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Kampf gegen Corona: Garg für Schulschließungen im Norden

12.03.2020 - Das neuartige Coronavirus breitet sich auch in Schleswig-Holstein immer stärker aus. Das Kabinett will auf einer Sondersitzung am Freitag über eine landesweite Schließung der Schulen beraten.

  • Heiner Garg, FDP-Landesvorsitzende. Foto: Frank Molter/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Heiner Garg, FDP-Landesvorsitzende. Foto: Frank Molter/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Kampf gegen die wachsende Ausbreitung des neuartigen Coronavirus will die Landesregierung am Freitag auf einer Sondersitzung über die Schließung von Schulen und Kitas beraten. «Wir müssen gemeinsam jetzt sehr konsequente Maßnahmen umsetzen», sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Donnerstagabend im NDR Schleswig-Holstein Magazin. Er werde dem Kabinett vorschlagen, «die Osterferien nach vorne zu verlängern ab kommenden Montag». Die Ferien beginnen im Norden regulär am 30. März.

Garg hält weitergehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens als bislang für nötig. «Ich bin ein absoluter Verfechter von drastischen Maßnahmen zur rechten Zeit», sagte er am Donnerstag im Sozialausschuss des Landtags.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) schließt am eine flächendeckende Schließung von Schulen in ganz Deutschland oder in einzelnen Regionen nicht aus. Das sagte die Vorsitzende, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), am Donnerstag nach Beratungen in Berlin.

Nach Ansicht der Grünen sollten Schulen und Kitas bis zu den Osterferien sicherheitshalber geschlossen werden. «Dänemark und andere europäische Länder haben diesen wichtigen Schritt schon beschlossen, wir sollten in Schleswig-Holstein so schnell wie möglich nachziehen», sagte die Gesundheitspolitikerin Marret Bohn. Die AfD forderte, die am 30. März beginnenden Osterferien vorzuziehen.

Das Bildungsministerium plante bis Donnerstag keine allgemeinen Schulschließungen. «Einzelne Schulen wurden durch die dafür zuständigen örtlichen Gesundheitsbehörden geschlossen, einzelne Schüler und Lerngruppen nach Hause geschickt», sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. «Derzeit gehen wir davon aus, dass die Abiturprüfungen im Land weitestgehend wie geplant stattfinden können.» Parallel bereite die Landesregierung mit einem Notfallplan auch Szenarien für den Fall vor, dass reguläre Abschlussprüfungen im Land nicht gewährleistet werden könnten.

In den kommenden Tagen ist nach Einschätzung Gargs mit einer weiter steigenden Zahl der Infektionen im Land zu rechnen. «Es wird auch eine Zunahme der Erkrankten geben.» Ziel müsse es aber bleiben, «italienische Verhältnisse zu vermeiden».

Unterdessen wurden die Schutzmaßnahmen im Land zwischen den Meeren weiter verschärft. Das Theater Kiel sagte sämtliche Veranstaltungen bis einschließlich 19. April ab. «Die Absage ist bedauerlich, aber wichtig. Wenn wir auf diese Weise die Verbreitung des Virus verlangsamen können, ist viel gewonnen», sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).

Bis Donnerstagabend waren im Norden 35 Menschen an Covid-19 erkrankt, zwei von ihnen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Die Behörden seien aber noch in der Lage, Infektionsketten zu unterbrechen, sagte Garg. Die meisten Betroffenen seien bislang Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Das Gesundheitsministerium riet, auf Besuche in Kliniken und Altenheimen möglichst zu verzichten. Krankenhäuser verboten Besuche oder schränkten Besuchsregelungen ein.

Bestätigt wurde am Donnerstag auch der zweite Corona-Fall im Kreis Schleswig-Flensburg. Eine Quarantäne der erkrankten Person wurde angeordnet. Bei der Person handelt es sich ebenfalls um einen Reiserückkehrer aus Österreich, der zur gleichen Reisegruppe gehört wie die erste Person. Um eine Weiterverbreitung des Virus über Kontaktpersonen zu verhindern, hat das Gesundheitsamt die Schulen und Kindergärten in den Gemeinden Handewitt, Schafflund und Großenwiehe sowie in der Gemeinde Lindewitt am Standort Lindewitt bis auf weiteres geschlossen.

Die elf Kreise und vier kreisfreien Städte setzen mit sogenannten Allgemeinverfügungen das vom Land erlassene Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern rechtswirksam um. Zudem wird in den Verfügungen das mit Auflagen verbundene Anmelden kleinerer Veranstaltungen vorgeschrieben - überwiegend bereits ab 50 Personen. Dabei gebe es aber trotz aller Bemühungen um Einheitlichkeit in Details unterschiedliche Regelungen, da die Kreise und kreisfreien Städte hier eigenständig seien, erläuterte der Geschäftsführer des Landkreistages, Sönke Schulz, am Donnerstag. Meist gehe es nur um öffentliche Veranstaltungen.

Sogar private Veranstaltungen wie Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern mit mehr als 100 Teilnehmern müssen im Kreis Rendsburg-Eckernförde angemeldet werden. Dazu gibt es strenge Auflagen. Unter anderem muss innerhalb von 24 Stunden nach der jeweiligen Veranstaltung eine Liste aller Teilnehmer mit Namen, Adressen und Kontaktmöglichkeiten dem Kreis zugestellt werden.

Das Klinikum Nordfriesland untersagte am Donnerstag aufgrund der Infektionssituation «per sofort» alle Besuche an den Krankenbetten in den Kliniken Husum, Niebüll und Föhr-Amrum. Im Sankt-Elisabeth-Krankenhaus in Eutin (Kreis Ostholstein) gibt es bereits seit Montag einen generellen Besucherstoppt. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit seinen Standorten Kiel und Lübeck setzte zunächst noch auf Freiwilligkeit. Bereits am Mittwoch hatte der Vorstandsvorsitzende Jens Scholz appelliert, «die Leute sollen nicht in die Krankenhäuser rennen».

Andere Krankenhäuser wie das Westküstenklinikum in Heide, das Klinikum Itzehoe oder die Segeberger Kliniken verbieten generell allen Besuchern den Zutritt, die sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben. Als Corona-Risikogebiete listet das Robert Koch-Institut in Frankreich die Region Grand Est, in China die Provinz Hubei inklusive der Stadt Wuhan, in Südkorea die Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang) sowie ganz Italien und Iran. Der Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gilt als «besonders betroffenes Gebiet».

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