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UKE befürchtet zweite Corona-Welle: Inzwischen 95 Tote

22.04.2020 - Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sieht eine zweite Corona-Welle auf Deutschland zukommen, macht sich aber dennoch für Lockerungen der Auflagen stark. Bürgermeister Tschentscher appelliert an die Bürger, die Maskenpflicht ernst zu nehmen.

  • Burkhard Göke sitzt bei einer Pressekonferenz. Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Burkhard Göke sitzt bei einer Pressekonferenz. Foto: Markus Scholz/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) rechnet mit einer zweiten Corona-Infektionswelle Ende des Sommers. «Ich befürchte, dass wir tatsächlich vor einer zweiten Welle stehen, die spätestens (...) im August, vielleicht auch erst Ende August (...) aufbrechen könnte», sagte UKE-Vorstandschef Prof. Burkhard Göke am Mittwoch in Hamburg. Und auch für den Herbst zeigte er sich mit Blick auf die dann einsetzende Influenzawelle besorgt.

Die Vorstellung, dass sich die Influenza A-Infektion, die an sich sehr belastend und gefährlich sein könne, sich dann auch noch paare mit einer Covid-Infektion, bereite ihm Kopfzerbrechen, sagte der ärztliche Direktor des UKE. Mit Blick auf die intensivmedizinische Betreuung betonte er, derzeit gebe es keine Überforderung der Kapazitäten. «Für den Herbst sind wir unsicher.»

Die Zahl der positiv auf das neue Sars-Cov-2-Virus getesteten Hamburgerinnen und Hamburger stieg unterdessen seit Dienstag um 48 auf 4449. Insgesamt befinden sich nach Behördenangaben 212 wegen Covid-19 im Krankenhaus, davon 67 auf Intensivstationen. Das waren acht beziehungsweise ein Patient weniger als am Dienstag.

Bei 95 in Hamburg Gestorbenen stellte das Institut für Rechtsmedizin bisher Covid-19 als Todesursache fest, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Das waren elf Tote mehr als am Vortag. Das Robert Koch-Institut (RKI) zählte bisher nur 91 Corona-Tote in Hamburg. Die RKI-Zahl beinhaltet alle Fälle, bei denen mit dem Virus infizierte Menschen starben. Deshalb lag die Zahl bisher immer über der der Hamburger Rechtsmediziner, die nur Fälle auflisten, in denen Covid-19 tatsächlich auch Todesursache war.

Der Rechtsmediziner Klaus Püschel betonte, alle gestorbenen Patienten hätten Vorerkrankungen gehabt. Nach seiner Einschätzung wird sich die Zahl der Todesfälle in Hamburg in dieser Woche vorübergehend erhöhen und dann wieder sinken. Die Hochphase der neuen Infektionen und der Krankenhausbehandlung sei vor etwa zwei, drei Wochen gewesen - und der Gipfel bei der Zahl der Toten komme später als der Gipfel der Neuinfektionen und der Gipfel der Krankenhausbehandlungen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) rief in einer Regierungserklärung in der Bürgerschaft die Menschen zum Tragen von Schutzmasken auf. «Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger, sich auf das Tragen solcher Gesichtsmasken vorzubereiten und diese sinnvolle Vorkehrung zum Schutz vor Infektionen ab kommenden Montag einzuhalten.» Laut einem Beschluss des Senats vom Dienstag ist das Tragen von Mund/Nase-Masken von Montag an in Geschäften, Bussen und Bahnen sowie auf Wochenmärkten Pflicht.

Gleichzeitig lobte Tschentscher die Hamburger: «Die Bürgerinnen und Bürger verhalten sich verantwortungsvoll und solidarisch.» Zudem gebe es zwischen dem Senat, der Bürgerschaft und den Fraktionen ein großes Einvernehmen darüber, was erforderlich sei. «Ich bin überzeugt, wenn wir diesen Kurs fortsetzen, können wir die Krise gut überstehen. Wir sind eine starke Stadt und stehen gemeinsam gegen Corona.»

Nach der Regierungserklärung stimmte die Bürgerschaft einem Nachtragshaushalt mit einem Volumen von einer Milliarde Euro zu. Mit 800 Millionen Euro soll das Gros der Mittel zur Finanzierung des Hamburger Schutzschirms dienen, mit dem Unternehmen geholfen wird. Die restlichen 200 Millionen Euro sollen hälftig in ein neues Investitionsprogramm und ein neues Darlehensprogramm zur Bewältigung der Krise fließen. Eingesetzt wurde zudem ein Sonderausschusses zur Corona-Krise mit 20 Mitgliedern.

Das Verwaltungsgericht Hamburg erklärte derweil die vom Senat zur Eindämmung der Pandemie aufrechterhaltene Schließung von Läden mit mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für unzulässig. Das Gericht habe dem Eilantrag eines Sportgeschäfts in der Innenstadt stattgegeben, teilte ein Sprecher mit. Der Senat habe aber bereits Beschwerde dagegen beim Hamburgischen Oberverwaltungsgericht eingereicht und beantragt, dass es bis zu einer Entscheidung bei der Regelung bleiben solle.

Auch das UKE kann sich trotz der Befürchtung einer zweiten Corona-Welle weitere Lockerungen vorstellen. So hält UKE-Chef Göke die Austragung von Geisterspielen in der Fußballbundesliga für vertretbar - sofern die Mannschaften getestet werden. «Ja, man kann Geisterspiele machen», sagte Göke, selbst glühender Schalke-Fan. Massenveranstaltungen jedoch seien «übel und gefährlich». Fußball mit Zuschauern sei auf absehbare Zeit nicht vorstellbar.

Die Gesellschaft könne es nur eine Weile aushalten ohne Sport, ohne Kultur, ohne religiöse Zusammenkünfte, sagte der Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik am UKE, Prof. Ansgar Lohse. «Die Gesellschaft braucht mehr als einfach nur physische Gesundheit.» Entsprechend erneuerte er auch seine Forderung nach einer Öffnung der Schulen und Kitas - sofern Risikogruppen geschützt werden. Ansonsten halte er die Öffnung «in jeder Hinsicht für eine sinnvolle Maßnahme, ich halte sie für infektiologisch vertretbar, aber eben auch aus sozialen und bildungspolitischen Gründen für überfällig».

Ähnlich sieht es Ballett-Intendant John Neumeier (81). Er sei Aufgabe der Politik, «die sinn- und gemeinschaftsstiftende Funktion von Kultur gerade in Krisenzeiten im Auge zu behalten und den einzelnen Akteuren möglichst große Freiräume zur Entfaltung zu bieten.» Das Hamburg Ballett hat alle verbleibenden Vorstellungen der laufenden Saison abgesagt. Damit folge die weltbekannte Compagnie der behördlichen Anordnung der Stadt, die eine Schließung der Theater und Opernhäuser bis zum 30. Juni vorgibt.

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