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Kraftwerk Wedel soll zum Klimaschutz weniger Kohle verfeuern

26.10.2020 - Im umstrittenen Kraftwerk Wedel soll künftig bis zu einem Drittel weniger Kohle verbrannt werden. Die CO2-Ersparnis ab 2023: 330 000 Tonnen pro Jahr, sagt der Umweltsenator. Die CDU spricht von einer Mogelpackung.

  • Jens Kerstan (Bündnis 90/Die Grünen), Hamburger Umweltsenator. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jens Kerstan (Bündnis 90/Die Grünen), Hamburger Umweltsenator. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Stadt Hamburg will im seit Jahren heftig umstrittenen Kraftwerk Wedel deutlich weniger Kohle verbrennen und es so bis zu seiner Stilllegung 2024/25 weniger klimaschädlich machen. «Das wird in der Summe 30 Prozent oder 150 000 Tonnen weniger Kohle pro Jahr bedeuten», sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Montag in Hamburg. Wedel zählt mit seinen rund 60 Jahren zu den ältesten Kraftwerken Deutschlands. Es verbrennt derzeit im Schnitt 475 000 Tonnen Steinkohle pro Jahr und emittiert dabei 1,13 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2).

Eigentlich sollte das Kraftwerk schon 2013 abgeschaltet werden, was sich aber wegen immer wieder geänderter Pläne und der Übernahme des Vattenfall-Kraftwerks durch die Stadt Hamburg im Jahr 2019 wiederholt verzögerte. Nun soll das Steinkohlekraftwerk nach Angaben von Kerstan während der Heizperiode 2024/25 endgültig vom Netz gehen. Streit mit Anwohnern gibt es seit Jahren zudem wegen der aus den Schornsteinen kommenden Partikel, die angeblich unter anderem den Lack von Autos beschädigen.

Kerstan räumte ein, dass die Bürgerinitiative, die das Kraftwerk schon lange abgeschaltet sehen will, jetzt nicht jubeln werde. Er wies aber auch drauf hin, dass den Anwohnern nach dem jetzigen Konzept der ursprünglich geplante Bau eines Gaskraftwerks im schleswig-holsteinischen Wedel erspart bleibe. Denn «ein Gaskraftwerk hat durchaus auch Ausstöße und Schadstoffbelastungen für die Anwohner», sagte Kerstan.

Nach Angaben des technischen Geschäftsführers der städtischen Wärme Hamburg GmbH, Michael Beckereit, sollen nun zunächst durch einen optimierten Einsatz des Kraftwerks und durch eine Bevorzugung des Gas- und Dampfturbinen (GuD)-Kraftwerks Tiefstack vom kommenden Jahr an 20 Prozent weniger Kohle verfeuert werden, wodurch Wärme Hamburg rund 1,5 Millionen Euro weniger Ertrag pro Jahr erziele. Die gesamten 150 000 Tonnen Kohleeinsparung pro Jahr soll 2023 erreicht sein, wenn dann eine Power-to-Heat-Anlage ähnlich einem Tauchsieder oder Wasserkocher mit überschüssigem Windstrom Wärme erzeugt.

Die Kosten für diese mit 80 Megawatt elektrischer Leistung bislang größte Anlage in Deutschland in Höhe von 26 bis 30 Millionen Euro übernehme der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Hamburg Wärme wiederum betreibe dann die Anlage für zunächst fünf Jahre mit dem Plan einer langfristigen Verlängerung, sagte Beckereit.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), nannte die geplante Kohlereduktion für das Kraftwerk Wedel einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen. «Es ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt für einen klimaneutralen Norden.» Gleichzeitig mahnte er jedoch, das Kraftwerk Wedel so zügig wie möglich vom Netz zu nehmen. «Hier wünsche ich mir eine ambitionierte Planung und ein weiterhin entschlossenes Vorantreiben der Wärmewende in Hamburg», sagte Albrecht.

Der klima-und energiepolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Stephan Gamm, nannte Kerstans Pläne dagegen eine Mogelpackung. Sie seien nicht mehr als «eine homöopathische Maßnahme mit grünem Anstrich». Dafür werde die Drosselung des Kohleeinsatzes die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zusätzlich belasten. Die Folge seien höhere Preise für die Fernwärmekunden.

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