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Weniger exotische Tiere ausgesetzt in Hamburg: «Boom vorbei»

23.06.2020 - Wenn sich im Kleingarten plötzlich ein Stachelschwanzwaran breit macht oder nach dem Angeln im eigenen Schlafsack sich plötzlich eine Boa constrictor schlängelt, ist Expertenhilfe gefragt. Das Hamburger Tierheim ist dann schnell zur Stelle - und kennt die Trends.

  • Zwei Griechische Landschildkröten fressen in ihrem Gehege im Hamburger Tierheim. Foto: Christian Charisius/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Zwei Griechische Landschildkröten fressen in ihrem Gehege im Hamburger Tierheim. Foto: Christian Charisius/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Rote Kornnattern, meterlange Würgeschlangen, Skorpione und Schildkröten - in Hamburg werden jedes Jahr unzählige exotische Tiere ausgesetzt. «In den meisten Fällen kommen die Tiere nach einer behördlichen Sicherstellung zu uns. Weil die Tiere vernachlässigt wurden oder der Besitzer sich nicht mehr um sie kümmern kann - zum Beispiel, weil er im Krankenhaus liegt oder gestorben ist», sagte Sven Fraaß, Sprecher des Hamburger Tierschutzvereins der Deutschen Presse-Agentur. Der Verein betreibt das Tierheim in der Süderstraße, es gilt als das zweitgrößte in Deutschland. Derzeit leben dort etwa 1000 Tiere.

Dass exotische Tiere eingesammelt werden, kommt allerdings mittlerweile nicht mehr so häufig vor wie noch vor etwa zehn Jahren. «Wir haben glücklicherweise weniger Aussetzungen von exotischen Tieren. Der Boom ist vorbei.» Vor ein paar Jahren noch seien vor allem Königspython, Bartagamen und Kornnattern in Umlauf gebracht worden. «Das sind - flapsig gesagt - die Einsteigerreptilien», sagte Fraaß.

Wenn das Haustier dann aber doch nicht spannend war, hat das Tierheim das zu spüren bekommen. «Wenn es langweilig wird, werden sie ausgesetzt.» Deshalb werden viele exotischen Tiere auch von Privatleuten ins Tierheim gebracht - entweder als Fundtier oder weil sie es nicht mehr versorgen können oder wollen. In der Regel bleiben die Tiere dann auch länger im Tierheim. «Es ist nicht so, dass sie keiner haben will.» Aber die Nachfrage sei mit dem abflauenden Boom logischerweise auch im Tierheim gesunken.

Derzeit leben etwa 173 Reptilien im Hamburger Tierheim. Ein Stachelschwanzwaran (der in einem Kleingartenverein nahe des Flughafens gefunden wurde), ein Jemenchamäleon, vier Geckos, 19 Landschildkröten, 112 Wasserschildkröten und 36 Schlangen. «Darunter sind zwei Madagaskar-Boas, ein Königspython, ein Teppich-Python und sieben Boa constrictor. Eine davon soll es sich an einem Angelsee in einem Schlafsack gemütlich gemacht haben», sagte Fraaß.

Zu den exotischen Tieren der Vergangenheit zählten auch schon Affen aus Afrika, die versehentlich als blinde Passagiere über Container eingeschleust wurden. «Hamburg ist das Tor zu Welt. Und die Tiere sind dann dazu verdammt, als Wildtier hier zu bleiben.»

Dieses Schicksal haben auch viele Schildkröten. «Die werden oft mit einem fälschlicherweise guten Gewissen ausgesetzt. Aber nicht alle Schildkröten schaffen das, weil sie hier nicht heimisch sind.» Und abgesehen davon seien sie trotzdem Störenfriede, die viel wegfressen. «Jeder, der einen Teich hat, weiß: der Teich ist dann leer.»

Das Hamburger Tierheim stellt sich jedenfalls darauf ein, dass zumindest Schildkröten wohl auch künftig regelmäßig eingesammelt werden müssen. Mittelfristig soll deshalb auch ein Treibhaus für die Landschildkröten entstehen. «Da draußen sind noch richtig viele Schildkröten unterwegs.»

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