Hamburg kritisiert Impfstoffverteilung

04.01.2021 Hamburg könnte am Ende weniger Corona-Impfstoff bekommen als nötig, befürchtet Bürgermeister Tschentscher. Grund sind Pendler, die in Hamburg geimpft werden, aber nicht dort wohnen. Im Impfzentrum soll der Betrieb nun losgehen.

Peter Tschentscher (SPD) spricht bei einer Sitzung im Rathaus. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Vor der Aufnahme des Impfbetriebs in den Hamburger Messehallen am Dienstag hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Verteilung des Impfstoffes unter den Bundesländern kritisiert. Da unter dem medizinischen Personal in der Hansestadt, das nun geimpft werde, viele Pendler aus Nachbarländern seien, könnte Hamburg am Ende weniger Impfstoff erhalten als nötig, sagte er der «Bild»-Zeitung (Montag). Unterdessen werden die Regierungschefs bei ihren Beratungen mit der Kanzlerin am Dienstag wohl eine Fortführung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus beschließen - fraglich ist nur, bis wann.

Nach dpa-Informationen ist eine Mehrheit der Länder dafür, die Einschränkungen erst einmal bis zum 31. Januar aufrechtzuerhalten. Für eine Lockerung sei man einfach noch zu weit von einer 50er Inzidenz entfernt, hieß es am Montag im Hamburger Rathaus. Die Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen an. Am Montag lag der Wert in Hamburg nach Angaben der Gesundheitsbehörde bei 126,1 - vor einer Woche waren es noch 145,3. 132 Neuinfektionen kamen am Montag hinzu, 80 weniger als am Sonntag und 21 weniger als vor einer Woche.

Tschentscher kritisierte auch, dass der Bund «insgesamt deutlich zu wenig Biontech-Impfstoff bestellt» habe. «Die Verteilung auf die Länder erfolgt zudem anhand der Bevölkerungszahlen, so dass Hamburg nur mit etwa 1,85 Millionen Einwohnern berücksichtigt wurde.» Dabei werde jedoch außer Acht gelassen, dass das Hamburger Gesundheitswesen die gesamte Metropolregion mit rund fünf Millionen Menschen versorge. Es gebe also «einen sehr hohen Bedarf an Impfungen für das medizinische Personal», der bei der Verteilung nicht berücksichtigt worden sei. Nach dpa-Informationen laufen bereits Gespräche mit der Landesregierung in Schleswig-Holstein über einen möglichen Ausgleich.

Von den rund 29 000 Impfdosen, die Hamburg bislang erhalten hat, wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis einschließlich Sonntag 4140 verabreicht - zuerst an Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen sowie an Krankenhausmitarbeiter. Da für einen Impfschutz immer zwei Injektionen nötig seien, werde immer jeweils eine zweite Impfdosis zurückgehalten, so dass bisher insgesamt 8280 Impfdosen verabreicht oder geblockt worden seien, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich.

3000 Dosen würden in dieser Woche an die Krankenhäuser zur Impfung des Personals geliefert, außerdem gingen die Schutzimpfungen in den Pflegeeinrichtungen weiter. Zudem soll das Impfzentrum in den Messehallen am Dienstag mit der Impfung der Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste seinen Betrieb aufnehmen. Zunächst sind dort laut Helfrich 500 Impfungen pro Tag geplant - auch in diesen Fällen werde jeweils eine zweite Dosis geblockt. «Wir wissen ja noch nicht, wann die nächste Impfstofflieferung kommt, eventuell erst in der kommenden Woche.» Es müsse verhindert werden, dass der Impfstoff ausgeht. «Unser Ziel ist eine kontinuierliche Impfung.»

Nach den Mitarbeitern der ambulanten Pflegedienste sollen ab Mitte Januar im Impfzentrum auch Hamburgerinnen und Hamburger im Alter von über 80 Jahren Schutzimpfungen erhalten. Das Impfzentrum ist modular aufgebaut und ermöglicht bei Volllast bis zu 7000 Schutzimpfungen pro Tag.

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