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Tatverdächtiger im Fall Maddie im Gefängnis unter Schutz

10.06.2020 - Es gibt noch keine Anklage geschweige denn ein Urteil im Fall Maddie - aber der Mordverdächtige musste bereits im Gefängnis verlegt werden.

  • Claus Christian Claussen, der Justizminister von Schleswig-Holstein. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Claus Christian Claussen, der Justizminister von Schleswig-Holstein. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der 43 Jahre alte Deutsche, der seit kurzem im Fall Maddie als Haupttatverdächtiger gilt, ist im Kieler Gefängnis in einen anderen Trakt verlegt worden. Er dürfe auch nur einzeln und in Begleitung von Wachpersonal aus der Zelle, sagte Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen (CDU) am Mittwoch in Kiel im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. So wolle man verhindern, dass möglicherweise Mitgefangene den wegen eines früheren Drogendeliktes inhaftierten Häftling attackieren.

Seitdem dieser als Hauptverdächtiger im Fall Maddie gelte und in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» vom 3. Juni um Zeugenhinweise gebeten wurde, müsse mit Übergriffen gerechnet werden, sagte Claussen.

Der Häftling steht im Verdacht, am 3. Mai 2007 die kleine Madeleine «Maddie» McCann kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Ferienanlage in Portugal entführt zu haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist. Die britische Polizei geht hingegen auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. Bis heute ist Maddie verschwunden.

Der Zeugenaufruf am 3. Juni in «Aktenzeichen XY... ungelöst» nährte Hoffnungen, den Fall doch noch lösen zu können. Die Ermittler vermuten, der Deutsche habe das Kind entführt und umgebracht. Einen Haftbefehl oder eine Anklage gibt es aber noch nicht.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatten am 3. Juni überraschend bekanntgegeben, dass der 43-Jährige in dem Fall unter Mordverdacht steht. Er ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft und sitzt derzeit in Kiel die Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um den Handel mit Drogen.

Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Als Maddie in Praia da Luz an der Algarve verschwand, war der Mann 30. Er hielt sich zwischen 1995 und 2007 regelmäßig in der Region auf. Sowohl in Deutschland als auch Portugal wurde er mehrmals straffällig. Laut «Spiegel» weist das Strafregister des Mannes insgesamt 17 Einträge auf.

Die Flensburger Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben niemals in den Fall Maddie eingebunden gewesen. Das betonten die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt und Justizminister Claussen am Mittwoch in Kiel im Landtagsausschuss. In Kiel sitze der Mann die bereits 2011 vom Amtsgericht Niebüll verhängte Strafe wegen Drogenhandels ab. «Mit den Ermittlungen im Fall Maddie haben wir nichts zu tun», sagte die Juristin.

Dass der mehrfach Vorbestrafte nach dem vollständigen Absitzen einer Haftstrafe von 14 Monaten in Braunschweig wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Besitzes kinderpornografischer Schriften 2018 für einige Wochen auf freiem Fuß war, ließ sich laut Stahlmann-Liebelt juristisch nicht vermeiden.

Der Widerruf der Bewährung des Niebüller Urteils habe sich wegen der vorgeschriebenen juristischen Vorgehensweise in die Länge gezogen und sei bis Ende August 2018 nicht erreichbar gewesen. Dabei ging es auch um die Umsetzung europäischer Haftbefehle und notwendige Kooperationen mit der Justiz in Italien und Portugal.

Die Ausschuss-Vorsitzende und justizpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Barbara Ostmeier, resümierte: «In Schleswig-Holstein hat es keine schuldhafte Verzögerung des Verfahrens gegeben. Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat den komplexen Sachverhalt über Jahre kompetent begleitet.» Festzustellen sei aber, dass insbesondere der europäische Haftbefehl vor dem Hintergrund parallel laufender Strafverfahren Schwierigkeiten mit sich bringe. «Es hat sich insbesondere gezeigt, wie schwierig das Zusammenspiel von Rechtskraft, Rechtsmitteln und europäischer Strafverfolgung im Rahmen des europäischen Haftbefehls sind.»

In Kiel endet die Haft wegen Drogendelikten im Frühjahr 2021. Der Mann hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt und Anträge auf Haftverschonung gestellt. Über diese ist noch nicht entschieden.

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