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Modellprojekt: Senat will HIV-Therapie für Nicht-Versicherte

29.11.2019 - Menschen mit HIV haben heute die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Betroffene - sofern sie Zugang zu einer adäquaten Therapie haben. Für Menschen ohne Krankenversicherung ein lebensbedrohliches Problem, dass die Gesundheitsbehörde nun lösen will.

  • Rote Schleifen, das Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten, liegen auf einem Tisch. Foto: Lukas Schulze/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Rote Schleifen, das Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten, liegen auf einem Tisch. Foto: Lukas Schulze/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - In Hamburg haben sich 2018 etwas weniger Menschen als im Vorjahr mit dem Immunschwächevirus HIV infiziert. Etwa 150 Menschen steckten sich laut Schätzungen des zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) in der Hansestadt an. «Die Zahlen bestätigen, dass mehr Tests zu weniger Neuinfektionen führen», sagte der Leiter der Aids-Hilfe Hamburg, Jörg Korell. Zusätzlich reduzierten Präventionsmedikamente und eine gut verträgliche Behandlung die Zahl der HIV-Infektionen. Schwierig hingegen bleibe die medizinische Versorgung für illegalisierte Menschen mit HIV. Für Menschen außerhalb des Versicherungssystems sei der Zugang zu HIV-Medikamenten katastrophal.

Das will der Senat nun mit einem Modellprojekt ändern: Vom kommenden Jahr an will die Gesundheitsbehörde für HIV-positive Menschen ohne Krankenversicherung eine ambulante Therapie ermöglichen. Das Projekt ist auf fünf Jahre im Centrum für AIDS und sexuell übertragbare Erkrankungen in Altona (CASAblanca) angelegt und soll jährlich evaluiert werden.

Laut Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) gibt es zwar in Hamburg verschiedene Angebote für die medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung - allerdings nicht für eine HIV-Therapie. HIV-positiven Menschen ohne Krankenversicherung «wollen wir mit diesem Projekt helfen, sie ins Hilfesystem zu vermitteln und damit den Infektionsschutz in Hamburg verbessern, damit die Zahl der Neuinfektionen in Hamburg noch weiter zurückgeht.» Ihre Behörde finanziere das Projekt. Die Behandlung wird laut Prüfer-Storcks an eine Sozial- und Rechtsberatung gekoppelt und findet in enger Abstimmung mit dem bestehenden System der Hamburger HIV-Schwerpunktpraxen statt.

Nach den Zahlen des RKI leben bundesweit etwa 88 000 Menschen mit HIV, 7400 davon in Hamburg. Männer sind etwa fünfmal häufiger infiziert als Frauen. Die große Mehrheit der Menschen mit HIV wird behandelt, aber etwa jeder zehnte betroffene Hamburger weiß nichts von seiner Infektion und kann so unwissentlich weitere Menschen anstecken. In vielen Beratungsstellen kann man sich anonym und kostenlos testen lassen.

Der mit Abstand häufigste Übertragungsweg ist der Sex zwischen Männern, gefolgt von heterosexuellen Kontakten und intravenösem Drogenkonsum. Die Übertragung durch Blutprodukte ist heutzutage nahezu ausgeschlossen. Das Virus wird ausschließlich über Blut, Sperma, Vaginalsekret oder durch Muttermilch übertragen. Schutz vor Infektionen bieten vor allem Kondome beim Sex und saubere Spritzen beim Drogenkonsum.

HIV verursacht unbehandelt Jahre nach der Infektion das Immunschwächesyndrom Aids und führt ohne Therapie zum Tod. Mit Medikamenten kann der Ausbruch der Krankheit Aids verhindert werden, Infizierte haben dann die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Betroffene. Eine Studie im Fachmagazin Lance wies zudem 2019 nach, dass bei adäquater Therapie auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr zwischen Männern eine Ansteckung ausgeschlossen ist. Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag.

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