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Virologe Schmidt-Chanasit nicht von Teil-Lockdown überzeugt

29.10.2020 - Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit findet den beschlossenen Teil-Lockdown im November in mancher Hinsicht überzogen. Er und einige seiner Kollegen seien nicht gegen alle Maßnahmen, «aber bei bestimmten Maßnahmen stellt sich einfach die Frage der Verhältnismäßigkeit und ob sie auch zielgerichtet sind und das bezwecken, was wir eigentlich erreichen wollen - also eine Stabilisierung der Lage», sagte der Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin am Mittwochabend in den ARD-«Tagesthemen».

  • Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Foto: picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Foto: picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

So sei beispielsweise die Schließung der Hamburger Elbphilharmonie, deren Hygienekonzept er gut kenne, nicht zielführend. «Es ist aus meiner Sicht, aus virologischer Sicht, nahezu unvorstellbar, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind. Insofern stellt sich hier die Frage der Verhältnismäßigkeit, ob man so eine Einrichtung wirklich schließen sollte, wo eben Infektionen mit aller Wahrscheinlichkeit nicht aufgetreten sind.»

Der Virologe mahnte mit Blick auf die mittlerweile mangelnde Nachvollziehbarkeit der Infektionsketten vor Spekulationen. «Wir dürfen nicht spekulieren, dass diese Maßnahmen in Bereichen notwendig sind, wo wir gute Hygienekonzepte haben. Also spekulieren, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind.» Stattdessen sollte auf Basis der Daten zielgerichtet gehandelt werden.

Den richtigen Weg aus der Corona-Krise kenne derzeit keiner, «es gibt hier keine Blaupause». Dennoch sei es wichtig, nun ein langfristiges Konzept zu entwickeln. Zudem müssten die Zielgruppen noch besser erreicht werden, bei denen die Infektionen stattgefunden haben. «Da kommen wir mit Verboten auch nicht weiter, das muss ganz klar sein.»

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