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Zeugin im Prozess: «Sie wollte Aufmerksamkeit und Geld»

19.08.2019 - Eine Mutter soll ihre Kinder über Jahre schwer krank geredet haben. Die Angeklagte schweigt. Eine ihrer Töchter sagt: «Sie wollte Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung.»

  • Das Landgericht Lübeck. Foto: Markus Scholz/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Landgericht Lübeck. Foto: Markus Scholz/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lübeck (dpa/lno) - Die Vorwürfe klingen schier unglaublich. Rheuma, Asthma, die Bluter- und die Glasknochenkrankheit - alle diese Leiden soll eine 49 Jahre alte Mutter ihren Kindern angedichtet haben, um widerrechtlich Sozialleistungen zu kassieren. Deshalb muss sich die Frau aus Lensahn im Kreis Ostholstein seit Montag vor dem Landgericht Lübeck verantworten. «Meine Mandantin will sich zu den Vorwürfen nicht äußern», sagte Verteidiger Frank Eckhard Brand gleich zu Beginn.

Seit 2010 soll die Mutter Behörden, Krankenkassen und Schulen vorgespiegelt haben, ihre 2002, 2005 und 2008 geborenen Söhne und ihre im Jahr 2000 geborene Tochter litten an schweren Krankheiten und müssten im Rollstuhl sitzen. Dazu habe sie Arztberichte gefälscht und Spezialisten, die sie aufsuchte, nicht vorhandene Symptome der Kinder geschildert, heißt es in der Anklage.

Insgesamt soll ein Schaden von rund 140 000 Euro entstanden sein. Die Frau hat noch eine weitere Tochter, die von dem mutmaßlichen Betrug ihrer Mutter nicht betroffen war. Die heute 27-Jährige sagte am Montag auch als Zeugin aus.

Der Schwindel flog erst auf, als der Kreis Ostholstein 2016 Unstimmigkeiten entdeckte und Anzeige erstattete. Die Kinder wurden vom Jugendamt in Obhut genommen und in Pflegefamilien untergebracht.

«Wir gehen davon aus, dass die Kinder durch das Handeln der Mutter körperliche und auch seelische Schäden davongetragen haben», sagte Staatsanwältin Dorothea Röhl. Irgendwann hätten die Kinder selbst angenommen, schwer krank zu sein.

Das bestätigte auch die älteste Tochter der Angeklagten in ihrer Zeugenaussage. «Meine Mutter hat den Kindern erzählt, ihre Krankheiten würden sich verschlimmern, wenn sie nicht im Rollstuhl säßen», sagte sie. Sie selbst habe sich dem Ansinnen der Mutter widersetzt als die ihr einreden wolle, sie litte wie ihre Brüder an Rheuma und der Glasknochenkrankheit.

Die 27-Jährige, die seit 2014 nicht mehr im Elternhaus lebt, war als einziges der Kinder zur Aussage bereit. Ihre Schwester verweigerte die Aussage, ihre Brüder waren gar nicht erst vor Gericht erschienen.

«Ich vermute, es ging meiner Mutter neben dem Geld auch um Aufmerksamkeit», sagte die Tochter auf eine Frage der psychiatrischen Gutachterin. In einer TV-Sendung im Jahr 2014 war die Angeklagte als Alltagsheldin mit vier behinderten Kindern gefeiert worden. Eine DVD dieser Show wurde im Gerichtssaal abgespielt.

Der Prozess wird am 22. August fortgesetzt.

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