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Öffentliches Leben in Schleswig-Holstein stark eingeschränkt

15.03.2020 - Mit erheblichen Einschnitten im Alltagsleben soll die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden. Schulen schließen, öffentliche Veranstaltungen sind untersagt, in Restaurants gelten Mindestabstände. Auch die Grenze nach Dänemark ist dicht.

  • Die fliegenden Hirsche des Künstlers Michal Gabriel hängen in den Ausstellungshallen der NordArt. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die fliegenden Hirsche des Künstlers Michal Gabriel hängen in den Ausstellungshallen der NordArt. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit drastischen Einschränkungen des sozialen Lebens will Schleswig-Holstein die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus verlangsamen. Am Samstag beschloss die Landesregierung nach mehrstündigen Beratungen in Kiel einen entsprechenden Erlass.

«Wir werden diese Krise mit deutlichen Einschnitten für viele Menschen bestehen», sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nach der Sondersitzung seines Kabinetts. Dafür seien aber klare Vorgaben und die Eigenverantwortung aller Bürger notwendig. «Zusammenhalt stärken, Abstand wahren - das ist meine herzliche Bitte an alle Menschen in Schleswig-Holstein.»

Der Betrieb von Schulen, Kitas und Horten in Schleswig-Holstein wird ab Montag landesweit ausgesetzt. In Kitas und Schulen soll es aber eine beschränkte Alternativ-Betreuung der Kinder von Eltern geben, die in besonders kritischen Infrastrukturen arbeiten und keine andere Betreuung organisieren können. Von den Schließungen nicht betroffen ist die Kindertagespflege (bis fünf Kinder).

Alle öffentlichen Veranstaltungen sind bis 19. April untersagt, die Regierung empfiehlt darüber hinaus den Verzicht auf private Veranstaltungen. Von dem Verbot sind Bars, Clubs, Diskotheken, Theater, Kino und Museen, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Saunen und Angebote der Volkshochschulen, Musikschulen und andere öffentliche und private Bildungseinrichtungen betroffen. Gleiches gilt für Zusammenkünfte in Sportvereinen, Freizeiteinrichtungen und Spielhallen sowie das Prostitutionsgewerbe.

Für Besuche in Kliniken gelten strenge Regeln. Zugelassen ist nur ein Besucher pro Patient und Tag. Ausnahmen davon sind medizinisch oder ethisch-sozial angezeigte Besuche.

Restaurants müssen die Kontaktdaten ihrer Besucher registrieren. Dadurch sollen bei Infektionen Kontaktpersonen ermittelt werden können. Zwischen den Tischen muss ein Mindestabstand von zwei Metern sein. «Der Gesundheitsschutz steht jetzt an erster Stelle» sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Gemeinsam könne es gelingen, das Virus zu bremsen.

Das Nachbarland Dänemark machte am Samstag die Grenze zu Deutschland dicht. Dänische Staatsbürger können weiterhin ins Land einreisen. Ausländer dürfen die Grenze bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr überqueren. Die Maßnahme soll zunächst bis 13. April dauern. Ein Verkehrschaos blieb am Wochenende aus.

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Schleswig-Holstein stieg am Wochenende auf mindestens 70. Mehrere Kreise meldeten neue Fälle. Alle Lehrer und die rund 100 Schüler der Grundschule der Gemeinde Joldelund im Kreis Nordfriesland wurden vom Gesundheitsamt für zwei Wochen in häusliche Quarantäne geschickt. Eine nicht in Nordfriesland wohnende Lehrkraft der Grundschule sei positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden, begründete der Kreis am Sonntag die Maßnahme.

Die NordArt, eine der größten Messen zeitgenössischer Kunst in Europa, wurde abgesagt. Die Veranstalter wollen die NordArt, die jedes Jahr mehr als 100 000 Besucher hat, im nächsten Jahr in der Carlshütte in Büdelsdorf bei Rendsburg nachholen.

Die Regierung will mit ihren Maßnahmen den Kliniken Zeit verschaffen, um sich auf schwere Erkrankungen vorzubereiten. «Diese gesundheitliche Lage ist ein Jahrhundertereignis», sagte Anke Lasserre, Sprecherin der Geschäftsführung der imland Kliniken. «Aus diesem Grund haben wir entschieden, unsere Standorte neu aufzustellen, um die allgemeine Notfallversorgung und die Behandlung der an Covid-19 erkrankten Patienten sicherzustellen.»

Die Klinik bündelt nun die Leistungen und das Personal. Das heißt, dass im stationären und ambulanten Bereich nur noch Notfälle und dringliche Patienten versorgt werden. Die Patienten, die innerhalb der nächsten drei Monate Termine in der imland Klinik haben, würden entsprechend persönlich informiert, hieß es. Die so freiwerdenden Kapazitäten im Intensivbereich werden für zu erwartende schwerstbetroffene Covid-19-Patienten vorgehalten. Für Covid-19-Patienten, die nicht intensivpflichtig sind, hält die Klinik eine Isolierstation am Standort Rendsburg bereit.

Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten und allen laut Robert-Koch-Institut besonders betroffenen Gebieten gelten Zutrittsverbote nicht mehr nur für Krankenhäuser oder Pflegeheime, sondern zu allen öffentlichen Einrichtungen. Für Rückkehrer aus allen alpinen Skigebieten empfiehlt die Regierung dies auch dringend.

Unter anderem auf dem Flensburger Campus bleiben die Mensen und die Zentrale Hochschulbibliothek bis zum 19. April geschlossen. Prüfungen seien abgesagt und verschoben worden, teilte die Hochschule weiter mit. Das Land hatte beschlossen, dass Lehrveranstaltungen an allen Hochschulen ausfallen sollen. Mensen und Hochschulbibliotheken sollen geschlossen werden.

Der Verwaltungsbetrieb der Kieler Uni wird auf das Notwendigste beschränkt. Beratungseinrichtungen mit Publikumsverkehr informieren Auskunftssuchende bis dahin nur noch telefonisch oder online, wie die Universität Kiel am Sonntag mitteilte. Das Sportzentrum, die Universitätsbibliothek, Mensen, die Fachbibliotheken der Fakultäten und Institute werden geschlossen.

Ab Montag will die Landesregierung in täglichen Kabinettssitzungen ihr weiteres Vorgehen abstimmen - per Telefonkonferenz.

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