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Kein gravierender Lehrermangel im Norden

08.08.2019 - Nicht alle Lehrerstellen im Norden sind besetzt, aber die Lücke ist zahlenmäßig überschaubar. Zum neuen Schuljahr sieht Ministerin Prien die Schulen gut gerüstet. Eine neue Prämie soll dazu beitragen, dass mehr Lehrer in nicht so beliebte Gegenden gehen. Kritik gibt es auch.

  • Mäppchen liegen vor einer Schülerin. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mäppchen liegen vor einer Schülerin. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel (dpa/lno) - Das neue Schuljahr startet in Schleswig-Holstein am kommenden Montag ohne gravierenden Lehrermangel. Zum Stichtag 1. August waren noch 259 Stellen unbesetzt, wie Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag in Kiel sagte. Allein in den vergangenen drei Tagen seien aber noch 50 weitere Lehrer eingestellt worden. Sie sei guter Dinge, dass die meisten ausgeschriebenen Stellen noch besetzt werden können. An den Schulen gibt es insgesamt 23 345 Lehrerstellen.

In bestimmten Regionen und Fächern (Mathematik) sei es schwieriger als in anderen, die Stellen zu besetzen, sagte Prien. Zum 1. Februar nächsten Jahres werde begonnen, einen Regionalzuschlag zu zahlen. Dafür sind 250 Euro brutto im Monat vorgesehen. Weitere Einzelheiten sind noch zu klären.

Aus Sicht der Lehrergewerkschaft GEW bilden Priens Zahlen nur einen Teil der Wahrheit ab, wie Landesgeschäftsführer Bernd Schauer sagte. Viele Stellen, nach GEW-Schätzungen im vorigen Schuljahr rund 1000, seien mit nicht hinreichend ausgebildeten Lehrern besetzt worden. Das schade der Unterrichtsqualität und betreffe besonders Orte im Hamburger Umland sowie Dithmarschen und Steinburg, sagte Schauer.

Die Zahl der Grundschüler nimmt im Land wieder zu. Im neuen Schuljahr werden in den Klassen eins bis vier 102 200 Mädchen und Jungen lernen, ein Plus von 1,8 Prozent. Das liege vor allem an höheren Geburtenzahlen, sagte Prien. Insgesamt werden 365 600 Schüler an den allgemeinbildenden und Berufsschulen erwartet. Das ist ein Rückgang von 0,7 Prozent. 22 400 Mädchen und Jungen kommen in die erste Klasse, 44 weniger als vor einem Jahr. Den Prognosen zufolge wird die Zahl der Schüler an den allgemeinbildenden Schulen von jetzt 277 400 bis zum Schuljahr 2021/22 auf 278 400 steigen.

Prien betonte den hohen Stellenwert der Bildung für die Landesregierung. Mehr als 28 000 Lehrer und über 30 000 Mitarbeiter an Hochschulen, im Universitätsklinikum und in Forschungseinrichtungen sowie tausende Kulturschaffende sorgten dafür, dass Schleswig-Holstein zukunftsorientiert auf Bildung setze. «Bildung hat einen Wert an sich», sagte Prien. Deshalb lege die Regierung auch großen Wert auf kulturelle und politische Bildung. «Aufgeklärte junge Staatsbürger, die selbstbestimmt und informiert Entscheidungen treffen, sind die Grundlage für die demokratische Zukunft Deutschlands.»

Prien verwies auf Fortschritte in der Lehrergewinnung: So sei die Zahl der Studierenden in den lehramtsbezogenen Studiengängen seit 2014 von 1500 auf 2500 gestiegen. Die Zahl der Lehrer im Vorbereitungsdienst habe sich auf fast 2000 erhöht. Wie hoch der Anteil der hiesigen Studierenden ist, die dann auch im Land Lehrerstellen antreten, konnte das Ministerium nicht sagen.

Mit dem neuen Schuljahr verbessert sich auch in einem ersten Schritt die Bezahlung der Leiter von Grundschulen. Nach und nach werden die Bezüge aller Grundschullehrer angehoben. Positiv wertete Prien die bisherigen Ergebnisse der wiedereingeführten Schulartenempfehlung nach der Grundschule. Die Schülerzahl an den Gymnasien bleibt bei 75 000. Damit haben sich Befürchtungen nicht bestätigt, mit der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren Gymnasium werde es einen Run auf dies Schulart geben.

Künftig sei ein Beratungsgespräch für Eltern verpflichtend, wenn Eltern entgegen der Empfehlung der Grundschule ihr Kind am Gymnasium anmelden wollen, sagte Prien. Zudem könnten Schüler nach der fünften Klasse am Gymnasium im Einzelfall auf die Gemeinschaftsschule wechseln. Auf Beschluss der Klassenkonferenz könne als pädagogische Maßnahme auch eine Jahrgangsstufe wiederholt werden. Das bedeute kein generelles Wiedereinführen des Sitzenbleibens, sagte die Ministerin.

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