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Bulgare gesteht Schüsse auf Rockerboss auf St. Pauli

12.02.2020 - Die beinahe tödlichen Schüsse auf den Boss der Hamburger Hells Angels auf St. Pauli hat ein Bulgare abgegeben. Das gesteht der Mann vor dem Landgericht Hamburg. Beauftragt haben soll ihn jemand von einer rivalisierenden Gang.

  • Justitia mit Holzhammer und Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Justitia mit Holzhammer und Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - Der Mann, der im Sommer 2018 auf den Rockerboss der Hells Angels in Hamburg geschossen haben soll, hat die Tat gestanden. Fast sechs Stunden lang steht der 27 Jahre alte Bulgare am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht Rede und Antwort. «Ich habe gezielt auf seine Schulter - und dann fünfmal geschossen», sagte der Angeklagte seiner Dolmetscherin zufolge.

Dass er gegen eine Zahlung von 10 000 Euro auf einen Menschen schießen soll, habe er erst einen Tag vorher erfahren. «Am Anfang dachte ich, ich müsste nur irgendein Lokal in Brand setzen. Weil 10 000 Euro reichen nicht für so eine Sache, wie ich sie gemacht habe.» Als ihm klar geworden sei, dass er stattdessen jemanden erschießen soll, sei es für einen Rückzieher zu spät gewesen. Er habe sich Sorgen gemacht, dass seine Auftraggeber ihm etwas antun würden. Am Ende wird der Mann nicht einmal dieses Geld bekommen. Es soll bei Mittelsmännern hängen geblieben sein.

Vor Gericht zeigte sich der Bulgare überzeugt davon, dass er vom Chef der Mongols den Auftrag für den Anschlag erhalten hat. Die Anfang 2016 aufgelöste Rockergruppe ist mit den Hells Angels verfeindet. Seine Annahme begründete er vornehmlich auf die Aussagen Dritter. Er selbst habe nie Kontakt zum Mongols-Chef gehabt.

Der Anklage zufolge ist der Bulgare von einem heute 29 Jahre alten deutschen Mongols-Mitglied aus dem Gefängnis heraus über Mittelsmänner beauftragt worden, den damals 38 Jahre alten Hamburger Hells-Angels-Boss zu erschießen. Bei der Tatplanung und -ausführung hätten dessen Vater, ein 73-jähriger Deutsch-Afghane, und die Freundin des 29-Jährigen geholfen.

Beide sollen dem unter Drogen stehenden Bulgaren («Bei jeder Gelegenheit nehme ich Drogen.») Ende August 2018 erst Anweisungen gegeben und Fotos des Opfers gezeigt haben. Anschließend seien sie mit ihm durch St. Pauli gefahren und hätten dabei den Rockerboss gesucht. Am 25. August, mit dem Vater am Steuer, blieb die Suche erfolglos. Am 26. August dagegen konnten die Freundin und der Bulgare den 38-Jährigen in einem Restaurant auf der Reeperbahn ausfindig machen.

Sie warteten auf ihn, fuhren ihm nach und an einer roten Ampel feuerte der 27-Jährige fünf Schüsse durch das offene Fenster auf den Hells Angel ab. Er wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt. «Der Auftrag lautete nicht, dass ich das Opfer töten sollte», so der 27-Jährige vor Gericht. Stattdessen sollte er den Rockerboss nur schwer verletzen, so dass er behindert und nur noch «ein halber Mensch» ist.

Motiv für den Anschlag soll Rache für ein ähnliches Attentat auf den Deutschen und seine Freundin zwei Jahre zuvor gewesen sein. Dabei wurden beide schwer verletzt.

Vor Gericht wies der Verteidiger des Vaters eine mögliche Tat- und Planungsbeteiligung zurück. Die Anklage würde verkennen, dass «hierfür rein faktisch nahezu keinerlei Gelegenheit» bestand, sagte er am Mittwoch in seiner Erklärung zur Anklage. Sein Mandant habe seinen Sohn erst in der JVA besucht, nachdem der spätere Schütze bereits für die Tat zugesagt hatte. Der 29-jährige Deutsche selbst, der ebenfalls in dem Verfahren vor Gericht steht, äußerte sich auch am zweiten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen. Er steht bereits zum zweiten Mal in dieser Sache vor Gericht, nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil im ersten Prozess wegen eines Formfehlers aufgehoben hatte.

Vor Gericht sagte der Bulgare aus, dass er den 29-Jährigen noch nie gesehen habe. «Ich kenne ihn nicht. Ich habe ihn auch im Gefängnis nicht gesehen.» Auch nach einem Blick zum Vater des Deutschen war der Bulgare nicht überzeugt, in ihm den Fahrer vom Sommer 2018 wiederzuerkennen. «Ich bin mir nicht sicher, ob er das ist.»

Ihn selbst verfolge die Tat seitdem. Er habe zuvor noch nie auf einen Menschen geschossen. «Es ist schwierig für mich, damit zu leben, was ich getan habe.»

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