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Hamburg steht vor einer gewaltigen Welle von Kurzarbeit

31.03.2020 - Die Corona-Krise erreicht den Arbeitsmarkt. Zehntausende Hamburger werden demnächst zu reduzierten Einkommen in Kurzarbeit gehen, weitere werden arbeitslos. Die genauen Dimensionen sind noch nicht absehbar.

  • Zwei Kugelschreiber liegen auf einem Antragsformular für Kurzarbeitergeld. Foto: Jens Büttner/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Zwei Kugelschreiber liegen auf einem Antragsformular für Kurzarbeitergeld. Foto: Jens Büttner/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mehr als 12 700 Unternehmen in Hamburg haben wegen der Corona-Krise im März Kurzarbeit angemeldet. Das teilte die Agentur für Arbeit am Dienstag in der Hansestadt mit. «Wir können noch nicht einschätzen, wie viele Anzeigen tatsächlich in welchem zeitlichen Umfang umgesetzt werden und wie viele Personen jeweils hinter einer Meldung stehen», sagte Sönke Fock, der Chef der Hamburger Arbeitsagentur. Er gehe davon aus, dass im April eine weitere Zunahme der Betriebe zu verzeichnen sein werde, die vorsorglich Kurzarbeit anzeigen und nutzen.

Um mit dem hohen Arbeitsaufwand fertig zu werden, hat die Agentur ihre Berater in die Sachbearbeitung geholt. Statt zwei Teams seien es nunmehr 16, die Anträge auf Kurzarbeit bearbeiten. Ein Team umfasst jeweils 12 bis 20 Sachbearbeiter. Fock ist zuversichtlich, dass die Agentur den Ansturm wird bewältigen können. Viele Anträge seien schnell und einfach innerhalb von 15 bis 20 Minuten zu bearbeiten, andere nicht so dringlich, weil die Beschäftigten noch Überstunden abbauen. Das Kurzarbeitergeld setzt erst danach ein.

Der Gesetzgeber hat wegen der Corona-Krise den Zugang zur Kurzarbeit erleichtert, um Entlassungen bei den Betrieben zu verhindern. Während der Kurzarbeit erhalten die Beschäftigten 60 Prozent ihres Nettogehalts, mit Kindern 67 Prozent. Nach Äußerungen verschiedener Wirtschaftsverbände dürften über kurz oder lang mehr als die Hälfte aller Betriebe Kurzarbeit anmelden, je nachdem, wie lange die wirtschaftlichen Einschränkungen wegen des Coronavirus gelten.

Arbeitgeber und Gewerkschaften lobten die Bundesregierung für ihre Initiativen, meldeten aber auch Nachbesserungsbedarf an. «Die Kurzarbeit hat den Norden noch nicht so stark wie Süd-und Westdeutschland erreicht», sagte Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Nordmetall. «Das Sozialschutzpaket der Bundesregierung bietet Mitarbeitern und Unternehmen nun auch in Krisenzeiten mehr Sicherheit.»

Gleichwohl seien weitere Hilfen nötig. So sollte das Kurzarbeitergeld bis zu 24 Monate bewilligt und auch Auszubildenden gezahlt werden können. Die Sozialkassen wiederum könnten die Firmen durch eine spätere Fälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge oder durch deren Stundung bis 2021 unterstützen. «Hier sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, unseren Unternehmen zu helfen und so Existenzen und Arbeitsplätze zu erhalten.»

Nach Angaben der IG Metall Küste sind unter den rund 200 000 Beschäftigten in den von ihr betreuten Betrieben in den fünf Küstenländern bislang rund 70 000 auf dem Weg in die Kurzarbeit. «Behörden und Arbeitsagenturen bewegen mehr, als man vielleicht erwartet hätte», sagte Bezirksleiter Daniel Friedrich der Deutschen Presse-Agentur. Doch bereite ihm die finanzielle Situation der Betroffenen Sorge.

Nur 25 000 bis 27 000 Kurzarbeiter erhielten von ihren Arbeitgebern eine Aufstockung auf das Kurzarbeitergeld. Das seien vor allem Beschäftigte von Großbetrieben. Viele kämen aber mit dem reduzierten Einkommen nicht über die Runden. Die Arbeitnehmer sollten zumindest die eingesparten Sozialbeiträge erhalten, forderte Friedrich. Damit würde sich ihr Einkommen auf mehr als 80 Prozent erhöhen.

Die Arbeitslosigkeit in Hamburg ist im März leicht zurückgegangen. Die Daten spiegelten jedoch nicht die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt wider, da sie vor dem Beginn der Corona-Krise erhoben worden seien, teilte die Agentur für Arbeit mit. Stichtag war der 12. März, als Gastronomie und Einzelhandel noch geöffnet waren. Zu diesem Zeitpunkt waren 66 533 Hamburgerinnen und Hamburger arbeitslos gemeldet, das waren 1177 weniger als im Monat zuvor. Im Jahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit dagegen um 3056 Personen oder 4,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote betrug 6,3 Prozent, das ist ein Zehntelpunkt weniger als im Vormonat.

«Die Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten trotz großer Bemühungen aller verantwortlichen Akteure in Politik, Wirtschaft und Verwaltung ansteigen», sagte Agenturchef Fock. Wie stark dieser Anstieg werde und wie lange er anhalte, sei derzeit nicht abzusehen.

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