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Urnen statt Ähren: Kornspeicher soll Kolumbarium werden

01.02.2020 - Der Tod gehört zum Leben. In Lübeck will ein Unternehmer einen ehemaligen Speicher in ein Kolumbarium umwandeln. Der Speicher gehörte einst der Familie von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann.

  • Blick auf die Balkenkonstruktion im historischen Kornspeicher. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf die Balkenkonstruktion im historischen Kornspeicher. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lübeck (dpa/lno) - In einem historischen Kornspeicher an der Trave in Lübeck sollen schon bald Tote ihre letzte Ruhestätte finden. Die Unternehmer Michael Angern und Peggy Morenz wollen aus dem Speicher «Die Eiche» direkt am alten Lübecker Hafen ein Kolumbarium machen, in dem Urnen beigesetzt werden. Träger des Urnenfriedhofs soll die Heilsarmee werden. Die Erträge sollen in eine noch zu gründende Stiftung fließen, die sich unter anderem der Förderung der Bestattungskultur widmen werde. Wenn alles wie geplant läuft, soll das Kolumbarium Ende des Jahres eröffnet werden. Ziel sei es, mitten in der Stadt einen Gedenkort für die Toten zu schaffen, sagte Angern.

«Seit Jahren beobachten wir einen massiven Wandel in der Bestattungskultur», sagte der Unternehmer, der im Hauptberuf Software für Bestatter anbietet. Häufig seien es ökonomische Erwägungen, die einen Trend zur Feuerbestattung und zu anonymen Gräbern erzeugten. «Wir wollen einen Gegenentwurf anbieten, bei dem ein definierter Ort einen würdigen Rahmen für Abschied und Gedenken schafft.»

In dem markanten Backsteingebäude mit neogotischem Giebel soll eine Halle für Trauerfeiern entstehen, in den Stockwerken darüber sollen auf mehreren Galerien Kammern für die Urnen Platz finden. Der Speicher wurde 1873 von Senator Henry Mann, Vater der Schriftsteller Thomas und Heinrich Mann, erbaut. Er war einer von sieben Speichern, die die Kaufmannsfamilie an der Untertrave besaß.

«Das Kolumbarium wird überkonfessionell sein», sagt Angern. Auch Konzerte und Lesungen sollen dort stattfinden, im Eingangsbereich sollen Trauernde mit einer Tasse Kaffee empfangen werden. «Wir wollen einen Ort für eine neue Trauerkultur schaffen. Die individuelle Zwiesprache mit den Verstorbenen, die Ästhetik des Raums und die kulturelle Ansprache der Trauernden sollen im Trauerprozess Kraft spenden», sagt seine Partnerin Peggy Morenz, die lange Jahre als Gestalterin in der Porzellanbranche tätig war.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter (BDB) war Kolumbarium ursprünglich die Bezeichnung für einen Taubenschlag. Wegen der optischen Ähnlichkeit wurden in der Antike auch altrömische Grabkammern zur Aufnahme von Urnen so genannt. In Deutschland etablierte sich diese Form der Beisetzung Ende des 19. Jahrhunderts. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts sind zunehmend Kolumbarien in nicht mehr genutzten Kirchen entstanden.

Auch in Lübeck gibt es bereits zwei Kolumbarien. Unterhalb der Pamir-Kapelle in St. Jakobi befindet sich seit etwa zehn Jahren ein Kolumbarium mit 350 Urnenkammern. «Etwa drei Viertel davon sind verkauft, doch nicht alle sind bereits belegt», sagte Pastor Lutz Jedeck. Auf dem Vorwerker Friedhof wurde eine nicht mehr benötigte Leichenhalle 2011 zu einem Kolumbarium umgebaut. Diesen Einrichtungen will Angern jedoch keine Konkurrenz machen: «Wir verstehen uns als Ergänzung zu bestehenden Friedhöfen.»

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