch mehr Schüler im Norden auf die Gymnasien - so lauteten skeptische Prognosen. Zumindest für das nächste Schuljahr sind sie nicht eingetreten. Die Gemeinschaftsschulen machen Boden gut. Ministerin Prien nennt mehrere Gründe.

  • Ein Schild mit der Aufschrift «Abitur Bitte Ruhe!» hängt im Gang eines Gymnasiums. Foto: Thomas Warnack/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild mit der Aufschrift «Abitur Bitte Ruhe!» hängt im Gang eines Gymnasiums. Foto: Thomas Warnack/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel (dpa/lno) - Erstmals seit langem sinkt in Schleswig-Holstein die Zahl der neuen Schüler an den Gymnasien. Dorthin werden zum neuen Schuljahr 10 344 Fünftklässler wechseln und damit 5,7 Prozent weniger als im laufenden Schuljahr. Diese Zahlen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Bildungsministerium. Demnach gehen 44 Prozent des Jahrgangs ans Gymnasium, nach mehr als 46 Prozent im Vorjahr. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) begründete die gesunkenen Anmeldezahlen für die 99 Gymnasien mit einer gut funktionierenden qualifizierten Beratung: Die Lehrer ermöglichten den Eltern damit eine realistische Einschätzung der Leistungen ihrer Kinder und viele Eltern ließen sich davon auch überzeugen.

Es gibt auch wieder eine Schulartempfehlung seitens der Schule. «Die Eltern haben aber immer noch einen Spielraum und die freie Schulwahl gibt es ja nach wie vor», sagte Prien der dpa. «Ich bin den Lehrkräften ausdrücklich dankbar dafür, dass sie die Beratungsleistung wieder so beherzt angegangen sind, nachdem es jahrelang auch eine Verunsicherung gegeben hatte, ob überhaupt eine Empfehlung abzugeben war.»

4578 Schüler und damit 4,3 Prozent mehr Mädchen und Jungen lernen von August an auf einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe verbuchen ein Plus um 3,4 Prozent auf 8604. Damit wechseln insgesamt 23 526 Mädchen und Jungen auf eine weiterführende Schule, 156 weniger als im Vorjahr.

Mit der Rückkehr zum Gymnasium nach neun Jahren zum Schuljahr 2019/2020 waren Befürchtungen aufgekommen, dies könne einen weiteren Run auf die Gymnasien auslösen. Dies hat sich derzeit nun nicht bestätigt. Dazu hat aus Priens Sicht auch beigetragen, dass an den Grundschulen intensiver über die ganze Breite des Bildungssystems, über seine Durchlässigkeit und über die Möglichkeiten der dualen Ausbildung berichtet werde. Kinder und Jugendliche sollten nicht einseitig festgelegt werden auf einen Weg zu Gymnasium und Studium, sagte Prien. 2018 habe sich seit Jahren auch das erste Mal die Zahl der Ausbildungsverträge mit den Betrieben wieder erhöht, und zwar um 3,7 Prozent. «Das ist eine gute Nachricht im Blick auf den Fachkräftemangel.»

Die Anmeldungen zu den weiterführenden Schulen haben sich im Land regional sehr unterschiedlich entwickelt. So gab es im Kreis Plön, in Kiel und in Neumünster klar zweistellige Rückgänge bei den Gymnasien, in Schleswig-Flensburg und Steinburg dagegen sogar Zuwächse. «Das zeigt, dass die Eltern von ihrem Wahlrecht weiter munter Gebrauch machen», sagte die Ministerin. Eltern registrierten auch sehr genau, wenn sich eine Schule gerade einen besonders guten Ruf erarbeitet habe und eine andere schlechter beleumundet sei. Dies werde auch genau analysiert.

Der Verband der Gymnasiallehrer hält den Rückgang bei den Anmeldungen für diese Schulart weder für beunruhigend noch für spektakulär. Sichtbar seien die ersten Auswirkungen einer richtigen und kindgerechten Schulpolitik, sagte der Vorsitzende des Philologenverbands, Jens Finger. «Wenn Eltern jetzt in höherem Maße den Empfehlungen der Schulen folgen und sich für eine den Begabungen und Fähigkeiten ihres Kindes angemessene Schulform entscheiden, ist dies vernünftig und zu begrüßen.»

Einen einheitlichen Trend nach der Wiedereinführung von G9 an Gymnasien gebe es bisher nicht, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Bei einem anhaltenden Trend zu den Gemeinschaftsschulen werde man über weitere Oberstufen an einzelnen Gemeinschaftsschulen nachdenken müssen.

Dies hält der Philologenverband für grundfalsch. Absolventen von Gemeinschaftsschulen mit einem guten Mittleren Schulabschluss könnten schon jetzt überall im Land ihre Schullaufbahn an einem Gymnasium fortsetzen, sagte Finger. Vielmehr sollte die Gesellschaft verstärkt über Handwerkermangel und Akademikerschwemme nachdenken. «Abitur und Studium sind nicht zwangsläufig für alle jungen Menschen die richtigen Ziele.»

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