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Messerattacke nach Fußballspiel in Boostedt: Haftstrafe

08.03.2019 - Er will das Messer während einer Massenschlägerei im Flüchtlingsheim Boostedt nur aufgehoben haben. Doch das Kieler Landgericht glaubte den Opfern und anderen Zeugen.

  • Ein Fotograf vor dem Bild der Justitia. Foto: Friso Gentsch/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Fotograf vor dem Bild der Justitia. Foto: Friso Gentsch/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel (dpa/lno) - Für eine lebensbedrohliche Messerattacke im Flüchtlingsheim Boostedt muss ein 33 Jahre alter Mann drei Jahre und vier Monate in Haft. Das Kieler Landgericht verurteilte den Iraner am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen. Die Richter hielten es für erwiesen, dass der Mann im Sommer 2018 am Rande des Fußball-WM-Spiels zwischen Iran und Spanien bei einer Massenschlägerei mehrfach von hinten auf einen Afghanen einstach.

Der Vorsitzende Richter Carsten Tepp sprach von einem nicht einfachen Verfahren mit schwieriger Beweislage. Im Ergebnis sei das Gericht aber überzeugt, dass der Angeklagte derjenige gewesen sei, der im Zuge der Massenschlägerei vier Mal wuchtig in den Rücken des jungen Afghanen gestochen habe. Außerdem habe er einen zweiten Mann mit einem Messerstich am Kinn verletzt, der ihn vom 20 Jahre alten Opfer wegziehen wollte.

Das Opfer hatte während des Fußballspiels zwischen Iran und Spanien den Fernseher im Gemeinschaftsraum zertrümmert. Zuvor hatte es dort schon Rangeleien zwischen Iranern und Afghanen gegeben. Danach verlagerte sich die Auseinandersetzung vor den Gebäudetrakt und artete zu einer handfesten Schlägerei Jeder gegen Jeden aus, wie das Gericht feststellte.

Bei der Messerattacke habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen, sein Opfer zu töten, sagte Tepp. Die Kammer habe aufgrund der Beweisaufnahme trotzdem angenommen, dass der 33-Jährige freiwillig vom Tötungsvorsatz zurücktrat. «Er hätte weitere zustechen können, tat es aber nicht», sagte der Richter. «Weshalb er stoppte, wissen wir nicht.» Deshalb sei der 33-jährige nur wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Die Staatsanwältin hatte vier Jahre wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gefordert, der Verteidiger auf Freispruch plädiert. Er kündigte Revision gegen das Urteil an. Der zur Tatzeit alkoholisierte Angeklagte hatte den Vorwurf bestritten und behauptet, er habe das blutige Tatmesser nur aufgehoben und von sich aus der Polizei gegeben. Dies hielt das Gericht aufgrund mehrerer Zeugenaussagen jedoch für unglaubhaft.

Der Haftbefehl gegen den gelernten Koch aus gutem Hause bleibe wegen Fluchtgefahr bestehen, sagte Tepp. Der Iraner war im Alter von 25 Jahren vom Islam zum Christentum konvertiert und deshalb mit Visum nach Frankreich ausgereist, wie der Richter sagte. Danach habe er in Deutschland einen Asylantrag gestellt, das mittlerweile abgelehnt worden sei. In Boostedt hatte der Angeklagte vor der Tat ein halbes Jahr lang gelebt.

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