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Falsche Polizisten kassieren im Norden Millionensumme

03.04.2019 - Die Masche ist nicht neu, zieht aber immer noch: Falsche Polizisten bringen Senioren um die Ersparnisse. An die Hintermänner zu kommen, ist für die Ermittler eine Riesenhürde.

  • Ein abgelegter Telefonhörer. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein abgelegter Telefonhörer. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel (dpa/lno) - Die allermeisten Versuche gehen schief, aber die gelungenen bringen viel Geld: Angebliche Polizisten haben in Schleswig-Holstein von älteren Menschen im vergangenen Jahr mindestens 1,5 Millionen Euro ergaunert. 31 Fälle seien nachweislich vollendet worden, teilte das Landeskriminalamt am Mittwoch in Kiel mit. Die Zahl der registrierten Anrufe falscher Polizisten hat sich im Vorjahresvergleich auf 2002 Fälle mehr als verdreifacht. Im laufenden Jahr erbeuteten die Betrüger mit dieser Masche im Januar und Februar bereits insgesamt 425 000 Euro. Rund 950 Anrufe wurden ermittelt; 15 Mal waren die Täter dabei erfolgreich.

Laut Landeskriminalamt (LKA) geben sich Anrufer ganz überwiegend aus Call Centern in der Türkei bei Senioren als Polizisten aus. Sie warnen zum Beispiel vor einem Einbruch, üben Druck aus und bieten den Opfern an, Geld oder Schmuck in Sicherheit zu bringen. Komplizen holen die Wertsachen dann ab. «Das wird schon sehr, sehr professionell betrieben», sagte LKA-Dezernatsleiter Henrik Greve. Ahnungslose Senioren würden oft penetrant überrumpelt.

«Es ist eine Welle, die über Deutschland hinweggeht», sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler. «Wir gehen davon aus, dass wir es mit einer Bandenstruktur zu tun haben.» Es sei auch gelungen, einige Hintermänner zu ermitteln und mehrere europäische Haftbefehle zu erwirken, sagte Bimler. Das Problem: Die Türkei liefere keine Staatsangehörige aus; die Rechtshilfe mit der türkischen Polizei sei kompliziert. Die deutschen Behörden setzen ihre Hoffnungen jetzt auch darauf, dass der Ermittlungsdruck auch in der Türkei wächst, weil solche Betrügereien auch dort begangen werden. Laut Bimler wurden von der Staatsanwaltschaft Kiel mittlerweile mindestens 20 Tatverdächtige ermittelt.

Das LKA hält es auch für denkbar, dass Opfer sich aus Scham nicht melden, wenn sie von Betrügern um ihre Ersparnisse gebracht wurden. Dezernatsleiter Greve rief dazu auf, sich in jedem Fall an die Polizei zu wenden, auch wenn der Fall schon länger zurückliegt. Das LKA hatte im vergangenen Jahr eine spezielle Ermittlungsgruppe eingesetzt. Sie arbeitet länderübergreifend. Im Februar dieses Jahres verurteilte das Landgericht Kiel einen 26-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu vier Jahren und vier Monaten Haft sowie zu einer Geldstrafe von rund 200 000 Euro. Dieser Fall habe zu weiteren Ermittlungserfolgen geführt, sagte Oberstaatsanwalt Bimler.

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