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Prozess um Todesschüsse: Verteidigung bezweifelt Mordabsicht

27.05.2019 - Der Angeklagte soll 2016 in Bargteheide seine Ex-Freundin heimtückisch erschossen haben. Für den Staatsanwalt ein klarer Mord. Der Verteidiger geht von fahrlässiger Tötung oder Totschlag aus.

  • Ein Schild mit der Aufschrift "Landgericht" ist am Eingang des Landgerichts hinter Stacheldraht zu sehen. Foto: Markus Scholz/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild mit der Aufschrift "Landgericht" ist am Eingang des Landgerichts hinter Stacheldraht zu sehen. Foto: Markus Scholz/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lübeck (dpa/lno) – Im Indizienprozess um die Todesschüsse auf eine junge Frau in Bargteheide hat die Verteidigung am Montag der Beweiswürdigung der Staatsanwaltschaft widersprochen. Verteidiger Manfred Achterberg stellte in seinem Plädoyer vor dem Lübecker Landgericht aber keinen eigenen Strafantrag.

Der Angeklagte gehe von fahrlässiger Tötung aus, sagte der Verteidiger. Da es keinerlei Beweise, Videos oder Fotos gebe, müsse man seinen Angaben als Möglichkeit folgen und im Zweifel für ihn entscheiden. Im Falle einer Verurteilung wegen Totschlags sei zu berücksichtigen, dass die Steuerungsfähigkeit des kokainsüchtigen Mannes durch Kontrollverlust deutlich eingeschränkt gewesen sei. Das Gericht will das Urteil am 6. Juni (0930) verkünden.

Der Angeklagte hatte im Prozess erklärt, er habe sich selbst umbringen wollen. Als er durch seine Wohnungstür in den Flur eintrat, sei seine Ex-Partnerin dagewesen. Sie habe ihm die Waffe  entwinden wollen. Im Gerangel sei es dann zu den Schüssen gekommen. Der Angeklagte rief noch den Notruf. Dann flüchtete er zu einem Kumpel auf einen Campingplatz. Dort nahm ihn die Polizei fest.

Ankläger Nils-Broder Greve verlangte erneut eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe seien erfüllt. Der Angeklagte habe seine Ex-Freundin im August 2016 in einen Hinterhalt gelockt und sie in seiner Wohnung mit drei Schüssen getötet. Auch die Eltern des Opfers gehen als Nebenkläger von Mord aus. Für sie sei die Situation unerträglich, weil sie seit Jahren nicht mit dem Fall abschließen könnten, sagte ihr Rechtsanwalt.

Es ist bereits der dritte Anlauf des Lübecker Landgerichts, den gewaltsamen Tod der jungen Frau juristisch aufzuarbeiten. Ein erstes Urteil hob der Bundesgerichtshof im November 2017 wegen eines Formfehlers auf. Damals war der Angeklagte zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden. Zuvor war der erste Prozess geplatzt, weil ein Verteidiger erkrankte.

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