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Reeperbahn-Festival: Club-Atmosphäre trotz Corona-Regeln?

14.09.2020 - Das Reeperbahn-Festival ist keine Großveranstaltung, sondern ein Festival mit vielen kleinen Clubkonzerten und Fachkonferenzen. Nun soll es stellvertretend zeigen, ob die in Zeiten von Corona mögliche Live-Musik auch Spaß macht - oder zum Trauerspiel wird.

  • Alexander Schulz, Gründer des Reeperbahn-Festivals, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Alexander Schulz, Gründer des Reeperbahn-Festivals, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wenn am Mittwoch in Hamburg das Reeperbahn-Festival startet, wird das vor allem ein Signal an die Branche sein. «Es geht wieder was!», soll es heißen. Und was genau wieder geht, das soll eines der europaweit wichtigsten Clubfestivals für Populärmusik nun stellvertretend für kleine und mittelgroße Spielstätten herausfinden. Denn das Reeperbahn-Festival ist in diesem Jahr vor allem eins: pandemiegerecht. Auf jede noch so kleine Corona-Regel soll akribisch geachtet werden. Das macht das Festival logischerweise deutlich kompakter.

Festivalgründer Alexander Schulz rechnet mit rund 2500 Besuchern pro Tag, verteilt auf 20 Spielstätten und rund 300 Veranstaltungen für die Fachbesucher und Öffentlichkeit, darunter etwa 140 Konzerte. Zum Vergleich: 2019 kamen rund 50 000 Besucher, es gab 1000 Konzerte, Kunst- und Literaturvorführungen und Fachkonferenzen an 90 Orten.

Dabei wollen die Macher in diesem Jahr vor allem herausfinden, ob sich die Einschränkungen für die Künstler und das Publikum lohnen. «Wir müssen in den vier Tagen herauskriegen, ob sich das gut anfühlt und atmosphärisch Sinn macht», sagte Schulz der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Und wenn das so sei, müssten Branche und Politik über weitere Schritte und Mittel nachdenken, um diese Kunstform bis zum Corona-Impfstoff am Leben halten zu können. «Live aufgeführte Musik ist eine Gesellschaft stärkende, Werte vermittelnde und bereichernde Kunstform. Und ich hab keine Lust, sie zu verlieren.»

Gleichzeitig hat die Pandemie dem Festival in Sachen Digitalisierung einen Raketenschub verpasst. So sind alle 140 Angebote für die Fachbesucher in diesem Jahr ausschließlich virtuell. «Wir haben eine Streamingplattform aufgesetzt, die inzwischen aus bis zu zehn Neben- und zwei Hauptprogrammen besteht. Dort zeigen wir vier Tage lang 16 Stunden Programm. Da werden wir spürbare Reichweiten generieren», so Schulz. Und das sei gerade für das in alle Welt verstreute Fachpublikum sehr wichtig.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brodsa (SPD) zufolge hat sich das Festival in den vergangenen Jahren zum wichtigen internationalen Musik-Branchentreff entwickelt - vergleichbar mit der Berlinale in der Hauptstadt und der Buchmesse in Frankfurt. «Das Reeperbahn-Festival ist mittlerweile der Ort in Europa für populäre Musik. In Hamburg haben nicht umsonst die Beatles vor 60 Jahren angefangen. Hamburg ist immer ein Ort gewesen, von dem aus musikalische und auch musikwirtschaftliche Trends gesetzt worden sind.»

Das Streamingangebot für den Konferenz-Teil werde wohl auch in Nach-Corona-Zeiten erhalten bleiben, so Schulz. «Wir hätten so etwas niemals so kurzfristig angefasst, wenn wir nicht gezwungen worden wären, das zu tun.» Aufgrund dieser Umstellung könnte das Festival im schlechtesten Falle eines erneuten Lockdowns sogar dennoch stattfinden. «Wenn der Lockdown nicht auch noch ein Arbeitsverbot für die Künstler bringt, könnten wir die Veranstaltung durchziehen. Notfalls auch ohne Publikum.»

Er werde in diesem Jahr besonders die sozialen Kontakte und das Unerwartbare vermissen, sagte Schulz weiter. «Das Live-Erleben von Musik mit anderen Menschen ist schon eine sehr kommunikative Angelegenheit. Der Aspekt wird natürlich schon fehlen.» Dennoch freue er sich drauf. Das Festival in der pandemiegerechten Form sei die beste aller derzeit denkbaren Möglichkeiten. «Ich freue mich darauf, Musik endlich wieder live und laut zu hören.»

Für Schulz hat die 15. Ausgabe des Reeperbahn-Festivals viel von der ersten Ausgabe. So sei es nicht nur vom Umfang her ziemlich vergleichbar. «Es ist ganz schön ungewiss, wie wir abliefern und wie es angenommen wird.» Und das sei 2006 ja auch so gewesen. «Der einzige Unterschied ist, dass wir wirtschaftlich weitgehend abgesichert sind, dass die Marke eingeführt ist und dass wir ein total erfahrenes Team hier haben.» Das Festival hat in seinem Kernbetrieb einen Etat von 2,5 Millionen Euro und wird in diesem Jahr mit knapp 1,9 Millionen Euro von Bund und Land gefördert. Wegen der zusätzlichen Corona-Kosten waren die Fördermittel um 1,3 Millionen Euro erhöht worden.

Auf die Qualität der Musiker und das Abbilden musikalischer Trends habe die Pandemie dagegen keinen Einfluss. «Allein wenn ich auf die sechs Nominierten unseres Wettbewerbes "Anchor" schaue: Da ist überhaupt kein Stillstand zu spüren, was die Fortentwicklung und die Qualität von ästhetischen Aspekten in der populären Musik betrifft. Das werden auch alle sehen und hören.» Lediglich bei der Auswahl der transkontinentalen Künstler gab es Einschränkungen. «Eigentlich haben wir nur Zugriff auf kontinentaleuropäische Künstler. Alle anderen haben abgesagt. Da wird schon etwas fehlen, was wir nicht abbilden können. Das muss man zugeben.»

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