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Arzt im Misshandlungsprozess: «Kinder waren gesund»

22.08.2019 - Eine Mutter soll ihren Kindern Jahre lang schwere Krankheiten angedichtet haben, um Sozialleistungen zu kassieren. Erst als ein Mitarbeiter des Kreises misstrauisch wurde, flog der Schwindel auf. Zwei ihrer Söhne machen im Gericht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

  • Akten der Staatsanwaltschaft im Misshandlungsprozess gegen eine vierfache Mutter liegen auf dem Tisch. Foto: Rainer Jensen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Akten der Staatsanwaltschaft im Misshandlungsprozess gegen eine vierfache Mutter liegen auf dem Tisch. Foto: Rainer Jensen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lübeck (dpa/lno) - Im Misshandlungsprozess gegen eine 49 Jahre alte Mutter vor dem Lübecker Landgericht hat ein Arzt am Donnerstag die Behauptungen der Angeklagten zurückgewiesen, dass ihre Kinder alle krank gewesen seien. Der Mediziner hatte die drei Söhne der Frau im September untersucht, nachdem sie vom Jugendamt in Obhut genommen worden waren. «Bei keinem der Kinder konnte ich Symptome der behaupteten Krankheiten feststellen», sagte der 61 Jahre alte Mediziner im Zeugenstand.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, vier ihrer fünf Kindern mit Hilfe gefälschter Atteste schwere Erkrankungen angedichtet zu haben, um unberechtigt Sozialleistungen zu kassieren. Angeblich litten die zwischen den Jahren 2000 und 2008 geborenen Kinder unter anderem unter der Glasknochenkrankheit, Rheuma und Asthma, die drei Jungen waren nach Darstellung ihrer Mutter auch Bluter. Keine dieser Behauptungen traf nach Aussagen des Mediziners zu.

Die 49-Jährige schweigt weiterhin zu den Vorwürfen. Auch die beiden 14 und 17 Jahre alten Söhne, die am Donnerstag von der Polizei vorgeführt wurden, machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie waren am Mittwoch trotz Vorladung nicht vor Gericht erschienen. Bei dem jüngsten, heute elf Jahre alten Sohn, hatte das Gericht auf eine Vorführung durch die Polizei verzichtet.

«Sie hat mir eingeschärft, dass ich das Kind in der Schule keinen Moment aus den Augen lassen dürfe», sagte eine 44 Jahre alte Zeugin, die als Schulbegleiterin für den heute 14 Jahre alten Sohn der Angeklagten tätig war. «Am Nachmittag habe ich ihn und seine Brüder aber oft Fahrrad fahren und in der Stadt rumlaufen sehen», sagte die Zeugin. Das habe sie schon gewundert, sagte sie.

Mehrere Lehrerinnen der Kinder schilderten die Mutter als schwierig und resolut. «Sie trug ihre Forderungen mit Nachdruck vor und drohte gleich mit Klage, falls die Forderungen nicht erfüllt würden», sagte eine 36 Jahre alte Lehrerin.

Eine andere Zeugin, eine 54 Jahre alte Grundschullehrerin sagte aus: «So richtig fröhlich habe ich die beiden Jungens, die ich unterrichtet habe, eigentlich nie erlebt.» Sie habe den Eindruck gehabt, die Kinder seien nicht nur körperlich, sondern auch seelisch krank gemacht worden.

Während der Aussagen der Zeuginnen würdigt die Angeklagte sie keines Blickes. Stattdessen macht sie sich eifrig Notizen. Schon am ersten Verhandlungstag hatte sie einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin gestellt und die Ablösung ihres Pflichtverteidigers verlangt.

In TV-Sendungen hatte sich die Mutter teilweise als tapfere Heldin mit vier behinderten Kindern feiern lassen. Eine DVD einer Sendung war im Gerichtssaal abgespielt worden.

Weitere Anträge folgten am Donnerstag. Der Prozess wird fortgesetzt, ein Urteil wird nicht vor Ende Oktober erwartet.

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