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Messerattacke im Flüchtlingsheim: Frau traumatisiert

10.04.2019 - Sie flüchten gemeinsam aus dem Iran. Sind zwei Jahre unterwegs durch die Türkei und Griechenland. Schon dabei soll er seine damalige Lebensgefährtin misshandelt haben. Jetzt steht er wegen einer Messerattacke auf sie vor Gericht.

  • Die modellhafte Nachbildung der Justitia steht auf dem Tisch eines Richters. Foto: Volker Hartmann/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die modellhafte Nachbildung der Justitia steht auf dem Tisch eines Richters. Foto: Volker Hartmann/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel (dpa/lno) - Eifersucht, verletztes Ehrgefühl und Rachegelüste - dieses explosive Gefühlsgemisch entlädt sich nach Ansicht der Staatsanwältin in einer lebensgefährlichen Messerattacke in der Landesunterkunft Boostedt im Kreis Segeberg. Seit Mittwoch muss sich deswegen ein 35-jähriger Iraner vor dem Kieler Landgericht verantworten. Laut Anklage sticht er Mitte September 2018 mit einem Küchenmesser auf die gleichaltrige Frau ein, mit der er aus dem Iran durch die Türkei, Griechenland, Spanien und Frankreich bis nach Deutschland geflohen war.

Die Frau wird durch einen Stich in die Lunge lebensgefährlich verletzt. Sie kann gerettet werden. Ein Flüchtling stoppt den Angreifer und hält ihn bis zum Eintreffen von Sicherheitskräften fest. Erst kurz vor der Tat waren beide von Hamburg kommend in Boostedt aufgenommen worden.

Der 35-Jährige schweigt vor Gericht - auf Anordnung seines Verteidigers. Seine wiederholten Versuche, doch etwas zu sagen oder zu fragen, stoppt der Rechtsanwalt. Zitternd schildert dafür das Opfer die Messerattacke. Ihre Aussage vor der Polizei, er habe dabei gedroht, «jetzt ist Dein Ende, ich bring Dich um», erinnert sie nicht. Wohl aber, dass sie ihn mit den Worten anfleht, «Um Gottes Willen, um Gottes Willen». Der Angriff habe sich wie heftige Faustschläge angefühlt, sagt sie. Dann sei sie gefallen und habe sich nicht mehr bewegen können.

Auslöser der Tat ist den Schilderungen zufolge die Eifersucht des Mannes, der sie als Hure bezeichnet und beschuldigt, mit anderen Männern in der Unterkunft Sexualkontakte zu haben. Sie bestreitet das. Erst nach der Tat habe sie sich dem Mann zugewandt, mit dem sie bereits über das Handy Zärtlichkeiten austauschte.

Eigentlich hätte der Angeklagte das Flüchtlingsheim wegen gewalttätiger Übergriffe gegen die Frau nicht mehr betreten dürfen. Sie hatte mit zwei Strafanzeigen bewirkt, dass er in der Landesunterkunft Neumünster untergebracht wurde. Doch am Tattag schleicht er sich morgens in die Unterkunft, maskiert und mit dem Küchenmesser bewaffnet. Kurz bevor er zusticht, zieht er seine Gesichtsbedeckung weg, berichtet sie leise. Die Dolmetscherin übersetzt, so dass sie trotzdem verstanden wird.

Die Frau ist Nebenklägerin in dem Verfahren und leidet nach Angaben ihrer Rechtsanwältin seit der Tat an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auf dem Zeugenplatz sitzt sie an der Seite einer Betreuerin. Sie schildert, wie er schon während der Flucht eifersüchtig über sie wacht, sie vergewaltigt, sie immer wieder einschließt, bedroht und auch ihren Sohn misshandelt, indem er zum Beispiel dessen Kopf gegen eine Fahrstuhltür schlägt. Auch das Kind ist demnach durch den Angeklagten traumatisiert.

Der Iraner weint zwischendurch heftig, trocknet die Tränen mit Taschentüchern. Nach Angaben eines Kriminalbeamten bestreitet er die Tat in ersten Vernehmungen. Ein Security-Mitarbeiter sagt aber in seiner Zeugenvernehmung: «Er war das». Als er unmittelbar nach der Attacke hinzukommt, liegt demnach der Griff des gebrochenen Küchenmessers neben dem Angeklagten, die Klinge in der Nähe des am Boden liegenden Opfers.

Der Iraner bezeichnet die Frau als seine Ehefrau. Sie bestätigt, dass sie nach iranischem Recht vor ihrer Flucht eine Zeitehe für einen Monat geschlossen hätten, um Ruhe vor den dortigen Sittenwächtern zu haben. Sie hätten sich nach der Trennung von ihrem ersten Mann in Teheran kennengelernt. Er habe sich damals von ihr tätowieren lassen.

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