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Gemischte Gefühle beim Schulstart in Schleswig-Holstein

10.08.2020 - Vorfreude, aber auch Unsicherheit: In Schleswig-Holstein sorgt der Start des Schuljahres für gemischte Gefühle. Die Schüler sollen trotz Corona-Pandemie so viel Präsenzunterricht wie möglich bekommen. In einer Grundschule gibt es kurzzeitig einen Corona-Verdacht.

  • Ein leeres Klassenzimmer. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein leeres Klassenzimmer. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit großer Vorfreude, aber auch mulmigem Gefühl hat das neue Schuljahr in Schleswig-Holstein am Montag begonnen: Unter Corona-Schutzmaßnahmen sollen möglichst viele der landesweit rund 363 000 Schülerinnen und Schüler wieder so viel Präsenzunterricht wie möglich bekommen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von der Wiederaufnahme des Regelbetriebs unter Corona-Bedingungen. Nachdem in Rantrum bei Husum eine Grundschule wegen einer infizierten Lehrerin bereits vor dem Schulstart zunächst für diese Woche geschlossen werden musste, kam es am Montag in Reinfeld (Kreis Stormarn) zu einem Corona-Verdachtsfall. Er konnte noch am selben Tag ausgeräumt werden.

In einer Grundschule wurde am Morgen die Kohorte, in diesem Fall die Jahrgangsstufe, nach Hause geschickt, wie Prien in Kiel mitteilte. Ein Schulkind stand im Verdacht, Corona zu haben. Am Nachmittag habe ein negativer Corona-Test vorgelegen. Am Dienstag gebe es wieder für alle Kinder in dieser Schule regulären Unterricht. «Dieses Beispiel zeigt, dass unsere Mechanismen funktionieren», betonte Prien. Weitere Corona-Verdachtsfälle in Schulen in Schleswig-Holstein waren dem Bildungsministerium bis Montagnachmittag nicht bekannt.

Die SPD hielt Prien Fehlentscheidungen vor, weil in Schleswig-Holstein das Tragen von Masken in den Schulen zwar dringend empfohlen ist, aber keine Pflicht wie in anderen Bundesländern.

Prien konterte: «Unsere Schulen sind gut vorbereitet unter anderem mit dem Corona-Reaktionsplan, der auch die Möglichkeit eröffnet, eine Maskenpflicht einzuführen.» Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das noch nicht verhältnismäßig, sagte die CDU-Politikerin, «aber wir beobachten die Entwicklung sehr genau und werden das in der kommenden Woche noch einmal neu bewerten.» Ständiges Schlechtreden und Panikschüren führe nur zu einer immer größer werden Verunsicherung und in der Folge auch zur Ablehnung der Schutzmaßnahmen.

In Mecklenburg-Vorpommern waren am Freitag bereits in der ersten Woche nach dem Schuljahresstart zwei Schulen wegen Corona-Fällen geschlossen worden. Das Bundesland startete als erstes nach den Sommerferien ins neue Schuljahr. Am Donnerstag folgte Hamburg, in dieser Woche folgen noch Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Schüler und Lehrer äußerten große Freude, dass die Schule wieder losgegangen ist. «Wir sind alle glücklich darüber», sagte der Leiter der Max-Planck-Schule in Kiel, Jens-Peter Meißner, am Montag. Zugleich zog sich durch Äußerungen wie ein roter Faden das mulmige Gefühl, es könnte zu Corona-Fällen, Schulschließungen oder gar einem neuen Lockdown kommen.

«Die Schulen sind sehr gut vorbereitet worden und haben sich auf den Normalbetrieb unter Corona-Bedingungen eingestellt», sagte Meißner. Neben der Freude über den Schulstart äußerte er auch Sorge: «Weil wir nicht wissen, was jenseits der Schulmauern und Schulhöfe passiert - also in den Familien oder wenn sich junge Leute treffen.» Probleme mit überfüllten Bussen zu den Schulen sah Meißner bisher nicht, da sehr viele Schüler bei dem schönen Wetter mit dem Fahrrad kämen.

Die Schülerbeförderung ist, wie Prien betonte, Sache der Schulträger. «Wir thematisieren in unseren regelmäßigen Gesprächen mit den Schulträgern auch immer wieder, dass die Busse und Bahnen nicht zu voll sein dürfen.» Im Übrigen gelte in den Bussen und Bahnen ja auch die Maskenpflicht. «Im Augenblick appelliere ich allerdings auch an Eltern und Schüler, das schöne Wetter zu nutzen, und wenn es die Entfernung zulässt, zu Fuß oder per Rad zur Schule zu gelangen.»

Anna Weigand von der Landesschülervertretung der Gymnasien Schleswig-Holstein äußerte ihre Freude, wieder richtig Unterricht zu haben. «Aber trotz der umfangreichen, an meiner und sicherlich auch an vielen anderen Schulen getroffenen Maßnahmen ist es doch ein komisches Gefühl, wieder zur Schule zu gehen.» «Nicht, weil ich Angst vor einer Ansteckung habe», sagte Weigand. «Sondern eher, weil es zwar Konzepte für den Verlauf des Schuljahres gibt, aber bisher doch ziemlich unklar ist, wie Klausuren, das Abitur und alles, was damit in Zusammenhang steht, ablaufen werden, falls es zu erneuten Schulschließungen kommt.» Die Schülerin Neele Jette Vollmann sagte: «Das mulmige Gefühl der Ungewissheit ist immer da.»

Die Schulen haben, so Jochen Harder von der Landesschülervertretung der Gymnasien, meist passende Lösungen gefunden, «jedoch fehlen häufig sinnvolle zusätzliche Ausstattungen wie zum Beispiel Faceshields oder Plexiglasscheiben um geschützten, aber effizienten und sicheren Unterricht zu ermöglichen».

Von der dringenden Empfehlung, in den ersten zwei Wochen eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule zu tragen, sind die Jahrgangsstufen eins bis sechs ausgenommen.

Erneute Schulschließungen wie im Frühjahr will Prien unbedingt vermeiden. Dazu sollen neben Hygiene-Vorschriften und der dringenden Masken-Empfehlung auch das Unterrichten in festen Lerngruppen, sogenannten Kohorten, in den Schulen beitragen.

«Die erste Schulschließung kam schon vor dem heutigen Schulstart, das zeigt: Eine Maskenpflicht zumindest für die sensiblen ersten zwei Wochen ist notwendig», sagte die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli. Prien verfolge im Ländervergleich «einen einsamen Sonderweg». Mit der Masken-Empfehlung werde die Verantwortung für den Infektionsschutz auf die Schulleitungen abgewälzt. Die Risiken für das Vorgehen der Ministerin trügen Kinder, Eltern und Lehrkräfte.

«Während Prien bei Masken sorglos handelt, bleibt sie im Umgang mit Lehrkräften aus Risikogruppen bei ihrem Herzlos-Kurs», lautete ein weiterer Kritikpunkt. Damit kritisierte die SPD-Landesvorsitzende, dass laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bisher nur 32 der 1600 Lehrer, die Corona-Risiko-Atteste vorgelegt haben, vom direkten Unterrichten mit Schülern befreit sein sollen. Gegen einen Gerichtsbeschluss, der einer klagenden Lehrerin vorläufig Recht gab, legte das Ministerium nach eigenen Angaben Rechtsmittel ein.

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