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Event-Branche zum Krisengespräch im Hamburger Rathaus

23.09.2020 - Die Veranstaltungsbranche ist von der Corona-Krise stark betroffen. Laut einer Umfrage hat ein Drittel der Firmen in diesem Jahr noch kein Geld verdient. Nun traf Bürgermeister Tschentscher Vertreter der Branche zum Gespräch. Danach folgten Vertreter der Großbetriebe.

  • Hamburgs Erster Bürgermeister, Peter Tschentscher (SPD), spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Michele Tantussi/Reuters/Pool/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Hamburgs Erster Bürgermeister, Peter Tschentscher (SPD), spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Michele Tantussi/Reuters/Pool/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts der massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Hamburger Wirtschaft hat sich Bürgermeister Peter Tschentscher mit Vertretern der besonders hart getroffenen Event- und Veranstaltungsbranche sowie der Großbetriebe getroffen. «Es geht uns ja darum, der Hamburger Wirtschaft insgesamt zu helfen, diese schwierige Zeit zu überstehen, Insolvenzen zu vermeiden, den Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern», sagte der SPD-Politiker am Mittwoch. Er verwies aber auch darauf, dass Hamburg bereits viel tue. So nehme die Stadt drei Milliarden Euro neuer Kredite auf, um der Wirtschaft zu helfen. Vor rund einem Monat hatte Tschentscher bereits Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen im Rathaus empfangen.

Nach Senatsangaben versammelten sich im Festsaal gut 20 Vertreter der Event- und Veranstaltungsbranche, unter anderem vom Abaton-Kino, der Clubstiftung Hamburg, der FKP Scorpio Konzertproduktionen, des Reeperbahn Festivals und der Stage Entertainment GmbH. Beim danach terminierten Treffen der Großbetriebe erschien rund ein Dutzend Vertreter, etwa von der Lufthansa Technik, Edeka, Budnikowsky, der Hamburger Sparkasse oder Gruner + Jahr.

Die Event- und Veranstaltungsbranche sei jener Teil der Wirtschaft, «der ganz besonders unter den Einschränkungen, den Regelungen, die wir getroffen haben, leidet», räumte Tschentscher rund fünfeinhalb Monate nach Beginn des Corona-Soforthilfeprogramms ein. Gleichzeitig wies er auf deutlich steigende Infektionsraten in Europa und auch Deutschland hin. Deshalb sei es sehr wichtig, getroffene Regeln auch einzuhalten. Das betreffe gerade die Gastronomie. «Es ist schon sehr problematisch, dass nicht nur einzelne, sondern weit überwiegend zum Beispiel die Kontaktlisten nicht sorgfältig ausgefüllt werden.»

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Handelskammer hat ein Drittel der befragten Betriebe der Veranstaltungswirtschaft in diesem Jahr noch kein Geld verdient. Weitere 42,5 Prozent gaben demnach an, bislang höchstens ein Viertel ihrer Vorjahreserlöse erwirtschaftet zu haben. Kaum besser sehe es bei den Erwartungen für das Gesamtjahr aus. Fast zwei Drittel rechneten mit höchstens 25 Prozent ihres Vorjahresumsatzes.

«Es geht für viele Unternehmen der Branche um das wirtschaftliche Überleben», erklärte Handelskammer-Präses Norbert Aust. Fast zwei Drittel der Befragten seien eher oder sehr unzufrieden mit der Corona-Verordnung zu Messen, Kongressen und Veranstaltungen. «Wir müssen von einer Verbotskultur zu einer Ermöglichungskultur kommen», sagte Aust. Zudem forderte er «weitere, nicht rückzahlbare Finanzhilfen». Zinsgünstige Kredite reichten nicht aus, da die Betriebe nicht absehen könnten, wann sie ihr Geschäft wieder aufnehmen und die Kredite zurückzahlen könnten.

Versprechen machte Tschentscher nach dem Treffen mit der Veranstaltungsbranche nicht. Die Branche habe Konzepte, «in denen wir prüfen, was noch möglich ist». Das beziehe sich etwa auf Corona-Schnelltests oder Studien zur Bestuhlung von Veranstaltungssälen, die vielleicht neue Möglichkeiten böten. «Wir dürfen nicht mutig sein, wie ich manchmal aufgefordert werde, um dann mutig wieder in den Lockdown zu stürzen, sondern wir müssen rational bleiben», betonte Tschentscher.

Vertreter der Veranstaltungsbranche hätten bei dem Treffen unter anderem eine längere Laufzeit der Bundes-Förderprogramme angemahnt, was der Senat auch unterstütze, sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer. Ausdrücklich gelobt worden sei das Kurzarbeitergeld. Breiten Raum hätten Lösungen für die in der kalten Jahreszeit wieder mehr werdenden Indoor-Events eingenommen. Besorgt seien die Veranstalter, weil viele Menschen Angst vor einer Infektion hätten und deshalb Kultur- und Freizeitangebote nicht nutzten. Aus Sicht des Senats könnten hier Antigenschnelltests sowie die strikte Einhaltung von Hygieneregeln helfen und Vertrauen schaffen. «Der Senat wird dies in seine Öffentlichkeitsarbeit aufnehmen», kündigte Schweitzer an.

Die Großbetriebe hätten vor allem für mehr Bürokratieabbau, insbesondere mit Blick auf die Möglichkeiten der Digitalisierung, plädiert. Auch seien zur Kompensation von Umsatzeinbußen im ersten Halbjahr branchenspezifische Mehrwertsteuersenkungen sowie Sonntagsöffnungen angeregt worden, sagte Schweitzer. Einig sei man sich darüber, keine Geschäftsmodelle zu unterstützen, die bereits vor der Pandemie nicht erfolgreich gewesen seien.

Vor Beginn des Treffen mit der Veranstaltungsbranche gab es Unstimmigkeiten über die Zusammensetzung der Teilnehmer. So beklagte der Deutsche Eventverband, nicht eingeladen worden zu sein, obwohl er Künstler, Eventveranstalter und -techniker, Messebauer, Gastronomen, Caterer und etliche weitere Branchen aus der Veranstaltungsindustrie in Politik und Öffentlichkeit vertrete. «Wir fragen uns, aus welchem Grund die Stimmen von tausenden Beschäftigten aus der gesamten Veranstaltungsindustrie hier nicht gehört werden», erklärte der Vorstandsvorsitzende Borhen Azzouz.

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