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Verkehrssenator macht Druck: «S-Bahn Hamburg sanieren»

06.06.2019 - Überfüllte oder verspätete S-Bahnen machen Pendlern in der Metropolregion Hamburg das Leben schwer. Ein Chaos-Tag in dieser Woche hat in sozialen Medien die Kritik zum Überlaufen gebraucht. Nun nimmt der Verkehrssenator den S-Bahn-Betreiber in die Pflicht.

  • Eine S-Bahn des Herstellers Bombardier der Baureihe ET 490 fährt in den Bahnhof Bergedorf ein. Foto: Daniel Bockwoldt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine S-Bahn des Herstellers Bombardier der Baureihe ET 490 fährt in den Bahnhof Bergedorf ein. Foto: Daniel Bockwoldt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) macht Druck auf die Deutsche Bahn, ihre S-Bahn-Anlagen in der Metropolregion Hamburg vorrangig für einen reibungsloseren Fahrgasttransport zu sanieren. Hierzu soll es noch in diesem Monat einen Runden Tisch mit Vertretern des Berliner Bahn-Vorstandes, der Hamburger S-Bahn und der Behörde geben, kündigte Westhagemann am Donnerstag an. «Wir müssen verbindliche Absprachen treffen und Maßnahmen schneller umsetzen.» Von Oppositionsparteien in der Bürgerschaft wurde Westhagemann aufgefordert, es nicht bei Lippenbekenntnissen zu belassen.

Nach Stellwerksproblemen bei der S-Bahn im Süden, einem Eindringling in den S-Bahntunnel Reeperbahn sowie einer U-Bahn-Teilsperrung war es im Öffentlichen Nahverkehr am Dienstag zu langen Wartezeiten, erheblichen Verspätungen und infolgedessen zu teils hämischen Kommentaren in sozialen Medien gekommen. Das Ungemach setzte sich fort: Aufgrund eines Blitzeinschlags an der Strecke mussten S3-Fahrgäste bis Betriebsschluss in Neugraben umsteigen. «Verspätungen möglich», twitterte die S-Bahn.

«Wir haben 2019 bisher einen schlechten Lauf», räumte Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke am Donnerstag ein. Statt einer vereinbarten Pünktlichkeit von 94 Prozent liege die S-Bahn derzeit bei rund 92 Prozent. Die Stadt, die die S-Bahn jährlich mit 96 Millionen Euro unterstützt, kann Geld zurückverlangen, wenn der vorgegebene Zielwert am Jahresende nicht erreicht wird. «Gibt es auf einer S-Bahn-Linie eine Störung, schlägt es auf das gesamte System durch», erläuterte Arnecke.

Vor allem die Zunahme «externer Störungen», die den Betrieb kurzzeitig lahmlegen können, bereitet dem S-Bahn-Chef Sorgen. Immer öfter gebe es Menschen im Gleis, sagte Arnecke. Um das zu verhindern, sollen die Strecken nach Bergedorf und Harburg mit Zäunen abgesichert werden. In S-Bahn-Stationen sollen Tunnelzugänge mit Türen dicht gemacht werden. Angesichts steigender Fahrgastzahlen habe auch die Zahl von Rettungseinsätzen zugenommen, um erkrankte Menschen aus Zügen zu versorgen, allein am Donnerstag seien es drei Einsätze gewesen. Die Hamburger S-Bahnen werden täglich von rund 750 000 Menschen genutzt, fast ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren.

Außerdem ist die neue S-Bahn-Baureihe 490 erst mit 35 statt 60 Fahrzeugen im Einsatz, weil durch den Hersteller Bombardier eine neue Software aufgespielt werden musste. Außerdem würden diese Züge lahmgelegt, wenn Fahrgäste mutwillig bereits geschlossene Türen aufreißen, um doch noch mitzukommen. Mit entsprechenden Aufklebern will die S-Bahn hier Abhilfe schaffen. Mit mehr Informationen und besseren Durchsagen sollen die Fahrgäste auf den Bahnsteigen und in Zügen künftig versorgt werden.

Länger wird es dagegen dauern, die Stellwerke zu erneuern. «Die Relais-Technik aus den 70er Jahren ist sehr anfällig, zum Teil gibt es keine Ersatzteile mehr», berichtete der S-Bahn-Chef. Nach einer digitalisierten Stellwerksanlage für Bergedorf, ein deutschlandweites Vorzeigeprojekt, soll auch die Harburger Anlage umgerüstet werden. Von den 17 S-Bahn-Stellwerken sind vier aus den 1920/30er Jahren.

«Bei der Bekämpfung der S-Bahnprobleme ist es allerhöchste Eisenbahn», mahnte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Thering. «Lippenbekenntnisse reichen hier nicht.» Er forderte den Einsatz von mehr Lang- und Vollzügen. Der FDP-Fraktion reicht der Runde Tisch nicht: «Instandhaltung und Ausbau der Schieneninfrastruktur sowie eine bessere Information an den Bahnhöfen und in den Zügen müssen auch umgesetzt werden.»

Für eine schnelle Umsetzung verabredeter Maßnahmen sprach sich auch die Grünen-Fraktion aus. «So wie es im S-Bahn-Betrieb läuft, kann es nicht weitergehen», teilte ihr verkehrspolitischer Sprecher Martin Bill mit. Die SPD-Fraktion begrüßte, dass der Verkehrssenator «die Deutsche Bahn nun ins Gebet nimmt». Sie müsse aber auch liefern.

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