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Spuckattacke auf Landesrabbiner vor dem Hamburger Rathaus

21.06.2019 - Der Landesrabbiner und ein Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde sind auf dem Hamburger Rathausmarkt angegriffen worden. Sie kamen von einem Empfang ehemals jüdischer Verfolgte, die die Stadt besuchten.

  • Der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky. Foto: Axel Heimken/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky. Foto: Axel Heimken/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - Antisemitischer Vorfall in Hamburg: Auf dem Rathausmarkt sind zwei ranghohe Vertreter der jüdischen Gemeinde bedroht und angespuckt worden. Bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um einen 45-jährigen Mann, teilte die Polizei am Freitag mit. Die jüdische Gemeinde bestätigte den Angriff vom Donnerstag auf Landesrabbiner Shlomo Bistritzky und Vorstandsmitglied Eliezer Noe, die an ihrer Kleidung klar als Juden zu erkennen gewesen seien.

Bistritzky schilderte der Online-Ausgabe des «Hamburger Abendblatts» den Übergriff. Er sei mit einem Kollegen von einer Veranstaltung mit Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gekommen, als der Mann sie zunächst mit «Schalom» gegrüßt und dann etwas gesagt habe, das wie eine Drohung geklungen habe. Sie hätten sich dann ihm zugewandt: «In diesem Augenblick griff er unter sein Hemd, holte etwas, das wie ein Messer aussah, hervor und begann uns verbal zu bedrohen», sagte Bistritzky. Der Angreifer zog den Angaben der Zeitung zufolge dann wohl auch ein Feuerzeug und ging mit entzündeter Flamme auf die beiden Juden zu, begann sie zu beleidigen und zu bespucken.

Bürgermeister Tschentscher sprach von einer «schlimmen antisemitischen Straftat». «Ein Angriff auf unsere jüdischen Mitbürger ist ein Angriff auf uns alle. Wir sind eine weltoffene liberale Stadt, in der Antisemitismus und Rassismus keinen Platz haben.» Gegen Hassverbrechen müsse der Rechtsstaat konsequent vorgehen. «Und wir alle müssen uns jeden Tag für ein freies und friedliches Zusammenleben einsetzen - gerade in Deutschland», meinte der Bürgermeister.

Der Angriff geschah nach einem Empfang ehemals jüdischer Verfolgte, die die Stadt ihrer Jugend besuchten. «Direkt nach dem Empfang ist das passiert, wofür ich mich als Hamburger sehr schäme: Antisemitismus gegen zwei der geladenen jüdischen Gäste», twitterte Justizsenator Till Steffen (Grüne). Solch ein Verhalten erschüttere ihn und spiegele nicht die Weltoffenheit der Hansestadt wider.

Auch der designierte Spitzenkandidat der CDU, Marcus Weinberg, zeigte sich schockiert: «Ich verurteile diesen Angriff auf das Schärfste, so etwas darf nicht passieren. Nicht in Hamburg und nirgendwo anders.» Der Vorfall müsse nun aufgeklärt werden und deutliche Konsequenzen für den Angreifer haben. Der mutmaßliche Täter, ein Marokkaner, soll in Niedersachsen leben. Er gilt nach unbestätigten Berichten als psychisch auffällig. Nach der Spuckattacke verhielt sich der 45-Jährige laut Polizei aggressiv und reagierte nicht auf die Aufforderung des Beamten. Er spuckte erneut um sich, weshalb ihm eine Spuckschutzhaube angelegt wurde. Der Mann wurde nach Abschluss der kriminalpolizeilichen Maßnahmen entlassen, da keine Haftgründe vorlagen. Der Staatsschutz ermittelt.

«Es ist bestürzend, dass Menschen jüdischen Glaubens immer noch Ziel solcher Angriffe werden», sagte die Fraktionschefin der Linken, Cansu Özdemir. AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann sprach von «einer abscheulichen Tat mitten im Herzen Hamburgs». FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein sagte: «Alle Menschen jüdischen Glaubens müssen sich in unserer Stadt sicher fühlen, egal ob es sich um einen Rabbiner oder einen «einfachen» Kippa-Träger handelt.» Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Kienscherf betonte: «Antisemitismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft und in unserer Stadt.»

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