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Warnstreiks: Hunderte Ärzte und Pflegekräfte beteiligt

04.02.2020 - Vor der nächsten Verhandlungsrunde für das Uniklinikum Schleswig-Holstein machen Ärzte und Pflegekräfte mit Warnstreiks Druck. Die Grünen schlagen eine Schlichtung vor. Das UKSH hält sich bedeckt, ob es ein neues Angebot vorlegen wird.

  • Streikende Pflegekräfte stehen vor dem Universitätsklinikum UKSH. Foto: Carsten Rehder/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Streikende Pflegekräfte stehen vor dem Universitätsklinikum UKSH. Foto: Carsten Rehder/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kiel/Lübeck/Hannover (dpa/lno) - Hunderte Ärzte und Pflegekräfte haben am Dienstag den Warnstreik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein unterstützt. Die Versorgung der Patienten sei durch die getroffenen Notdienstvereinbarungen sichergestellt gewesen, teilten die Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund sowie ein Sprecher des UKSH übereinstimmend mit. Es seien aber Termine und aufschiebbare Operationen verlegt worden.

Ein Verdi-Sprecher forderte den Vorstand des UKSH auf, endlich die Blockadehaltung aufzugeben und bei der sechsten Verhandlungsrunde für die Pflegekräfte am Donnerstag ein ordentliches Angebot auf den Tisch zu legen. Dann seien die Chancen auf eine Einigung gut. Ein UKSH-Sprecher äußerte sich ausweichend, ob ein neues Angebot kommt: «Wir vom UKSH reden nicht übereinander, sondern miteinander.» Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Marret Bohn, schlug vor, unabhängige Experten einzubeziehen, um zu einer Schlichtung zwischen Vorstand und Verdi zu kommen.

Den Gewerkschaften geht es vor allem darum, die nach ihrer Darstellung unzumutbar hohe Dauerbelastung von Ärzten und Pflegekräften abzubauen. Verdi verlangt 420 Mitarbeiter mehr, um eine angemessene Pflege zu gewährleisten. Das Klinikum hat bisher 182 Mitarbeiter zusätzlich angeboten. Laut UKSH sind im Klinikum insgesamt rund 3300 Pflegekräfte beschäftigt.

In den vergangenen 20 Jahren seien an den UKSH-Standorten Kiel und Lübeck insgesamt rund 750 Vollzeitstellen abgebaut worden, zugleich hätten die Fallzahlen zugenommen, sagte Verdi-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt und fügte hinzu: «Die Belastungsgrenze ist überschritten.» Das UKSH brauche dringend mehr Personal, «um Arbeitsbedingungen zu gewährleisten, bei denen die Pflegenden nicht selbst krank werden».

Das Land Schleswig-Holstein sei in der Verantwortung. «Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie den UKSH-Vorstand zu einem Kurswechsel bewegt», sagte Kühhirt. «Statt mit juristischen Winkelzügen abzulenken und das Streikrecht seiner Beschäftigten infrage stellen zu wollen, muss das landeseigene Uniklinikum endlich einen substanziellen Tarifvertrag zur Entlastung abschließen.» Zuletzt hatte der Klinikvorstand versucht, Arbeitsniederlegungen per einstweiliger Verfügung vor dem Arbeitsgericht zu verhindern. Eine Sprecherin des Marburger Bundes betonte, «insbesondere die vielen jungen Ärzte, die zur zentralen Protestkundgebung des Marburger Bundes nach Hannover fuhren, wollen in erster Linie Entlastung bei den inakzeptablen Bereitschaftsdiensten und der hohen Zahl an Wochenenddiensten.» Die Ärzte-Gewerkschaft fordert eine verlässliche Dienstplangestaltung, eine Begrenzung der Bereitschaftsdienste und eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent.

Der Marburger Bund zählte am Dienstagmittag in Hannover etwa 4000 Menschen, die meisten in weißen Arztkitteln. Dazu trugen sie Schilder mit Aufschriften wie «Ich bin sauer», «Mama, warum wohnst du im Klinikum?» oder «Nach müde kommt blöd».

Zu der Kundgebung und einem ganztägigen Warnstreik in Uni-Kliniken in ganz Deutschland hatte die Ärzte-Gewerkschaft aufgerufen, um den Druck auf die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zu erhöhen. Am Nachmittag sollte die nächste Runde der Tarifgespräche beginnen.

Die Grünen-Politikerin Bohn betonte, gute Arbeitsbedingungen seien unverzichtbar für eine gute Patientenversorgung. Das gelte für die Pflege und die medizinische Behandlung. Neun von zehn Ärzten fühlten sich nach Angaben des Marburger Bundes überlastet. Bei Pflegekräften sehe es nicht anders aus. «So kann es am UKSH nicht weitergehen!»

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens erweise sich als verhängnisvoller Irrtum, sagte Bohn. «Wir Grüne fordern ethische statt ökonomische Grundwerte im Gesundheitswesen. Das beinhaltet auch eine angemessene, reale Personalausstattung. Nur so kann eine gute medizinische und pflegerische Versorgung gewährleistet werden.»

Über die Zahl der Ärzte und Pflegekräfte vom UKSH, die sich am Dienstag am Warnstreik beteiligten, gingen die Angaben der Gewerkschaften und des UKSH weit auseinander. Laut UKSH hatten sich etwa 160 von mehr als 2000 Ärzten abgemeldet. Der Marbacher Bund nannte die Zahl 350. Laut Verdi waren in Lübeck etwa 350 Pflegekräfte im Warnstreik, in Kiel etwa 300 sowie 200 Auszubildende. Dagegen nannte das UKSH lediglich die Gesamtzahl von gut 200 Pflegekräften. Bereits am Montag hatten sich hunderte Pflegekräfte in Kiel und Lübeck an dem zweitägigen Warnstreik beteiligt.

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