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Grüne wollen HVV-Preissystem «radikal umdenken»

13.12.2019 - Mehr Köpfe, weniger Kosten. Unter diesem Motto wollen die Hamburger Grünen das Preissystem beim HVV umgestalten und mehr Menschen vom Auto in Busse und Bahnen holen. Dabei besonders im Blick: Familien.

  • Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - Mit einem neuen Preissystem für den öffentlichen Nahverkehr wollen die Grünen in Hamburg mehr Anreize zum Umstieg vom Auto schaffen. Im Zentrum steht dabei ein Familienticket, das eine Grundkonstante auf den Kopf stelle, wie Bürgermeisterkandidatin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Fraktionschef Anjes Tjarks am Freitag sagten. Bisher habe gegolten: «Mehr Köpfe, mehr Kosten. Wir sagen: Mehr Köpfe, weniger Kosten», sagte Tjarks. Um die Klimaziele zu erreichen, müsse ein Umdenken erfolgen, sagte Fegebank. «Klima hat in der Tat ganz viel mit Verkehr zu tun.» Mehr als ein Viertel der Hamburger CO2-Emissionen entfalle auf diesen Sektor.

Derzeit transportiere der HVV gut 780 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Bis 2030 müsse die Zahl auf eine Milliarde steigen. «Wir müssen dafür sorgen, dass in zehn Jahren vier von fünf Wegen klimaneutral zurückgelegt werden», sagte Fegebank. Dazu müsse der Anteil der in Hamburg täglich mit dem Auto zurückgelegten Wegstrecke von derzeit 39 Millionen Kilometern auf 23 Millionen sinken.

«Familienhaushalte sind die Gruppe, die die allermeisten Autos besitzen», sagte Tjarks. Deshalb müsse gerade dieser Gruppe ein besonderes Angebot gemacht werden. Beim Grünen-Familienticket sinken die Gesamtkosten, je mehr Kinder eine Familie hat. So würden Vater, Mutter und ein Kind ab zehn Jahre zusammen monatlich 150 Euro für ein Abonnement-Ticket zahlen, derzeit sind es gut 220. Bei drei oder mehr Kindern sollen es insgesamt 190 Euro sein - statt knapp 290 wie bisher. Kinder unter zehn Jahren sollen kostenlos fahren.

Außerdem soll es Vergünstigungen für Schüler, Azubis, Senioren, und Menschen mit geringem Einkommen geben. Zudem wolle man unter 30-Jährigen einen «HVV-Treuebonus» gewähren, da der Führerschein, das erste selbstverdiente Geld oder die Gründung einer Familie die häufigsten Gründe für die Anschaffung eines Autos seien, sagte Tjarks. «Wir erreichen mit diesem Vorschlag 725 000 Menschen.»

Die Kosten bezifferte er auf circa 70 bis 100 Millionen Euro. «Auch das Modell der Sozialdemokraten bewegt sich praktisch in diesem Bereich», sagte Tjarks. Die SPD will eine Entlastung der Familien dadurch erreichen, dass Schüler Busse und Bahnen kostenlos benutzen können. Die Forderungen «anderer Mitbewerber» bei der Bürgerschaftswahl nach einem 365-Euro-Ticket für alle würde dagegen mehr als 400 Millionen Euro kosten, sagte er mit Blick auf die Vorstellungen der CDU zur Umsetzung der Mobilitätswende.

Beim Koalitionspartner SPD stießen die Pläne auf Skepsis. «Warum nach dem Grünen-Modell mit besonderen Tickets für 20 bis 30-Jährige beispielsweise ein 29-Jähriger mit 70 000 Euro Jahreseinkommen einen 30 Prozent-Rabatt bekommen soll, erschließt sich mir nicht», sagte Fraktionschef Dirk Kienscherf. «Das ist nicht sozial, sondern kommt eher einer Altersdiskriminierung gleich.»

CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg nannte das Konzept kompliziert und inkonsequent. Außerdem würden nur bestimmte Gruppen entlastet. «Ich hatte von den Grünen mehr Mut und den Willen zu einer wirklichen Mobilitätswende für die ganze Stadt erwartet. Stattdessen haben sie heute ein Tarifsystem vorgestellt, dass sich im Klein-Klein verliert und keine umfassenden Preissenkungen vorsieht», sagte er.

«Es ist offensichtlich, dass nicht nur Weihnachten vor der Tür steht, sondern auch die Bürgerschaftswahl», kommentierte die Verkehrsexpertin der Linksfraktion, Heike Sudmann. «Die vorsichtigen Schritte, die die Grünen heute vorgestellt haben, hätten sie bereits in den letzten vier Jahren umsetzen können.»

FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein warf den Grünen vor, «mal wieder den zweiten Schritt vor dem ersten» zu machen. Um die Verkehrswende zu beschleunigen, müssten zunächst die Kapazitäten des HVV erhöht werden. «Anstatt munter Wahlgeschenke zu verteilen, muss die Finanzierung für den Ausbau des HVV-Angebots Priorität haben.»

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