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Haftstrafe für diebischen Geldboten: Über 600 000 Euro weg

22.11.2019 - Ein Geldbote lässt bei einer Tour zu Supermärkten im Raum Lübeck mehr als 600 000 Euro verschwinden. Gleich nach der Tat stellt er sich und muss jetzt für mehrere Jahre hinter Gitter. Hofft er darauf, eines Tages von seiner Beute leben zu können?

  • Der Haupteingang zum Strafjustizgebäude in Hamburg. Foto: Christian Charisius/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Haupteingang zum Strafjustizgebäude in Hamburg. Foto: Christian Charisius/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - Ein paar Jahre Gefängnis und dann ein kleines Vermögen genießen - so könnte nach Darstellung des Hamburger Landgerichts die Kalkulation eines diebischen Geldboten ausgesehen haben. Die Strafkammer zeigte sich am Freitag überzeugt, dass der Angeklagte bei einer Tour zu Kunden der Geldtransportfirma im Raum Lübeck rund 676 000 Euro stahl und den Großteil davon an einen oder mehrere unbekannte Komplizen übergab. Knapp 668 000 Euro sind bis heute verschwunden. Das Gericht geht davon aus, dass der 28-Jährige mindestens die Hälfte der Beute bekommen sollte. Das Urteil lautet: vier Jahre Haft.

Der Angeklagte war am 3. Mai zusammen mit einem Fahrer unterwegs gewesen und hatte bei 41 Supermärkten und anderen Geschäften die Einnahmen abgeholt. Kurz vor der Rückkehr zum Sitz der Geldtransportfirma hatte der Angeklagte den neu eingestellten Fahrer gebeten, an einem Discounter in Hamburg-Billstedt zu halten. Dort verließ der Geldbote mit einer Sackkarre und einer Postkiste den Transporter, angeblich um Mineralwasser zu kaufen - und kam nicht wieder.

Mehrere Stunden später stellte er sich der Polizei, ohne etwas vom Verbleib der Beute zu verraten. Wie und wo der 28-Jährige das Geld an einen oder mehrere Mittäter übergab, konnte das Gericht nicht aufklären. Der Fahrer ist nach Ansicht des Gerichts über jeden Verdacht erhaben.

«Es war schon erstaunlich, dass Sie, nachdem Sie fast 700 000 Euro erbeutet hatten, sich der Polizei gestellt haben», sagte der Vorsitzende der Strafkammer, Malte Wellhausen, zum Angeklagten. Das Gericht gehe aber davon aus, dass die Tat minuziös geplant worden sei und der 28-Jährige damit gerechnet habe, zur Verantwortung gezogen zu werden. Immerhin habe er schon am Morgen des Tattages die Nummer seines Rechtsanwalts notiert gehabt.

Zudem hatte er sich unter seine Dienstuniform eine Jogginghose und einen Pullover als Wechselkleidung gezogen und ein Cuttermesser eingesteckt. Auch ein neues Smartphone mit einer SIM-Karte auf einen falschen Namen nahm er in Betrieb. Die Reihenfolge der angefahrenen Geschäfte konnte der Angeklagte selbst festlegen. Mit dem Cuttermesser habe er die Safebags, in denen Bargeld verpackt werde, aufschneiden können. So habe er die Luft rausdrücken und sie mit kleinerem Volumen in die Postkiste legen können.

Während der Fahrt habe er nach Angaben des Fahrers mehrfach Textnachrichten geschrieben. Auf diese Weise habe er vermutlich den oder die Mittäter informiert. Als Ort der Geldübergabe komme jeder Stopp des Transporters in Frage. Das Fahrzeug war mit einem komplizierten Mechanismus gesichert. In den sogenannten Werteraum konnte der Angeklagte nur durch eine Schleuse gelangen, die der am Steuer sitzende Fahrer betätigen musste. «Letztlich war es nur Ihnen als Bote möglich, auf dieses Geld zuzugreifen», sagte Wellhausen.

Beim letzten, eigentlich unzulässigen Stopp an dem Discounter habe der Angeklagte noch mindestens 23 500 Euro vom Kunden davor dabei gehabt. Bei seiner Festnahme hatte er noch 8800 Euro. Möglicherweise habe er damit gerechnet, für einige Zeit untertauchen zu müssen, sagte der Richter.

Der 28-Jährige hatte erklärt, er sei in ein Waldstück an der Autobahn A1 gelaufen und habe Panik bekommen. Darum habe er die Sackkarre mit der Postkiste, die Uniform und weitere Gegenstände einfach weggeworfen. Ein Spürhund der Polizei zeigte knapp zwei Wochen nach der Tat, dass der Angeklagte zunächst zu einer Bushaltestelle gegangen war. Die Erklärungen des 28-Jährigen bezeichnete Wellhausen als «Geständnis mit beschränkter Haftung».

Das Gericht verurteilte ihn wegen Diebstahls mit Waffen, weil er bei der Tat seinen Dienst-Revolver trug. Es ordnete den Einzug der verschwundenen Beute an und verpflichtete den Angeklagten auch zur Zahlung von 72 000 Euro an die Geldtransportfirma. Dieser Betrag stellt den Eigenanteil dar, den die Firma von ihrer Versicherung nicht ersetzt bekam. Der 28-Jährige - mit Brille, Glatze, schwarzem Hemd und grauem Jackett - nahm das Urteil mit unbewegter Miene zur Kenntnis.

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